Corona-Virus: China verbietet zeitweilig Wildtierhandel

Mehr als 1.000 Menschen sind inzwischen in China am neuartigen Corona-Virus (2019-nCoV) gestorben, mindestens 43.000 sind infiziert. Die chinesische Regierung reagiert auf die massive Ausbreitung der Erkrankung, bringt ganze Städte in Quarantäne, baut Krankenhäuser – und bekämpft den Ursprung des Erregers: Die WildtiermärkteChina hat den Handel mit Wildtieren zeitweilig verboten, auch Vietnam will nachziehen. Inzwischen gibt es Anhaltspunkte, dass das Virus ursprünglich aus einem Schuppentier stammen könnte, gesichert sind diese aber nicht.

Einem Bericht im renommierten Nature Journal zufolge könnte das Corona-Virus 2019-nCoV seinen Ursprung im Malaiischen Schuppentier haben. Die Tiere scheinen der wahrscheinlichste Zwischenwirt zu sein, so die offizielle chinesische Nachrichtenagentur Xinhua. Experten der Schuppentier-Spezialistengruppe der Weltnaturschutzunion (IUCN) und der Universität von Hong Kong sind sich aber nicht so sicher. Bis nachgewiesen werden könne, dass das Schuppentier tatsächlich der Ursprung ist, sei es noch ein langer Weg. Man ist sich aber sicher, dass „das Ende des illegalen Handels mit Schuppentieren dazu beitragen könnte, potenzielle Gesundheitsrisiken im Zusammenhang mit dem Verzehr von Wildtieren zu reduzieren“, so Dr. Dan Challender, Vorsitzender der IUCN Pangolin Specialist Group.

Wildtiermärkte

Was ziemlich wahrscheinlich ist: Das Corona-Virus 2019-nCoV hat seinen Ursprung auf einem Wildtiermarkt in China. Dort werden unter hygienisch bedenklichen Umständen tote und lebendige – oft illegal gejagte – Wildtiere wie Fledermäuse, Schlangen, Krokodile, Schuppentiere, Enten, Eichhörnchen, Füchse und Wolfswelpen gehandelt. Die Tiere werden auf engstem Raum in Käfigen gehalten. Das ist nicht nur aus Tierschutzgründen problematisch, sondern bietet den idealen Nährboden für Krankheitserreger, die sich etwa über Körperflüssigkeiten verbreiten.

Die chinesische Regierung hat reagiert und den Handel mit Wildtieren zwischenzeitlich verboten – auf Märkten, in Restaurants und im Internet – und angekündigt, massiv gegen Zuwiderhandlungen vorzugehen. Es ist ein Schritt in die richtige Richtung, gegen die Verbreitung gefährlicher Krankheiten, aber auch gegen den illegalen Wildtierhandel, vorzugehen.

Denn die meist illegale Jagd nach Wildtieren stellt in vielen tropischen Wäldern die weitgreifendste Gefahr für die biologische Vielfalt dar. Ob das Verbot auch nach Abebben der Epidemie Bestand hat, wird sich zeigen. Erfreulich ist, dass inzwischen auch andere asiatische Länder die latente Gefahr sehen, darunter Vietnam, einer der Hotspots des illegalen Handels mit Wildtieren.

Situation in Vietnam

In Vietnam gibt es inzwischen mehr als ein Dutzend gesicherte Corona-Fälle. Die Regierung hat Schulen geschlossen, Rückkehrer aus China vom Vietnamesischen Neujahrsfest müssen nach ihrer Ankunft zwei Wochen in Quarantäne, die Bevölkerung soll öffentliche Versammlungen meiden.

Buschfleisch ist in Vietnam hoch im Kurs, es gilt als Delikatesse, vor allem in den Städten. Deshalb wird es überwiegend in gebildeten und gut situierten Bevölkerungsschichten konsumiert – zu besonderen Anlässen und bei Geschäftsessen zum Beispiel. Drei Viertel des Buschfleisches wird in Restaurants konsumiert, so das Ergebnis einer Studie, die der WWF 2015 gemeinsam mit der Universität Hohenheim veröffentlicht hat.

„Auch in Vietnam will man nun energisch gegen den illegalen Wildtierhandel vorgehen und die Einfuhr von Buschfleisch aus China stoppen. Doch es ist nicht auszuschließen, dass für den Menschen gefährliche Zoonosen auch in vietnamesischen Wildtieren vorkommen“, so Dr. Stefan Ziegler, Naturschutzreferent Asien beim WWF Deutschland. „Die Überlegungen in Vietnam gehen nicht weit genug, auch hier muss der legale Handel mit Wildtieren und deren Produkten besser kontrolliert werden und Wilderei strikt verfolgt und geahndet werdenNicht nur zum Schutz der Menschen vor gefährlichen Infektionskrankheiten, sondern auch zum Schutz der Artenvielfalt.“

WWF Vietnam fordert Ende des Wildtierhandels

“Durch den ausgeprägten Handel mit Wildtieren ist Vietnam seit vielen Jahren prädestiniert für vom Wildtier auf den Menschen übertragene Infektionskrankheiten wie SARS und das neuartige Coronavirus 2019-nCoV. Die dauerhafte Schließung der illegalen Wildtiermärkte und eine verstärkte Überwachung des Handelsverbots würde Vietnam helfen, das Risiko von lebensmittelbedingten Zoonosen zu minimieren“, so Dr. Stefan Ziegler.

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Hintergrundwissen:Schuppentiere sind die meistgeschmuggelten Säugetiere der Welt. Der internationale Handel mit ihnen ist seit Januar 2017 komplett verboten. Dennoch beschlagnahmen die Behörden in Afrika und Asien weiterhin tonnenweise Schuppen und hunderte ganzer Pangoline. Allein zwischen 2000 und 2016 wurden weltweit mehr als 1,1 Millionen Tiere illegal gehandelt. Ungezählt bleiben die Pangoline, die auf den lokalen Märkten Asiens und Afrikas landen. Zwischen 2016 und 2019 wurden 200 Tonnen Schuppentierschuppen konfisziert. Bei nur wenigen Kilogramm Schuppen pro Tier entspricht das zehntausenden Schuppentieren.

Zoonosen sind Krankheiten, die von Tieren auf Menschen übertragen werden können. Laut Welt-Tiergesundheitsorganisation OIE sind 60 Prozent der Infektionskrankheiten zoonotisch (Tuberkulose, Tollwut, HIV) und mindestens 75 Prozent der neuauftretenden Infektionskrankheiten (Ebola, Influenza, Nipah-Virus) haben einen tierischen Ursprung. Insbesondere durch den Wildtierhandel wird ein Überschwappen von Viren von Wildtieren auf Menschen ermöglicht. Laut Gesundheitsexpert:innen würden sich durch die Schließung der Wildtiermärkte viele solcher Ausbrüche verhindern lassen.

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