Fixierung von Menschen

Bei Tiere ist es normal wenn wir Kälbern oder Pferden die Beine wie ein rauher Cowboy zusammen binden.

Doch bei uns Menschen kommt gleich die frage der moral und der ethik zum vorschein.

Ist es nur Schutz oder doch Macht ?

Fixieren statt behandeln? In der klinischen Praxis besteht derzeit erhebliche Rechtsunsicherheit, ob Zwangsbehandlungen an einwilligungsunfähigen Patienten mit psychischen Erkrankungen durchgeführt werden dürfen. Die Autoren fordern dringend eine Klärung der komplexen Rechtslage.

Derzeit besteht erhebliche Rechtsunsicherheit, ob Ärzte Zwangsbehandlungen an einwilligungsunfähigen Patienten mit psychischen Erkrankungen durchführen dürfen. Der Hintergrund dieser Entwicklung ist erstens das Patientenverfügungsgesetz im neuen Betreuungsrecht. Zweitens spielt die Ratifizierung der UN-Konvention über die Rechte von Menschen mit Behinderungen eine Rolle (1). Maßgeblich sind drittens aktuelle Entscheidungen des Bundesverfassungsgerichts, die das Maßregelvollzugsgesetz von RheinlandPfalz sowie das Unterbringungsgesetz von Baden-Württemberg in Teilen für verfassungswidrig erklärt haben (2, 3). Die aktuellen Gerichtsurteile, die Uneinheitlichkeit und Inkonsistenz der Maßregel- beziehungsweise Un terbringungsgesetze der Bundesländer führen in der klinischen Praxis zur Verunsicherung. Ärzte sehen sich häufig gezwungen, wieder verstärkt auf Zwangsmaßnahmen wie Isolierung und Fixierung zurückzugreifen. Dies dient jedoch weder dem Patientenwohl noch dem Re – spekt der Patientenautonomie. Zudem kann eine solch defensive Praxis Ärzte in rechtliche Konflikte bringen, etwa wenn der Verzicht auf Behandlung die Gesundheit eines Patienten nachhaltig und schwer schädigt. Gründe gegen und für Zwangsbehandlungen Bei einwilligungsfähigen Patienten ist grundsätzlich jede Behandlung ohne deren Einverständnis oder gegen deren Willen verboten. Gegen medizi nisch indizierte Behandlungen von einwilligungsunfähigen Patienten mit psychischen Erkrankungen ohne oder gegen deren natürlichen Willen spricht das Prinzip des Re – spekts vor der Autonomie des Patienten. Medizinische Zwangsbehandlungen sind schwerwiegende Eingriffe in das Grundrecht auf körperliche Unversehrtheit (2). Manche Psychopharmaka können schwerwiegende Nebenwirkungen haben. Zwangsbehandlungen können das Vertrauen zu Ärzten schwer beschädigen und dadurch langfristig jede Art von Therapie erschweren.

Häufig sind Zwangsbehandlungen nicht langfristig erfolgreich im Sinne des Schutzes vor Selbst- und Fremdgefährdung. Durch eine personenzentrierte und möglichst offene Behandlungsweise können Zwangsmaßnahmen oft vermieden werden (4). Wir plädieren entschieden für eine solche Vorgehensweise, die allerdings ausreichend Personal erfordert (5). Im Folgenden geht es um Patienten, bei denen trotz einer solchen Vorgehensweise aufgrund ihrer Krankheit eine akute oder chronische Gefahr für Leben und Gesundheit besteht. Für medizinisch indizierte Behandlungen von einwilligungsunfähigen Patienten mit psychischen Erkrankungen ohne oder gegen deren Willen spricht in Einzel – fällen das Fürsorgeprinzip. Mögliche rechtfertigende Gründe sind der Schutz vor Selbstverletzung und Suizid, die Verhinderung einer Chronifizierung psychischer Krankheiten sowie das Ziel, die krankheitsbedingt gestörte Fähigkeit zur Selbstbestimmung und das psychische Wohlbefinden wiederherzustellen. Zwangsbehandlungen mit Psychopharmaka dienen gerade auch dazu, zum Beispiel den psychotischen Zustand akut zu verbessern und so Fixierungen oder Bewegungsbeschränkungen zu vermeiden. Diese sind unseres Erachtens inhumaner, da sie eine monateoder jahrelange Zwangsanwendung erfordern und zur Verschlim merung anderer Krankheiten, zu Verletzungen und lebensbedrohlichen Zuständen des Patienten und Dritter führen können.

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