Das bunte Gift in unserer Kleidung

Zum Färben von Textilien sind nicht allein Färbemittel notwendig, die Industrie setzt auch auf Schwermetalle, Weichmacher und Lösungsmittel. Wie groß ist die Gefahr für Gesundheit und Umwelt?

Das amerikanische Unternehmen Pantone, nach dessen jährlichem Farben-Trendbericht sich von der IT- über die Möbel-, bis zur Kosmetikbranche viele orientieren, hat bereits die Farbe des Jahres 2018 verkündet: Ultraviolett. Auch in der Mode wird das – neben etwa „cherry tomato‟-rot oder „lime punch‟-gelb – 2018 omnipräsent sein. Wie wird aber das Gewand bunt?

Das Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) geht in etwa von 800 Farbmitteln aus, die momentan in Deutschland für Textilien verwendet werden. Weltweit sind jedoch rund 4000 Farbstoffe und bis zu 8000 Färbehilfsmittel in Verwendung nach Angaben des österreichischen Umweltministeriums. Schätzungen zufolge sind das jährlich 500.000 bis 600.000 Tonnen an chemisch-synthetischen Farbstoffen.

Bevor es bunt wird

Für Textilien gibt es zahlreiche Färbetechniken und Farbstoffe. Sie werden abhängig von der zu behandelnden Faser und dem Verwendungszweck des Endprodukts gewählt. Tierische, pflanzliche oder synthetische Fasern nehmen Farbe auf unterschiedliche Art und Weise auf. Sie müssen auch unterschiedlich vor- oder nachbehandelt werden. Speziell bei Outdoorbekleidung und Sommergewand entscheidet die Technik über die Farbechtheit, also wie gut die Farbe häufiges Waschen, Schweiß, Sonneneinstrahlung oder Abrieb aushält.

Die Färbeprozesse entscheiden auch über das Gesundheitsrisiko für den Menschen. So lagern sogenannte Direktfarbstoffe sich lediglich an die Faser an und ermöglichen somit nur eine schwache Bindung. Sie gewähren zwar keine gute Farbechtheit, werden aber auch nur selten über die Haut aufgenommen, resorbiert heißt das im Fachjargon.

Viel besser hält die Bindung bei Reaktivfarbstoffen, diese werden im Normalfall ebenso nicht von der Haut resorbiert.

Am häufigsten kommen jedoch Dispersionsfarbstoffe zum Einsatz, da Polyester und andere chemisch-synthetische Fasern ausschließlich mit Dispersionsfarbstoffen behandelt werden können. Sie benötigen Textilhilfsmittel, meist Farbbeschleuniger, zur Färbung. Die zur Färbung der meisten Kunstfasern einzig geeigneten Dispersionsfarbstoffe bringen allerdings folgenden Problemaspekte mit sich: Sie können teils leicht über die Haut aufgenommen werden und so gesundheitlichen Beschwerden verursachen.

Farbenfroh?

Es wird davon ausgegangen, dass Farbstoffe, Bleichmittel und Farbbeschleuniger bis zu 30 Prozent des Gewichts des Kleidungsstücks ausmachen. Von welchen Farbstoffen und Hilfsmitteln ist aber konkret die Rede und wie gefährlich sind diese?

Unter den Buntmachern sind Azofarben, also synthetische Farbstoffe, häufig in Verwendung. Sie machen circa 60 Prozent aller verwendeter Farbstoffe aus und kommen auch bei Lebensmitteln, Kinderspielzeug oder Kosmetikprodukten zur Anwendung. Der menschliche Schweiß kann manche Substanzen der Azofarben in sogenannte aromatische Amine umwandeln. Diese haben ein Potenzial krebserregend zu sein. In Deutschland sind Azofarben, die nachweislich karzinogene Amine herstellen können, schon seit 1996 verboten. In der Europäischen Union gilt das Verbot seit 2002 und wird in der Chemikalienverordnung REACH geregelt.

In Fes, Marokko wird Leder gegerbt und gefärbt. Die Leder-Gerbung gilt speziell als umweltverschmutzend.

Das verhindert jedoch nicht den Import von Waren aus Ländern, in denen ihr Gebrauch erlaubt ist. Zwar haben mittlerweile auch Staaten wie China ähnliche Gesetze in Kraft gesetzt, die Regelungen befinden sich aber noch nicht auf EU-Niveau. Außerdem gelangen Farbreste durch mehrmaliges Waschen der Textilien in die Gewässer und Böden rund um die Produktionsstätten. Damit sind zuallererst und am stärksten die Arbeiter der Textilindustrie, die täglich mit den Chemikalien in Kontakt kommen, von dem Gesundheitsrisiko betroffen und in weiterer Folge auch alle Menschen und Tiere die in der Nähe der Produktionsfirmen leben.

In Farbmitteln sind auch Schwermetalle enthalten. Gefährdet sind dadurch als erstes die Textilarbeiter, da hier meist durch eine langandauernde Belastung Gesundheitsschäden auftreten können. So können Quecksilber und Cadmium Krebs verursachen, andere Schwermetalle lösen Allergien aus oder schädigen das Nerven- oder Immunsystem. Die EU hat ihre Nutzung stark beschränkt. Neben der Färbung finden sie noch in anderen Phasen der Textilherstellung Anwendung. Sie werden für die Produktion von synthetischen Stoffen, wie Polyamid und Polyester gebraucht oder für Baumwollstoffe zur Veredelung verwendet.

Schwermetalle hinterlassen langanhaltende und sogar sichtbare Folgen in Gewässern.

Kuschelweich!

Die Farbstoffe brauchen wie bereits erwähnt noch mehr, um gut am Stoff anzuhaften: Häufig im Einsatz sind Lösungsmittel (oder auch Lösemittel). Sie helfen als Färbebeschleuniger, die Faser schneller zu beeinflussen. Mit einer Nachbehandlung können sie in unterschiedlichen Mengen dem Textil zwar wieder entzogen werden, eine vollständige Entfernung ist jedoch nicht machbar. Noch dazu belasten Lösemittel global die Umwelt: Sie können durch Luftströmungen verteilt werden und gelangen bei einer Freisetzung auch in entfernte Gebiete, wie die Arktis. Bei dem Phänomen befördert die Luftatmosphäre Schadstoffe aus heißen Ländern zu kalten Regionen der Welt und beeinflusst dort negativ die Umweltgesundheit.

Beim Färben kommt insbesondere das Lösemittel Trichlorbenzol zur Anwendung. Es ist sowohl langlebig, als auch schwer abbaubar. Für Lebewesen, betroffen sind vorrangig Wasserlebewesen, ist Trichlorbenzol äußerst giftig. Bei dem Menschen besteht die Gefahr, dass es über die Haut aufgenommen wird. Es kann neben Hautreizungen, auch Nieren- und Leberschäden verursachen und das zentrale Nervensystem angreifen. EU-weit ist es nicht erlaubt.

Beim Textildruck, wie auf dem Foto, kommen zusätzlich Fixiermittel zum Gebrauch, um das Motiv langanhaltend an die Fasern zu binden.

Ebenso zum Einsatz beim Färben von Textilien kommen Weichmacher in Form von Phthalaten. Ähnlich wie Lösemittel verteilen sie sich über die Luft und gelangen in weit entfernte Regionen. Außerdem sind sie neben Kleidung in einigen anderen Alltagsgegenständen zu finden, vorrangig in Bad- und Kosmetikprodukten. Diese vielseitige Belastung führt bei Menschen zu gesundheitlichen Problemen. Bei Babys und Kindern kann ein übermäßiger Kontakt zu Entwicklungsschwierigkeiten führen. Nachgewiesen ist auch, dass sie einen Einfluss auf die Entwicklung der Geschlechtsorgane bei Säugetieren haben können.

In der EU ist daher der Verwendung von Phthalaten Beschränkungen auferlegt. Manche, wie DEHP (Di(2-ethylhexyl)phthalat), BBP (Butylbenzylphthalat) und DBP (Dibutylphthalat) gelten als reproduktionstoxisch und unterliegen besonders strengen Regelungen. Sie dürfen bei ausgewählten Produktgruppen wie Baby- und Kinderwaren nur beschränkt eingesetzt werden. Bei Verpackungsmaterialien, wo sie ebenso Anwendung finden, sind sie bei Kontakt mit Lebensmitteln nur in einer Konzentration von unter 0,1 Prozent erlaubt.

Wie schon bei den Regelungen zu den Farbstoffen erfasst auch die auch bei Textilhilfsmitteln die EU-Gesetzgebung nicht den Import aus anderen Ländern nicht. Dass ein Kleidungsstück in einem EU-Mitgliedsland hergestellt werden, bedeutet daher die Einhaltung gewisser Standards – dass es in der EU gekauft werden kann, allerdings nicht.

Schwarz ist die für die Umwelt schädlichste Farbe. Neben blau und rot verlangt sie nach der höchsten Konzentration an Farbstoffen, um im Ergebnis eine klare Farbe zu erhalten.

Ohne Standards keine Transparenz

Ein weiterer Grund zur Sorge sind die Unterschiede in der Qualität des Färbevorganges. Die Textilindustrie ist bekannt für ihre mangelnde Transparenz, so sind gerade den großen Handelsketten ihre eigenen Produzenten oftmals nicht bekannt. Firmen, die keinerlei vorherige Untersuchung zu Arbeitsweise oder Umweltschutz durchlaufen haben, werden angeheuert. Meist zählt nur das Endergebnis. Wenn die Färbung und die Nachbehandlung dann nicht sachgerecht durchgeführt wird, zum Beispiel es zu einer Überfärbung kommt oder Hilfsmittel nur unvollständig entfernt werden, bedeutet das auch für den Konsumenten eine höhere Schadstoffbelastung.

Die Europäische Union hat mit REACH bereits Standards eingeführt, die weltweit eine Vorbildfunktion einnehmen. Global besteht jedoch noch genug Handlungsbedarf, um das Färben von Textilien umwelt- und hautfreundlicher zu gestalten. Wer ganz sicher gehen will, achtet beim Kleidungskauf auf Gütezeichen, die insbesondere auf Hautverträglichkeit testen, wie OEKO-TEX Standard 100 oder Hauptsache Hautverträglich.

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