Die neue REACH Verordnung damals wie heute

Rechtliche Einordnung

Während kosmetische Mittel, die auf die Haut aufgetragen werden, durch das deutsche Lebensmittel- und Bedarfsgegenständegesetz, die europäische Kosmetik-Richtlinie und die deutsche Kosmetik-Verordnung gesetzlich geregelt sind und auf gesundheitliche Risiken hin geprüft werden, unterlagen Tätowierfarben bis zum 31. August 2005 noch keiner vergleich-baren Regelung. Es gab keine gesetzlich festgelegten Vorschriften hinsichtlich Reinheit, Qua-lität und Prüfung der gesundheitlichen Unbedenklichkeit von Tätowierfarben. Tattoos und Permanent-Make-up dienen zwar ähnlich wie das Schminken dem Schmuck des Körpers und damit kosmetischen Zwecken. Weil die Farben aber beim Tätowieren in die Haut gespritzt und nicht aufgetragen werden, waren sie keine kosmetischen Mittel im Sinne der bis dahin gültigen gesetzlichen Definition aus dem Gesetz über den Verkehr mit Lebensmitteln, Tabak-erzeugnissen, kosmetischen Mitteln und sonstigen Bedarfsgegenständen (LMBG §4). Ebenso wenig erfolgte eine Einordnung als medizinisches Produkt, so dass das Arzneimittelgesetz ebenfalls keine Anwendung fand. Daher verschwanden Tattoofarben im gesetzlich nicht gere-gelten Freiraum. Das gesundheitliche Risiko trug der Verbraucher (Feige, 2000; BfR 2004). Schon 1997 hatten die Aufsichtsbehörden das Bundesgesundheitsministerium darauf aufmerksam gemacht, dass sie gegen derartige Produkte nichts in der Hand hätten. In Bonn wurde das Problem nach Brüssel an die EU-Kommission und deren wissenschaftlichen Kos-metikausschuss überwiesen, weil ein nationaler Alleingang keinen Sinn habe (Ökotest, 1998). Auf europäischer Ebene hat der Wissenschaftliche Ausschuss für Kosmetische Mittel und für Verbraucher bestimmte Non-Food-Erzeugnisse (Scientific Committee for Cosmetic Products and Non-Food Products intended for Consumers, SCCNFP) festgestellt, dass Tattoos die menschliche Gesundheit beeinträchtigen können. Die Generaldirektion SANCO der Europäischen Kommission hat daraufhin das Joint Research Center beauftragt, vorhandene Daten zur Sicherheit von Tattoos und Piercings zusammenzustellen. In Zusammenarbeit mit dem Committee of Experts on Cosmetic Products des Europarates wurde der Bericht Risks and health effects from tattoos, body piercing and of related practices veröffentlicht. Unter anderem wurden folgende Empfehlungen gegeben (Papameletiou, 2003): Identifizierung, Deklaration und Risikobewertung aller Inhaltsstoffe und Materialien ƒPositiv- und Negativlisten für Farbmittel und Materialien ƒFormulierung und Kontrolle von Hygienestandards ƒAusbildung und gesundheitliche Überwachung des Personals, das Tätowierungen und Permanent-Make-up vornimmt ƒEpidemiologische Studien zu schädlichen Effekten und Infektionen im Zusammen-hang mit Tätowierungen und Piercings. Der Europarat hat im Rahmen der internationalen Aktivitäten im Juni 2003 eine Resolution zu Tattoos verabschiedet. Dort wurden weitgehend Anforderungen an die zu verwendenden Farbmittel, entsprechenden Negativlisten, Anforderungen an Sterilität und Deklaration sowie Seminararbeit „Tattoofarben“Nora Rempfer 23der Forderung, die Öffentlichkeit über mögliche Risiken formuliert. Das BfR hat in einer Stellungnahme auf diese Resolution hingewiesen und die Forderungen begrüßt: „Tattoos und Permanent make-up können unter bestimmten Bedingungen ein gesundheitliches Risiko für Verbraucher darstellen. Das BfR begrüßt daher eine gesetzliche Regelung für Tätowierungen und Permanent make-up. Im Rahmen dieser Regelung sollten problematische Farbmittel, die krebserregende (karzinogene), erbgutschädigende (muta-gene), die Fortpflanzung beeinträchtigende (reproduktionstoxische) oder Allergie auslösende (sensibilisierende) Eigenschaften aufweisen oder die in krebserzeugende aromatische Amine gespalten werden können, für diese Zwecke verboten werden. Hier könnte zunächst die Negativliste herangezogen werden, die vom Europarat in seiner Resolution zu Tattoos und Permanent make-up veröffentlicht wurde. Eine Negativliste hätte den Vorteil einer schnellen Umsetzung, da über eine Vielzahl problematischer Stoffe Daten vorliegen. Langfristig sollte ergänzend eine Positivliste angestrebt werden, in die Farbmittel nach einer entsprechenden Bewertung aufgenommen werden. Für eine umfassende gesundheitliche Bewertung von Tätowierungsfarben und Permanent make-up hält das BfR hierzu neben der Prüfung der Farbmittel auf sensibilisierende Eigenschaften auch Prüfungen zum resorptiven Verhalten der Substanzen [Aufnahme und Stoffwechsel nach Einbringung in die Haut (intradermale Applikation)] sowie zur Toxizität für erforderlich. Letztere sollten Untersuchungen zur Genotoxizität und Reproduktionstoxizität einschließen. Ferner sollten Anforderungen an die Reinheit der Farbmittel gestellt werden, wie sie auch für kosmetische Mittel gelten. Sowohl im Hinblick auf die Hygiene als auch auf die Ausbildung der Anwender müssen konkrete Anforderungen formuliert werden. Die Betreiber von Studios für Tattoos und Permanent make-up sollten verpflichtet werden, den Verbraucher über mögliche Risiken im Zusammenhang mit dem Einbringen der Farben in die Haut aufzuklären“ (BfR, 2004).

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