Das Recht zu Leben mit Tattoos

Mit Body Modification oder gar einem kleine Tattoo kann man seine heutige Gesellschaft schocken ?

Doch lebende Legenden erzählen ihre Geschichte…

Piercen und Tätowieren gelten rechtlich gesehen als mutwillige Körperverletzungen, die nur deshalb straffrei bleiben, weil die betroffene Person in den Eingriff einwilligt. Ab wann ist es Jugendlichen erlaubt, ihre Körper mit einem Tattoo oder Piercing „verschönern“ zu lassen? Das Jugendschutzgesetz in Deutschland gibt dazu keinerlei Regeln vor.

Derzeit gibt es für Tätowierungen und Piercings in Deutschland keine gesetzliche Altersgrenze. Das liegt daran, dass man nicht genau sagen kann, ab welchem Alter ein Jugendlicher die Folgen der „mutwilligen Körperverletzung“ abschätzen kann – nämlich dass zum Beispiel geweitete Ohrlöcher nicht wieder zuwachsen oder dass ein Tattoo nur mit großem Aufwand und auf eigene Kosten wieder entfernt werden kann. Diese Risiken und Langzeitfolgen einschätzen zu können, hängt vom Alter und von der individuellen Reife des Jugendlichen ab.

Auch die verbreitete Praxis, Jugendliche ab einem bestimmten Alter zu tätowieren, wenn sie eine Einwilligungserklärung der Eltern vorlegen oder von ihnen begleitet werden, hat keine sichere rechtliche Grundlage. „Relevant ist nicht das Alter, sondern die geistige Reife des Jugendlichen selbst. Verfügt dieser über die nötige Verstandesreife, kann er die Einwilligung selbst erklären. Das aber kann der Tätowierer nicht prüfen“, erklärt Rechtsanwalt Urban Slamal vom Bundesverband Tattoo e.V., der sich auf die juristischen Aspekte des Tätowierens spezialisiert hat.

Ob die Eltern einwilligen können, dass ihr Kind tätowiert wird, ist rechtlich nicht abschließend geklärt. Eine Einwilligungserklärung der Eltern bewahrt den Tätowierer nur vor späterem Ärger mit diesen.

Das sagen die Berufsverbände

Die Berufsverbände haben sich unterschiedliche Regelungen auferlegt. Die Deutsche Gesellschaft für Piercing (DGP) spricht sich gegen Eingriffe bei Jugendlichen unter 14 Jahren aus. „Das lehnen wir grundsätzlich ab“, sagt die DGP-Vorsitzende Martina Lehnhoff. Bei älteren Jugendlichen werde die Zustimmung beider Elternteile gefordert. Diese müssten auch beim Vorgespräch anwesend sein, wo sie über die Risiken, die Pflege sowie die Nachsorge aufgeklärt würden.

Der Bundesverband der Juweliere, Schmuck- und Uhrenfachgeschäfte (BVJ) sieht hingegen keine Notwendigkeit für eine Altersgrenze. „Wir können den Erziehungsberechtigten ihre Verantwortung nicht abnehmen“, sagt BVJ-Geschäftsführer Joachim Dünkelmann. Die Empfehlung des Verbandes lautet, bei unter 16-Jährigen die Einwilligung und Anwesenheit eines Erziehungsberechtigten zu fordern. Bei Jugendlichen ab 16 Jahren ist nach Ansicht des BVJ eine schriftliche Einverständniserklärung ausreichend.

„Ich rate davon ab, Minderjährige zu tätowieren. Damit ist man auf der sicheren Seite“, sagt Rechtsanwalt Slamal. Auch der Verein Deutsche Organisierte Tätowierer (DOT) lehnt Tätowierungen für Jugendliche unter 18 Jahren ab.

Jugendliche über mögliche Risiken von Tattoos und Piercings aufklären

Kunden müssen grundsätzlich vor dem Piercen oder Tätowieren über die sachgerechte Nachbehandlung und mögliche Risiken wie Allergien, Entzündungen und Narbenbildung informiert werden.