Tips Demo

BEZUGSGRUPPEN IN GROßEN GRUPPEN BEISPIEL DEMO

Deine/ Eure Bezugsgruppe hat sich vorgenommen zur nächsten Demo zu gehen. Vor der Demo Natürlich seid Ihr gut vorbereitet. Ihr seid alle ausgeschlafen und habt auch noch mal besprochen, wie es euch so geht und was Ihr heute auf der Demo machen wollt; das kann von mitlaufen bis durchbrechen alles sein…. Einige von euch waren auf dem Vorbereitungstreffen der Demo (falls es Euch schon länger gibt) und haben die anderen informiert. Ihr habt euch zwar nicht in die Organisation der Demo eingebracht, aber ein oder zwei von euch sind für eure Bezugsgruppe zu dem Vorbereitungstreffen gegangen, um zu gucken wie sich eure Bezugsgruppe noch einbringen kann. Ihr habt vorher diskutiert, ob eure Gruppe eine bestimmte Aufgabe übernimmt, wie den Lautischutz (Glossar: Lauti) oder ob Ihr in den ersten Reihen mitlaufen wollt. Ihr habt euch nicht so richtig gemeinsam entschließen können und deswegen nichts zugesagt. Nach dem Treffen habt ihr euch noch mal getroffen und euch entschlossen ein Transpi zu malen. Ihr habt euch vor der Demo verabredet und seid gemeinsam zum Treffpunkt gegangen. Eure Verabredungen trefft ihr möglichst persönlich. Am Telefon und besonders am Handy gerne mitgehört wird und ihr findet es nicht nötig, dass die Bullen gleich wissen, dass ihr als Gruppe unterwegs seid.

Während der Demo

So, nun seid Ihr angekommen, habt Freund_innen getroffen und ein wenig den Redebeiträgen gelauscht. Die Demo soll jetzt langsam losgehen – leider meist später als vorgesehen. In eurer Bezugsgruppe habt Ihr euch schon mal die Gegend angeguckt und überlegt, wo Ihr in der Demo gerne mitlaufen wollt. Je nach Demo und eurer Stimmung lauft Ihr locker in der Demo mit, guckt, welche Leute noch Bildet Bezugsgruppen 31 so in eurer Nähe sind. Vielleicht kennt Ihr ja auch eine andere Bezugsgruppen, mit denen ihr zusammen eine Reihe bildet. Ihr haltet euer Transpi hoch oder an der Seite. Ihr habt euch auch überlegt, was Ihr tut, falls es zu Rangeleien kommt, so dass Ihr evtl. euer Transpi neben der tollen Botschaft, die Ihr damit vermittelt, entweder als Schutz einsetzen könnt oder es schnell zusammenrollen und Ihr Ketten bilden könnt.

Achten auf andere

Auch ist es gut, wenn eure Bezugsgruppe etwas auf Menschen achtet, die allein unterwegs sind: besonders, wenn es dann doch etwas ungemütlicher auf der Demo wird. Ihr könnt auch überlegen, ob Ihr den Menschen, die wieder mal mit Bierflaschen auf der Demo rum laufen sagt, dass Ihr das gar nicht cool findet und dass sie damit sich selbst und andere gefährden. Das Gleiche, wenn einige wieder mal sexistische Sprüche klopfen oder mackeriges Verhalten an den Tag legen, eure Bezugsgruppe kann hier eingreifen. Überlegt euch vorher am besten wie. Ihr wisst als Bezugsgruppe ungefähr, wie weit Ihr gehen wollt und, wenn nötig und möglich, sprecht Ihr es kurz ab – auch den Zeitpunkt, wann Ihr gehen wollt oder mit nach vorne stürmt. Wenn es ungemütlich wird, die Bullen Leute raus greifen wollen oder euch nicht durchlassen wollen, bildet Ketten und fordert andere auch dazu auf. Das gibt euch Sicherheit und die Demo ist geschlossener. Guckt euch um, dass keine Leute überrannt werden und falls die Bullen versuchen, Eine_n festzunehmen, überlegt, ob Ihr da hingeht, rumsteht oder eingreift. Eine entschlossene Gruppe kann eine ganze Menge erreichen, auch wenn es keine Garantie dafür gibt. Genauso wenig gibt es eine Garantie dafür, keine Prügel von den Bullen ab zu bekommen oder nicht festgenommen zu werden, ganz egal wo Ihr euch aufhaltet.

Ruhe bewahren Aber:

Panik ist häufig weit verbreitet, da kann es helfen, wenn eine Bezugsgruppe ruhig und überlegt handelt, wenn sie Ruhe verbreitet, nicht auch in Panik gerät und hektisch wegrennt – auch wenn wegrennen manchmal nötig ist… Das könnt Ihr ausprobieren, Ihr habt den Vorteil, dass Ihr mit Menschen unterwegs seid, die Ihr kennt und WER STEHT DA EIGENTLICH NEBEN MIR…? Verdeckte Ermittler_in, Kripo in Zivil, V-Leute… sie tragen nicht immer den langen Trenchcoat oder eine Sonnenbrille. Von bieder bis sportlich, von Autonom bis Punk ist ihr Repertoire unserem Outfit angepasst. D.h. bevor ich mich mit Freund_innen oder meiner Gruppe bespreche, schaue ich mich mal um, wer da noch so rumsteht und große Ohren bekommt. Aber vergesst dabei nicht, dass auch Menschen dabei sind, die neu sind, weniger Informationen haben oder sich unsicher sind. Nicht alle, die unmotiviert in der Gegend rum stehen, gehören zum Staatsschutz! NACH AKTIONEN… haben die meisten Menschen das Bedürfnis über ihre Erlebnisse zu sprechen, entweder weil sie einen besonders fiesen Polizeieinsatz erlebt haben (siehe auch Traumatisierung) oder weil die Aktion so wunderbar und pfiffig gelaufen ist. Wenn Aktionen gelaufen sind, geht es niemanden mehr etwas an, wer geplant hat oder dabei war. D.h. nicht, dass ihr nicht drüber reden sollt, sondern, dass ihr genau darauf achtet, mit wem ihr wo über was redet, bspw. nicht am Telefon (Glossar: Handy). mit denen Ihr vorher was abgesprochen habt. Es gibt kein Rezept!

Fazit:

Es gäbe hier noch viel zu sagen. Einige Anmerkungen, die wir erhielten, bezogen sich darauf, dass auf Aktionen auch immer Spitzel unterwegs sind. Dass ist sicherlich so und soll auch nicht hinten runter fallen, aber es soll euch auch nicht total hemmen, was zu machen. Bezugsgruppen sollten zusammenwachsen und wenn ihr euch besser kennt, was über den Alltag der anderen mitbekommt und Vertrauen zueinander habt, solltet ihr euch immer noch mal Gedanken machen, mit wem ihr welche Aktion macht. Wenn ihr euch ausführlich mit dem Thema beschäftigen wollt: Mohr/Viehmann: “Spitzel”, 2004, Assoziation A oder guckt mal im Infoladen (Glossar).

BURN-OUT STATT BURN DOWN ?

Ausgebrannt sein und politische Arbeit in Gruppen

Die meisten kennen das. Immer wieder kommt es in den verschiedensten Gruppen dazu, dass sich einzelne Personen völlig aufreiben – bin hin zum Rückzug aus der Gruppe und zur Selbstaufgaben. Oft merkt es diese Person nicht selbst und sofort. Spätestens dann ist es für das Umfeld sehr wichtig einzugreifen. Gründe, um in diese Situation zu kommen, gibt es viele. Sie spiegeln sich auf verschiedenen Ebenen wieder.

Das ,,Ausgebrannt sein„ oder englisch ,,Burn- out – Syndrom„ bezeichnet einen besonderen Fall chronischer Erschöpfung.

Durch ständige Frustration, das Nichterreichen eines Zieles und zu hohe persönliche Erwartungen an die eigenen Leistungen kann es zu dieser Überlastung kommen.

Dabei sind die Symptome vielfältig und können in Bezug auf Auftreten und Ausmaß individuell unterschiedlich sein. Die Symptome können Depressionen sein, aber auch Beschwerden wie Schlafstörungen,Kopfschmerzen, Magenkrämpfe oder andere körperliche Beschwerden. Typische Symptome sind auch Schuldgefühle bspw. Sich nicht genügend einzubringen. Der oder die

,, Ausgebrannte„ erlebt die Umwelt im Allgemeinen als nicht mehr kontrollierbar ( was auch nicht falsch ist , schließlich sind wir in den jetzigen Verhältnissen tatsächlich in hohem Maße fremdbestimmt) und zieht sich oft völlig in sich zurück. Hilfe von außen ( durch Freund_innen oder Verwandte) wird kaum noch oder gar nicht mehr angenommen. Es gibt verschiedene Ebenen, auf denen die Ursache und der Anlass für ein Ausgebrannt – sein basieren. Daher kann auch neben Hilfe von Freund_innen fachliche Hilfe vonnöten sein.

Die Ursachen sollen im Folgenden kurz angedeutet werden:

Die Gruppendynamik

Ein Aspekt ist die gruppendynamische Ebene. Diese entsteht unter anderem durch

( zufällige Reihenfolge): a) ( Wissens-)Hierarchien und fehlende Transparenz; b) Heterogenität, unterschiedliche Hintergründe, warum wer in einer Gruppe ist – unterschiedliche Ambitionen in einer Gruppe mitzumachen – die Suche nach sozialem Kontakt kollidiert mitunter z.B mit dem politischen Anspruch; c) offene Gruppen, die deswegen oft als zu unverbindlich aufgefasst werden;

Subgruppen, Klüngel und Mobbing; e) Politgruppe/aktive Menschen – nicht losgelöst von Alltag zu sehen; f) Gruppenstrukturen/ Dominanzen (,, Arschloch´´, Held_in, Symphieträger_in); g) unterschiedliche Energiereserven und Kapazitäten werden zu wenig wahrgenommen/ respektiert; h)Perfektionszwang

Die individuelle Ebene

Eine weitere Ebene ist die individuelle Ebene und eigene ,,persönliche „ Struktur, wodurch es dazu kommt, dass bestimmte Menschen besonders gefährdet sind, sich völlig zu verausgaben. Dazu gehört: a) ein hoher eigener Anspruch/hohe Erwartungen an andere; b ) möglicherweise stellt die Politgruppe auch die leider erfolglose Flucht aus dem beschissenen Alltag dar; c) enttäuschte Suche nach sozialem Netz; d) enttäuschte Suche nach Sinn ( im Leben ) ; e) Idealismus und Realität sind mitunter nicht vereinbar; f) eigens auferlegter Zwang, Pflichtbewusstsein; g) enttäuschte Suche nach Bestätigung; h) Helfer_innen komplex – eigene Traumata verdrängen.

Die Geselllschaftliche Ebene

Nicht zu vergessen: Wir leben in einer Gesellschaft, die einzig auf individueller Leistung basiert, in der die oder der Einzelne nichts kriegt und nichts zählt, wenn sie/er nichts leistet. Dieser Zwang, die unerbittliche Konkurrenz, welcher Mensch sich individuell immer wieder aufs Neue stellt muss, macht eine_n eben auch ,,verrückt„ und ,,krank„. Daher können die gesellschaftlichen Verhältnisse auch nicht ausgeklammert werden.

Wie geht es besser?

Zu dieser Ebene kommen noch die ,,Probleme„, die das Arbeiten in Gruppen an sich oft erschweren. Meistens loben wir uns selber gegenseitig zu wenig oder eben nur bestimmte Leute bzw. nur bestimmte Arbeiten. Die informelle Arbeit wird oft unterbewertet ,es gibt festgefahrene Rollenverteilung in einer Gruppe, doch keine klaren Zuständigkeiten. Das Private wird nicht im richtigen Maß zugelassen und persönliche Grenzen werden nicht wahrgenommen. Und auch die Repression von verschiedenen Seiten – vor allem staatlicherseits – sind eine Belastung für jede_n einzelne_n, wobei es wichtig ist ,diese in der Gruppe zu bearbeiten.

Lösungsansätze könnten sein, die internen Struktur zu klären, die momentanen Ziele zu klären; Sensibilität anderen und uns selbst gegenüber zu entwickeln und vor allem herrschaftsfreie Strukturen zu etablieren. Es ist auch immer wieder sinnvoll, nachzuvollziehen ,was den gerade in einer Gruppe nicht so toll läuft, vor allem diese Punkte zu bedenken ( und noch viel mehr ), wenn sich die Gruppe mal wieder stresst und kein Mensch weiß oder sagt, woran es liegt.