Akkumulation der THCA

Die Akkumulation der THCA in einem tiefen Kompartiment ist der Hauptgrund dafür, dass THCA allein wahrscheinlich nicht als Kurzzeitmarker für Cannabiskonsum und auch nicht zur Unterscheidung von gelegentlichem und chronischem Konsum geeignet sein wird. Um diese Frage allerdings endgültig zu klären, müsste den Probanden mehrfach und in kurzen Zeitintervallen eine Dosis THCA verabreicht werden. Verlängert sich die Nachweisbarkeitsdauer und akkumulieren die Konzentrationen (wie nach den vorliegenden Ergebnissen zu erwarten wäre), muss man davon ausgehen, dass die gleichen Phänomene und Probleme wie bei THC auftreten, nämlich eine Anreicherung der lipophilen Substanz in tiefen Kompartimenten und eine noch tage- bis wochenlang andauernde Rückverteilung nach Abstinenzbeginn.

Wahrscheinlich wird sich die Suche nach einer Substanz, die als alleiniger Marker für einen kurz zurückliegenden Cannabiskonsum in der Forensischen Toxikologie eingesetzt werden kann, weiterhin schwierig gestalten. Denn es bleibt fragwürdig, ob eine einzelne Substanz jemals diese Markerfunktion zufriedenstellend, präzise und sicher ausfüllen kann – zu verschieden sind die individuellen Konstitutionen, das Konsumverhalten und die Zusammensetzung der Cannabisprodukte.

Neue Chancen könnte eine anders ausgerichtete Strategie bieten: Es gibt mittlerweile mehrere Ansätze verschiedener Forschergruppen, die Cannabisinhaltsstoffe oder -metabolite auf ihre Aussagekraft bezüglich dieser Fragestellung untersucht haben und feststellen konnten, dass einige nur kurz nach dem Konsum nachweisbar sind. Eine hundertprozentige Sicherheit, anhand dieser Substanzen einen korrekten Konsumzeitpunkt zu errechnen, gab es bisher nicht.

Es würde sich jedoch der Versuch lohnen, das Spektrum der gemessenen Cannabinoide in den Proben von verdächtigen Straßenverkehrsteilnehmern, Leistungssportlern oder Straftätern zu erweitern, nachdem in kontrollierten Studien eine erhöhte Aussagesicherheit gezeigt werden konnte.

Dann könnte man durch Vergleich mit bekannten Konzentrations-Zeit-Profilen und
gemessenen Konzentrationen nicht nur einer Substanz, sondern möglicherweise von zehn, fünfzehn oder zwanzig typischen sekundären Cannabisinhaltsstoffen und nachrangig gebildeten Abbauprodukten erheblich präzisere Aussagen über den Konsumzeitpunkt treffen. In dieses Substanzspektrum könnten Metaboliten der THCA wie THCA-Glucuronid, 8α- bzw. 8bβ-Hydroxy-THCA, 8,11-Bis-Hydroxy-THCA sowie 8- bzw. 4’-Hydroxy-THCA-Carbon-säure-Glucuronid, die sich bei allen Probanden nur kurz nach der Applikation nachweisen ließen, eingeschlossen werden.