Das Buch der Bücher: die Bibel

Insbesondere das Alte Testament spricht oft von der Errettung aus dem Meer.

Aus alttestamentlicher und damit vorchristlicher Zeit, der berühmtesten Schiffsarche der Kulturgeschichte, baute der Patriarch der Menschheit, Noah, die Arche nach Gottes Weisung, um ihn mit seiner Familie und einem Tierpaar, vor der Sintflut zu retten. Gott nutzte die Flut, um sündige Menschen zu zerstören, die so vom Antlitz der Erde ausgelöscht wurden. Das massive Rettungsboot und seine Konstruktion sind im Buch Genesis ausführlich beschrieben.

Das Schiff im alten Testament

Das Schiff diente auch an anderer Stelle im Alten Testament als Rettungsmittel, beispielsweise in Form des Bastkorbs, in dem Moses auf wundersame Weise den Plan des ägyptischen Pharaos überlebte, die Israeliten auszulöschen.

Wie das Gilgamesch-Epos und andere frühe Gedichte ist das Alte Testament reich an maritimen Themen und Geschichten, die sich immer wieder mit der Frage der Rettung vor Gefahren befassen.

Das berühmteste Beispiel ist das Schicksal des Propheten Jona, der in rauer See vor Gott flüchtete, von der Besatzung als böser Bote erkannt und ins Meer geworfen wurde, dann aber auf wundersame Weise von einem Wal verschluckt und unversehrt an Land ausgespuckt wurde.

Die christlichen Seefahrer des Mittelalters in Europa waren natürlich mit biblischen Geschichten vertraut, was sich insbesondere auf die maritime Terminologie auswirkte: Die Kranbalken, mit denen die Rettungsboote geschwenkt und zu Wasser gelassen wurden, hießen Davids, die Vorderseite des Schiffes wurde verdammt, als Jakobsleiter, eine Steighilfe, die zum Ein- und Aussteigen aus dem Boot verwendet werden kann. Dies bezieht sich auf die Treppe zum Himmel in Jakobs Traum in Genesis. Das jüngste Besatzungsmitglied heißt Moses. Die Liste ließe sich beliebig fortsetzen, auch wenn einige der aus der Bibel entliehenen Begriffe ironisch zu verstehen sind: Aus Schiffen wurden die Felsbrocken, auf denen Matrosen knieten und die Planken schrubbten, der eiserne Haken heißt Teufelskralle.

Biblischen Begriffe

Diese biblischen Begriffe in einer Vielzahl von Seefahrtssprachen werden oft zitiert, wenn von „christlichem Segeln“ die Rede ist. Wann der Begriff tatsächlich geprägt wurde, ist nicht ganz klar. Es ist zwar erst im 17. Jahrhundert erschienen, aber der älteste Beweis dafür findet sich in einem 1659 in Kopenhagen veröffentlichten Seemanns-Andachtsbuch.

In dieser Zeit waren europäische Besatzungen auch Gefahren ausgesetzt, die nichts mit Naturgewalten zu tun hatten. Seit dem 16. Jahrhundert richten nordafrikanische Piraten im Mittelmeer Chaos an. Diese Barbaren jagten nicht nur die Ladung der Hamburger, Lübecker oder Bremer Schiffe, sondern vor allem ihre christlichen Besatzungen. Diese gelten als „Platin“, weil sie auf dem nordafrikanischen Sklavenmarkt sehr gewinnbringend verkauft werden können. In der berüchtigten Piratenhochburg Algier lebten Mitte des 17. Jahrhunderts rund 100.000 Menschen, für die 8.000 bis 40.000 christliche Sklaven arbeiten mussten.

Viele hofften darauf, freigekauft zu werden. Und das war keineswegs aussichtslos, da die Barbaresken den Freikauf als Teil ihres Geschäftsmodells betrachteten und dafür klare Regeln und Tarife aufgestellt hatten. Für die mittellosen Seeleute trat die 1624 gegründete Hamburger Sklavenkasse ein, bei der es sich um eine der weltweit ersten Seeversicherungen handelte. Der Obmann dieser Kasse, der als Sklavenvater bezeichnet wurde, sammelte Spendengeld ein und organisierte die Modalitäten des Freikaufs. Schon zuvor hatte man in den Kirchen für die „christlichen Seeleute“ gesammelt, die sich in der Gewalt der heidnischen Barbaren befanden.

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