Corona Schutz – Seife bringt mehr als Desinfektionsmittel

Desinfektionsmittel ist zurzeit überall ausverkauft. Dabei müsste eigentlich die Seife aus den Regalen verschwunden sein. Die ist nämlich der deutlich bessere Virenkiller.

Es wird von Virologen immer und immer wieder betont: Wer kein geschwächtes Immunsystem hat und nicht mit besonders gefährdeten oder schon infizierten Menschen in Kontakt ist, braucht auch kein Desinfektionsmittel gegen das neuartige Coronavirus. Händewaschen reicht vollkommen aus.

Seife als Allesbekämpfer

Seife ist der Allrounder, wenn es um die Beseitigung von Krankheitserregern geht: Sie tötet alle Viren, Bakterien und sogar einige Parasiten ab. Beim Desinfektionsmittel ist das anders, denn nicht alle Desinfektionsmittel helfen gegen alle Viren, so Sophie Stigler.

„Nicht alle Desinfektionsmittel helfen gegen alle Viren. Seife hilft gegen alle Viren, auch Bakterien und sogar einige Parasiten.“

Viren wie das Corona-Virus mit Desinfektionsmittel zu töten, funktioniert zudem nur, wenn das Mittel sehr hochprozentigen Alkohol enthält. Doch selbst dann müsste man die Viren richtig im Alkohol ertränken, damit sie kaputt gehen, sagt der australische Chemieprofessor Pall Thordarson.

Dafür bräuchte man also relativ viel Gel oder Spray. Desinfektionstücher seien laut WHO für die Hände überhaupt nicht geeignet und bringen nicht mehr als das normale Abrubbeln mit Tüchern ohne Desinfektionsmittel, erklärt Sophie Stigler.

Seife zerstört die Fetthülle der Viren

Im Endeffekt tut die Seife bei der Virentötung das, was sie sonst auch bei unseren Fingern macht: Sie zerstört und beseitigt den fettigen Dreck. Auch das Coronavirus ist von einer fettigen Hülle umschlossen, die dann durch die Seifenmoleküle aufgebrochen wird. Das Virus platzt auf und geht kaputt.

Durch das Aufschäumen schafft es die Seife auch in kleine Hautfalten und unter die Fingernägel vorzudringen. Außerdem löst sie die Verbindung zur Haut wie zum Beispiel zu alten und toten Hautzellen, auf denen die Viren gerne kleben bleiben. Der Prozess, bis die Virenbestandteile in kleine molekulare „Seifenkäfige“ eingeschlossen und weggespült werden, dauert aber etwas.

Das Abwaschen ist wichtig

Daher kommt auch die allgemeine Empfehlung, 20 bis 30 Sekunden lang die Hände zu waschen.

Das Abspülen an sich ist ein weiterer Vorteil gegenüber dem Desinfektionsmittel. Denn, wenn nicht alle Viren richtig zerstört wurden, werden sie danach ja auch nicht abgewaschen und bleiben einfach weiter auf der Haut.

Zu viel Seife schadet der Haut

Ein Problem gibt es trotzdem mit der Seife: Sie löst nicht nur die Viren, sondern auch unser schützendes Hautfett ab. Das Resultat sind dann trockene, rissige Hände. Nutzt man nur Desinfektionsmittel, bleibt der Schutz erhalten. Am schlechtesten für die Haut ist es übrigens, erst die Hände zu waschen und dann noch zu desinfizieren.

„Am allerschlimmsten für die Haut ist es, wenn man beides hintereinander macht – Waschen und Desinfizieren.“

Für Menschen im Gesundheitswesen, die sich permanent die Hände reinigen müssen, empfiehlt das Robert-Koch-Institut deshalb die Nutzung von Desinfektionsmitteln. Natürlich steht nicht in allen Situationen ein Waschbecken bereit. Sophie Stigler sagt deshalb, dass alle, die gerade unterwegs sind oder ihre Tastatur reinigen möchten, trotzdem auf desinfizierende Mittel zurückgreifen können. Bei der Smartphonereinigung tut es aber auch die Seife.

Smartphones können nicht mit Seife sauber werden

Grundsätzlich raten viele Handyhersteller davon ab, scharfe Reinigungsmittel oder Seife zu benutzen, da die fettabweisende Schicht des Bildschirms davon kaputtgehen könnte.

Wer aber eine Schutzfolie hat, kann das Smartphone einfach ausschalten und mit einem trockenen oder nassen Brillentuch das Smartphone einmal abwischen.