Ausstellungswirtschaft in Zeiten von Corona

Corona macht es zu allem mal unmöglich das Veranstalter und Messebetreiber mit ihren normalem Konzepten Besucher empfangen dürfen.

Ein kostenspieliges Experiment soll den Schaden für Besucher und Austeller minimieren,doch es ist für viele unmöglich das neue Konzept umzusetzen.

Hört sich gut an: Die Messe Berlin hat eine ihrer wichtigsten Veranstaltungen in „IGW Professional 2021“ umbenannt. „Der Treffpunkt für die Internationale Grüne Woche“. Das Wort Bell kann die Realität nicht verbergen: Die Grüne Woche wurde abgesagt, es gibt möglicherweise einige Expertenforen, darunter einige Snacks für „Profis“. Das ist es. Bis zum nächsten Jahr findet die Messe normal statt. Nicht in Berlin oder anderswo auf der Welt.

Coronahalle wird für die Innotrans gebraucht

Wie bitter 2021 für die landeseigene Messe Berlin wird – und wie teuer für das Land Berlin und damit für die Steuerzahler –, hängt ab von der Innotrans. Die internationale Schienenfahrzeugschau war im September ausgefallen und auf April 2021 verschoben worden. Das könnte klappen – wenn die Halle 26 zur Verfügung steht. Hier hat der Senat ein Notfallzentrum für Corona-Patienten einrichten lassen. Das wurde zwar bislang nicht gebraucht, aber niemand weiß, was kommt. Der Aufsichtsrat der Messe Berlin mit Wirtschaftssenatorin Ramona Pop (Grüne) an der Spitze hat an den Senat appelliert, die Halle freizuräumen und bald einen entsprechenden Beschluss zu fassen. Mit der Innotrans verlöre die Messe einen hohen zweistelligen Millionenbetrag. Der Senat müsste für 2021 rund 100 Millionen Euro bereitstellen, um die Verluste der Messe zu decken. In diesem Jahr sind es schätzungsweise 65 Millionen Euro.

Mehr als zwei Drittel wurde abgesagt

Mehr als zwei Drittel der in diesem Jahr in Deutschland geplanten 368 Messen wurden abgesagt. Nach knapp sechs Monaten Stillstand sind seit September wieder Veranstaltungen möglich, und vor allem der Caravan Salon in Düsseldorf machte der Branche Hoffnung. 107 000 Besucher kamen an zehn Ausstellungstagen, um sich Wohnwagen und Campingzubehör anzuschauen. Das ist eine Menge – im Vorjahr indes waren es 270 000. In Berlin gab es die erste digitale Ifa, ein bescheiden ausgefallenes Experiment, das vor allem Geld gekostet hat. Bislang, so sagt Martin Fritze vom Kölner Institut für Messewirtschaft, hätten die Messegesellschaften vor allem über Digitalisierung geredet. „Es hat sich niemand getraut, eine digitale Messe zu machen“, sagte Fritze im Gespräch mit dem Tagesspiegel. Nun lässt Corona keine andere Wahl.

Überall experimentieren die Messegesellschaften, die sich jede größere Kommune auch als Instrument der regionalen Wirtschaftsförderung leistet. Nirgendwo sonst auf der Welt gibt es so viele Messeveranstalter, die Aussteller aus aller Welt in ihre zumeist hochmodernen und sehr teuren Hallen locken. In Corona-Zeiten ist das ziemlich totes Kapital. Und digitale Veranstaltungen finden die Eigentümer der Messeunternehmen nicht toll, weil die Umweltrentabilität gleich null ist: Aussteller und Besucher geben viel Geld aus, wenn sie in der Stadt sind, aber nicht im Netz. Auch deshalb hat dem Messemanagement bislang der Mut zu größeren Digitalisierungsschritten gefehlt. Und das Geld sowieso.

Staatliche Firmen gehen nicht pleite

Der Trend geht zumindest kurzfristig zu Fachmessen mit regionalem Bezug. Die großen internationalen Veranstaltungen mit ein paar Hunderttausend Besuchern – „das wird schwierig bleiben“, heißt es beim Messeverband Auma. „Rund 60 Prozent der deutschen Unternehmen wollen auch Richtung 2021 und darüber hinaus ihr Messe-Engagement konstant halten“, teilte Auma kürzlich mit. Die wichtigsten Messeziele der Aussteller sei nicht kurzfristiger Umsatz, sondern langfristig die „Gewinnung neuer Kunden, Kundenbindung, Stärkung von Bekanntheit und Image und die Präsentation neuer Produkte“. Hört sich an wie das Pfeifen im Walde. Ohne die besondere Eigentümerstruktur könnte ein Großteil der Messegesellschaften die Pandemie kaum überleben. Aber der Staat geht eben nicht pleite.

Immobilienmanager als Messechef

Der Siemens-Manager Martin Ecknig, bislang nicht als Marketingspezialist oder Digitalisierungsexperte aufgefallen, hat sich auf ein Abenteuer an der Spitze der Messe Berlin eingelassen. Das Geschäft wird vor allem von den fünf großen Leitmessen getragen: Grüne Woche und Fruit Logistica, ITB, Ifa und Innotrans. Fruit Logistica und ITB hat die Messe für das nächste Frühjahr ebenso im Programm wie die Innotrans. Da ist viel Hoffnung im Spiel. Mit großer Wahrscheinlichkeit findet dagegen bereits in sechs Wochen die Boot & Fun statt. Immerhin ein positiver Effekt der Coronakrise: Camping und Wassersport sind gefragt wie nie.

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