Die Club- und Partyszene ist seit Jahrzehnten ein fester Bestandteil urbaner Jugend- und Musikkultur. Gleichzeitig gilt sie als ein Raum, in dem experimenteller Drogenkonsum – insbesondere von sogenannten „Partydrogen“ wie MDMA, Amphetaminen, Ketamin oder neuen psychoaktiven Substanzen – verbreitet ist. Bereits seit den 2000er-Jahren bemühen sich Initiativen aus der Szene heraus, Konsumierende über Risiken aufzuklären und sicherheitsorientierte Prävention zu etablieren.
Entwicklung der Präventionsarbeit in der Clubkultur seit 2009
Bereits um 2009 begann eine Reihe von Projekten in verschiedenen Städten Deutschlands – unter anderem in Berlin, Frankfurt und Köln – intensiv daran zu arbeiten, Prävention direkt in den Clubs und auf Veranstaltungen zu verankern.
Ziel war es, Aufklärung „am Ort des Geschehens“ zu leisten:
- Verteilung von Informationsflyern zu Substanzen und Mischkonsum,
- Bereitstellung von sauberem Konsumutensil („sauberes Besteck“) und Kondomen,
- Drug-Checking-Angebote sowie
- anonyme Beratung vor Ort durch geschulte Fachkräfte.
Diese Maßnahmen wurden oft von Vereinen, Stadtinitiativen oder engagierten Clubkollektiven getragen – mit Unterstützung einzelner Kommunen, jedoch ohne nennenswerte finanzielle oder strukturelle Hilfe von der Bundesregierung.
Bis heute, so die Einschätzung vieler Akteure der Szene, fehlt eine systematische Förderung dieser präventiven Arbeit. Die Projekte arbeiten vielfach ehrenamtlich oder mit temporären Fördergeldern, die keine langfristige Planung ermöglichen.
Aktuelle Lage laut Bundesdrogenbeauftragtem (2025)
Hendrik Streeck, der derzeitige Bundesdrogenbeauftragte, warnt in seinen aktuellen Stellungnahmen (November 2025) vor einer besorgniserregenden Entwicklung:
- 2 137 Drogentote im vergangenen Jahr,
- deutlicher Anstieg bei unter 30-Jährigen (+14 %),
- Zunahme von synthetischen Opioiden und neuen psychoaktiven Substanzen (NPS),
- wachsender Mischkonsum in Partyszenen.
Streeck spricht von einer „quasi pandemischen Dynamik“ und fordert eine engere Verzahnung von Forschung, Aufklärung und Prävention.
Gleichzeitig betont er, dass bisherige Systeme zu träge reagieren und neue Formen des Drogengebrauchs – gerade im Nachtleben – oft erst bemerkt werden, wenn es bereits zu spät ist.
Fehlende politische Unterstützung
Trotz der langjährigen Bemühungen der Clubszene und vieler zivilgesellschaftlicher Akteure blieb eine nachhaltige Unterstützung durch die Bundesregierung aus.
Insbesondere:
- fehlende finanzielle Mittel für Aufklärungskampagnen,
- keine gesetzliche Grundlage für flächendeckendes Drug-Checking,
- mangelnde Förderung für niedrigschwellige Beratungsangebote in Clubs und auf Festivals.
Diese Lücke führt dazu, dass Prävention und Schadensminderung fast ausschließlich von Initiativen getragen werden, die aus der Szene selbst hervorgegangen sind.
Viele dieser Gruppen betonen, dass ihre Arbeit deutlich effektiver wäre, wenn sie durch stabile Förderprogramme unterstützt würden – sowohl personell als auch materiell (z. B. Infomaterial, Testkits, hygienisches Konsumequipment).
Fazit und Ausblick
Seit über 15 Jahren engagieren sich Clubs, NGOs und freiwillige Helfer*innen aktiv für Aufklärung, Schadensminimierung und sichere Partykultur.
Während sich die Drogensituation – insbesondere durch das Auftreten neuer synthetischer Substanzen – weiter zuspitzt, fehlt es weiterhin an einer bundesweiten Strategie, die diese Präventionsarbeit strukturell absichert.
Der Bundesdrogenbeauftragte erkennt die Schwere der Lage an, doch bislang bleibt offen, wie konkret die Bundesregierung die Club- und Partyszene in Präventionsmaßnahmen einbeziehen wird.
Ein nachhaltiger Ansatz müsste die Lebensrealität junger Menschen berücksichtigen, die Prävention niedrigschwellig und akzeptanzorientiert gestalten und Projekte, die seit Jahren wichtige Aufklärungsarbeit leisten, finanziell und organisatorisch absichern.