Die Geschichte von Cannabis und seiner Herkunft

Wenn wir auf die Geschichte der Cannabispflanze zurückblicken, erzählt dies viel über die Geschichte der Menschheit selbst. Wie himmlisch Cannabis sich auch immer anfühlt, lass uns einen Blick auf seine reichhaltige Geschichte werfen.

Geschichte

Genomanalysen und Resequenzierungen lassen darauf schließen, dass Cannabis sativa bereits im frühen Neolithikum in Ostasien kultiviert wurde. Die umfassende genomische Untersuchung von 110 Pflanzenproben verschiedenen Ursprungs weltweit zeigte, dass alle derzeit bekannten Hanf- und Cannabinoid-Kultivare von einem Ur-Genpool abstammen, der mit heutigen Cannabis-Wildpflanzen/-varietäten in China assoziiert ist. Genomisch datiert existierten vor ca. 12.000 Jahren frühe domestizierte Vorfahren von Nutzhanf- und Cannabinoid-Typen, die von «Basal»-Cannabis abstammen.

Frühgeschichte und Antike

Hanf wurde in China schon seit Langem genutzt. Má , wie die Chinesen den Hanf nannten, lieferte ihnen nicht nur wohlschmeckende und nahrhafte Samen, auch die Stängel mit ihren besonders langen und nahezu unverwüstlichen Fasern wusste man schon früh zu schätzen. Bereits im Shénnóng Běncǎojīng, einem frühestens 2800 v. Chr., aber eher zwischen 300 v. Chr. und 200 n. Chr. verfassten chinesischen medizinischen Text, beschreibt der Autor, wie Hanf als Heilmittel gegen Malaria, Rheuma und viele andere Unpässlichkeiten eingesetzt werden kann.

In einem 2700 Jahre alten Grab der in China bestehenden Gushi-Kultur wurde ein ausschließlich mit stark psychoaktiven Cannabisblüten gefüllter Behälter als Teil der Grabbeigabe entdeckt.

Über Indien und die antiken Hochkulturen im heutigen Irak trat der Hanf seinen Weg um die Welt an. In Europa sind die ältesten Funde ca. 5500 Jahre alt und stammen aus dem Raum Eisenberg . Ursprünglich stammt Cannabis wahrscheinlich aus Kasachstan. Aus der Gegend des heutigen Litauen stammen Funde von Hanfsamen ca. 2500 v. Chr. und eines Hanffadens ca. 2300 v. Chr. Die alten Griechen und ihre ägyptischen Nachbarn kleideten sich oft mit Hanf; Kleidung aus Hanfgewebe wird von Herodot erwähnt. Hanf, Nessel und Flachs waren lange Zeit die wichtigsten Faserpflanzen Europas. Plinius der Ältere schreibt, dass Hanf Schmerzen lindere, und Pedanios Dioscurides berichtet von der Wirksamkeit des Saftes der Hanfsamen gegen Ohrenschmerzen. Vom Mittelalter bis in die Neuzeit wurden aus Hanf Mittel zur Linderung von Wehenkrämpfen und nachgeburtlichen Schmerzsymptomen gewonnen.

Mittelalter und Neuzeit

Hanf blieb auch nach der Antike in Europa eine wichtige Nutzpflanze. Kaiser Karl der Große erwähnte 812 im Kapitel LXII seiner Landgüterverordnung Capitulare de villis vel curtis imperii den Hanf , wenngleich er ihn auch nicht in die Liste der als verpflichtend anzubauenden Pflanzen aufnahm.

Viele mittelalterliche Waffen wie etwa der Langbogen, dessen Sehnen aus Hanf bestanden, wären ohne die robuste und widerstandsfähige Hanffaser, die enorme Zugkräfte aushält, nicht anzufertigen gewesen.

Über Spanien fand im 13. Jahrhundert eine weitere Anwendung der Hanffaser ihren Weg nach Europa – die Papierherstellung. Da die Papierherstellung aus Holz damals noch nicht beherrscht wurde, war Hanf neben Lumpen, die selbst oft aus Hanf bestanden, der wichtigste Rohstoff für die Papierproduktion. So entstand in Nürnberg 1290 eine erste Papiermühle auf deutschem Boden, und Gutenberg druckte 1455 seine berühmte Gutenberg-Bibel auf Hanfpapier. Die vielfach kolportierte Aussage, die amerikanische Unabhängigkeitserklärung von 1776 sowie deren Entwürfe seien auf Hanfpapier gedruckt , wurde anhand der Originaldokumente vom US-amerikanischen National Constitution Center und Politifact als Mythos bezeichnet.

Abraham Gotthelf Kästner empfahl in dem von ihm übersetzten Buch Abhandlungen aus der Naturlehre von 1744 den gemeinsamen Anbau von Hanf und Kümmel und schilderte hierzu die genaue Vorgehensweise.

Hanfseile und Segeltuch aus Hanf waren in der Schifffahrt wichtig, da die Faser sehr widerstandsfähig gegenüber Salzwasser ist und weniger Wasser aufnimmt als beispielsweise Baumwolle – Baumwollsegel würden bei Regen derartig schwer, dass die Masten brechen könnten. Auch Flachsleinen war ein schlechter Ersatz, da es bei Kontakt mit Wasser anders als Leinwand aus Hanf binnen weniger Monate verrottet. Venedig erreichte seine Vormachtstellung als bedeutendes Handelszentrum im Mittelalter unter anderem durch die hohe Qualität der Seilerei.

In Südwestdeutschland ging der Hanfanbau mit dem Aufkommen des für die Bauern rentableren Tabakanbaus sowie mit der Einfuhr von Sisalfasern zurück und kam bis zum Ersten Weltkrieg bis auf wenige Ausnahmen praktisch zum Erliegen.

Moderne und Gegenwart

In der Mitte des 20. Jahrhunderts verdrängten Kunstfasern besonders des Herstellers DuPont den Hanf auch aus der Bekleidungsherstellung, unterstützt von der Anti-Cannabis-Kampagne von Harry J. Anslinger. Ausnahmen bildeten hier die «Hemp-for-Victory»-Kampagne des US-Militärs, das dringend den Rohstoff Hanf für die Rüstung brauchte, sowie die Landwirtschaftspolitik im nationalsozialistischen Deutschland, die den Anbau von Hanf als nachwachsenden Rohstoff vor Kriegsbeginn in wenigen Jahren vervierfachte.

Der landwirtschaftliche Anbau von Hanf hat seit seiner «Wiedergeburt» Anfang der 1990er-Jahre kontinuierlich zugenommen. Trotzdem liegt die Produktion in Europa weit hinter der Nachfrage zurück.

Dank seiner Eigenschaften konnte Hanf in vielen Bereichen der Wirtschaft wieder Fuß fassen. Er eignet sich zum Hausbau ebenso wie als Basis für Farben, Lacke, Waschmittel und vieles mehr.

Die Hanffaser ist der Baumwollfaser in vielerlei Hinsicht überlegen und auch für die Herstellung bestimmter Papiere geeignet.

Hanferzeugnisse zeigen eine sehr gute Widerstandsfähigkeit gegen Verschleiß, sodass die Fasern oft recycelt werden können und auch frühe, geschichtliche Druckerzeugnisse eine gute Haltbarkeit aufweisen.

In der Pflanzenzüchtung wird Hanf als Parzellenisolation von Zuchtgärten genutzt, in denen mit Windbestäubern wie Beta-Rüben gearbeitet wird.

Hanfsamen finden auch als Futtermittel Verwendung. Sie kommen vor allem in Vogelfuttermischungen und Kornfuttermischungen für Nagetiere vor. Sie haben wie alle Sämereien einen hohen Fettgehalt und sorgen daher gerade bei Jungtieren für schnelles Wachstum.

Um den legalen Anbau und Vertrieb hat sich eine finanzielle Infrastruktur meist kleinerer Unternehmen entwickelt.

Cannabis: Wurzel in Asien

Irgendwann vor der Aufzeichnung der Menschheitsgeschichte blühten die Cannabispflanzen in der Wildnis. Möglicherweise sind die Pflanzen irgendwann in den nährstoffreichen Müllplätzen der Jäger und Sammler aufgetaucht. Es gab zwei verschiedene Sorten, die letztendlich von Menschen angebaut wurden, welche diese für sehr unterschiedliche Zwecke nutzten.

Die Pflanze, die sich als «Cannabis sativa» klassifizieren ließ, bot dem Menschen ein einzigartiges psychoaktives Erlebnis. Dies gilt insbesondere für den ersten Mann oder die erste Frau, welche sich dafür entschieden, etwas Cannabis zu rauchen, um zu sehen, was passieren würde. Wären die Wunder dieser beiden Pflanzen ohne einen solchen Pioniergeist vor der Menschheit geheim gehalten worden?

Ein Unkraut, welches sich in Zivilisationen ausbreitet

In Gegenden, die von Wurtz als «dank river valleys» bezeichnet werden, entstanden Zivilisationen mit Landwirtschaft, Handel und grundlegenden Technologien. Diese trieben den Handel und Austausch verschiedener Rohstoffe zwischen den Zivilisationen voran. Etwa zehntausend Jahre vergehen seit der Entdeckung von Cannabis in Zentralasien. In der Atharva Veda wird Cannabis erwähnt.

Einige Sekten des Hinduismus trinken zu Ehren des Gottes Shiva ein mit Cannabis angereichertes Getränk namens Bhang. Einige Traditionen beschreiben Shiva beim Verzehr von Cannabis, während andere glauben, dass seine Tränen die Erde bewässern und Cannabispflanzen blühen lassen.

Frühe Highlights der Cannabisgeschichte

Die Chinesen begannen, die psychoaktiven Effekte von Cannabis zu dokumentieren. Im nächsten Jahrtausend verbreitete die islamische Expansion Cannabis in Nordafrika. Im folgenden Jahrtausend verbreitete sich Cannabis in Ostafrika und ganz Europa. Dies ist vor allem auf den Handel mit der arabischen Welt und die vielfältigen Einsatzmöglichkeiten von Cannabis und Hanf zurückzuführen.

Hanfseil war für die immer länger werdenden Reisen, die die Europäer auf ihrem Weg durch die Welt machten, bestens geeignet. Als die Europäer begannen, in andere Teile der Welt einzudringen und diese zu kolonisieren, brachten sie oft Hanf mit und förderten so den Anbau.

Kolonien und Hanf

Als die Imperien den Reichtum und die Arbeiter anderer Länder mit Gewalt in Besitz nahmen, bauten sie ihr Vermögen auf den Handel auf. Viele brachten Cannabis mit und zeigten es den Einheimischen. Die Jamaikaner hatten mit der Einführung von Cannabis jedoch ganz neue Wunder vor sich.

Die von Afrika nach Jamaika geholten Sklaven haben schließlich ihre eigene religiöse Tradition entwickeln, die Cannabis einbezog. Im letzten Jahrhundert entstand dort die Rastafari-Religion, wobei Cannabis als Sakrament in besonderen Zeremonien aufgenommen wurde. Die Rastafari-Bewegung wird in der modernen westlichen Kultur häufig mit Cannabis in Verbindung gebracht.

Hanf in den USA

In den 1920er Jahren gab es den symbolträchtig erfolglosen Versuch der Vereinigten Staaten, Alkohol zu verbieten. Dies gaben sie schnell wieder auf, aber nur, um fortan einen aggressiven Kampf gegen etwas zu führen, dass sie schließlich «Marihuana» nannten.

Cannabis wurde nun als gefährlich angesehen und musste, wie Opium und andere gefährliche Drogen, kontrolliert werden.

Enthüllungen aus der Politik des Weißen Hauses, insbesondere unter Präsident Richard Nixon, zeigen, wie oft Cannabis für politische Zwecke missbraucht wurde.

Tatsächlich hat diese Denkweise das amerikanische Justizsystem weiter durchdrungen, insbesondere im Hinblick auf die rassischen Unterschiede bei der Verfolgung von Cannabisdelikten. Doch bald schon stellte sich ein Großteil der US-Staaten gegen eine Kriminalisierung von Cannabis.

Die Legalisierung von Cannabis kommt

Heutzutage versorgen amerikanische Grower die Welt mit einigen der besten Sorten und die Welt hat wiederum Amerika inspiriert mutiger zu sein und die Normalisierung von Cannabis voranzutreiben. Verschiedene Länder begannen, mit liberaleren Cannabis-Gesetzen zu experimentieren.

In den 2000er Jahren wurden spanische Cannabis Clubs durch eine Lücke im EU-Recht bestätigt. Uruguay belegte den ersten Platz und etablierte ein Cannabis-Club-System. In diesem Jahr wird Kanada den Anbau und Verkauf von Cannabis trotz internationaler Beschränkungen legalisieren. Die Vereinigten Staaten haben eine eigene Revolution erlebt, bei der die Bundesstaaten seit Mitte der 90er Jahre die medizinische Nutzung legalisieren.

Acht weitere Staaten und die Hauptstadt Washington DC sind inzwischen gefolgt. Auch wenn dies dem bundesweiten Verbot von Cannabis widerspricht, florieren diese neuen Märkte. Vielleicht wird es eine Revision veralteter internationaler Abkommen geben, wenn genügend Orte sich für die Cannabis-Normalisierung aussprechen.

Dies wäre eine gute Nachricht für alle, die medizinisches Cannabis benötigen und für die Fortsetzung der weiteren Forschung.

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