Fairer Handel nach ethischen Grundsätzen

VERSCHIEDENE VEREINIGUNGEN ZEICHNEN FAIRE PRODUKTE AUS

Fair Trade ist keine gesetzlich geschützte Bezeichnung. Man versteht darunter den möglichst direkten Handel zwischen den erzeugenden Betrieben aus Ländern der Dritten Welt und dem verarbeitenden Handel der Industriestaaten. Hinter den verschiedenen Siegeln, die Fair Trade Produkte auszeichnen, verbergen sich verschiedene Vereinigungen, die Kriterien festlegen und diesen Handel abwickeln und kontrollieren. Zu den fair gehandelten Rohstoffen zählen Produkte wie Früchte, Fruchtsäfte, Reis, Gewürze, Kaffee, Kakao, Zucker, Blumen oder Tee.

ORGANISATIONEN

Fairtrade Labelling Organisations International (FLO)

Die Fairtrade Labelling Organisations International wurde 1997 gegründet und bildet die Dachorganisation der regionalen Labelling Organisationen. Unter ihrem Dach sind mittlerweile 20 Labelling Organisationen in 21 Ländern vereint. Die FLO kontrolliert die Einhaltung der Richtlinien bei den Produzenten und legt die Mindestpreise für die Rohstoffe fest.

TransFair e.V.

Der Verein Trans Fair e.V. wurde 1992 mit dem Ziel gegründet, die Lebensbedingungen der Plantagenarbeiter in Asien, Afrika und Lateinamerika zu verbessern. Trans Fair e.V. versteht sich als Sozialsiegel, das es gegen Lizengebühr an Importeure und Hersteller vergibt. Trans Fair e.V. zählt zur Dachorganisation FLO. Allein Trans Fair e.V. Deutschland vermeldete für 2013 einen geschätzten Umsatz von 654 Millionen Euro mit Fair Trade Produkten.

Weltladen Dachverband

Weltläden findet man in vielen Städten. Sie halten fair gehandelte Waren aller Art bereit.

gepa Gesellschaft zur Förderung der Partnerschaft mit der Dritten Welt GmbH

Die gepa Gesellschaft unterhält allein in Deutschland mehr als 10.000 Verkaufsstellen für fair gehandelte Produkte und gilt als Europas größtes Handelsunternehmen für fair gehandelte Produkte. Die Produkte der gepa sind mit dem TransFair Siegel ausgezeichnet und stammen zu großen Teilen aus biologischem Anbau.

El Puente

Die Firma El Puente vertreibt und importiert fair gehandelte Produkte von Kleinbetrieben und Genossenschaften aus der Dritten Welt nach Deutschland.

KRITERIEN DES FAIREN HANDELS

Für jede Partei legen die Organisationen bestimmte Kriterien fest, die je nach Organisation auch voneinander abweichen können. Im Allgemeinen sind das folgende Kriterien:

Bedingungen für den Handel

  • Die Beziehungen müssen auf eine langfristige Zusammenarbeit ausgelegt sein
  • Zwischenhändler sind auszuschalten
  • Um Verschuldung der Produzenten zu vermeiden, ist ein Teil der Ernte vorzufinanzieren
  • Für die Rohstoffe ist ein fairer Preis über dem Weltmarktniveau zu zahlen

Bedingungen für die produzierenden Bauern oder Genossenschaften

  • Entscheidungsprozesse müssen in den Betrieben demokratisch organisiert sein
  • Sozialverträglicher Anbau ohne Sklaverei, Kinderarbeit und gesundheitsschädliche Arbeitsmethoden. Außerdem angemessene Bezahlung aller Beschäftigten
  • Nachhaltiger, umweltschonender Anbau
  • Bauern und Genossenschaften sollen aus ärmeren Bevölkerungsschichten kommen
  • Weder Frauen noch andere Bevölkerungsgruppen sollen benachteiligt werden

Die Verbraucherzentrale wünscht sich ein gesetzlich definiertes, einheitliches Fair-Tradesiegel, das europaweit gilt und rechtsverbindliche Kriterien vorgibt.

MISCHPRODUKTE – MONOPRODUKTE

Monoprodukte im Fair Trade Handel sind beispielsweise Kaffee, Kakao, Zucker, Tee oder Gewürze. Diese stammen dann zu 100% aus dem Fairen Handel.

Daneben werden auch Mischprodukte unter dem Fair Trade Siegel vertrieben, die aus mehreren Zutaten bestehen, wie z.B. Säfte oder Schokoladen. Die Anteile der enthaltenen fairtrade-zertifizierten Zutaten wird auf der Produktverpackung ausgewiesen. Für diese Zutaten gelten verschiedene Regelungen in Bezug auf den enthaltenen Fairtradehandelsanteil. Demnach müssen Mischprodukte mindestens einen Anteil von 20% fairtrade-gehandelten Bestandteilen aufweisen. Dieser Anteil bezieht sich auf das Gewicht oder auf das Ausgangsvolumen sämtlicher Inhaltsstoffe, die vor der Verarbeitung gemessen werden. Sofern zugegebenes Wasser oder Milchprodukte einen Anteil von mehr als 50% aufweisen, fließen sie nicht in die Berechnung ein. Bei Mischprodukten des Fair Trade Handels wird gefordert, dass sie die höchste Menge an handelsmäßig verfügbaren Fair Trade Zutaten beinhalten.

ZIELE DES FAIREN HANDELS

Der Faire Handel soll dazu beitragen, dass das Existenzminimum von Kleinbauern und Plantagenarbeitern zu sichern, um so ihre Lebenssituation schrittweise zu verbessern. Die angeschlossenen Bauern erhalten von den Kooperativen einen höheren Preis für ihre Ernte, als lokale Zwischenhändler ihnen zahlen würden. Ein Teil des Mehrerlöses wird verwendet, um Gemeinschaftsprojekte wie Schulen, Straßenbau, Gesundheitsversorgung oder Trinwasserversorgungen zu finanzieren.

UNTERSTÜTZUNG DURCH DIE BUNDESREGIERUNG

Nach Großbritannien gilt Deutschland 2013 als Marktführer bei Fair gehandelten Produkten. Rund 4000 Produkte mit Fair Trade Siegel sind mittlerweile in Deutschland erhältlich. Die Bundesregierung begrüßt, das Verbraucher mit ihrer Kaufentscheidung für Fair Trade Ware gezielt etwa bessere Arbeitbedingungen oder nachhaltige Umweltaspekte beeinflussen können und fördert das Siegel des Vereins TransFair. e.V., indem es die Aktion Faire Woche, die einmal im Jahr stattfindet, unterstützt. Auch das Fair Trade Siegel hat die Bundesregierung im Portal Siegelklarheit aufgeführt.