Wir von Definizium-Records können es nicht mit ansehen und anhören das Menschen andere

  • ausgrenzen
  • verfolgen
  • foltern
  • verurteilen wegen ihrer Hautfarbe
  • verurteilen wegen ihres Geschlechts
  • verurteilen wegen Gleichgeschlechliche Partnerschaften
  • verurteilen wegen Gleichgeschlechliche Partnerschaften ( Berufe )
  • verurteilen wegen ihres Herkunft
  • verurteilen wegen Religiöser Absicht

Wir sagen jetzt ist Schluss und schließen uns der Bewegung des CSD´s mit an.

Den egal welches Geschlecht, Hautfarbe, Herkunft oder Religion du hast.

Bei uns ist Toleranz und Akzeptanz oberste Priorität.

Welches Recht wir haben, suchen wir uns noch selber aus.

Keine Entscheidungen über die Normalsten Dinge der Welt…


House über Kopf sagt NEIN zu RECHTS

Rumänien ein Alptraum der Menschenrechte und die EU schaut weg

Autobiografie

Elf Jahre nach seinem EU-Beitritt versucht Rumänien zwar, sich raus zu putzen, aber Armut und Korruption haben das Land nach wie vor fest im Griff. Nur Bulgarien liegt als EU-Mitgliedsland in der Armutsskala noch vor Rumäninnen.

Direkt im Zentrum von Bukarest leben die Ausgestoßenen im Untergrund in den ehemaligen Heizungstunnels der rumänischen Hauptstadt.

Daniel und Matthias wollten wissen, in was für Zuständen Menschen in der Europäischen Union immer noch leben müssen. Und sie wollten helfen, sie mit dem Nötigsten zu versorgen, zeigen, dass es Solidarität gibt, auch wenn das Elend nicht immer direkt an unsere Tür klopft, wie damals, als die Flüchtlingswelle in Deutschland ankam.

Dass die rumänische Verwaltung korrupt ist, wussten sie und auch der Tatsache, dass die Homophobie im Osten Europas bizarre Ausmaßen annehmen kann, war sich das junge Ehepaar bewusst. Nie hätten sie sich allerdings vorstellen können, was für ein Alptraum auf sie zukommen sollte.

Im August 2014 gab es ein Werbeangebot für 15 Euro nach Rumänien zu fliegen. Die beiden entschlossen sich spontan, für ein paar Tage die Hauptstadt zu besuchen. Nach Ankunft am Bukarester Bahnhof war sofort klar, dass die skandalösen Berichte aus den Medien im Vergleich zur angetroffenen Realität fast harmlos erschienen.

Hinter einem der Ausgänge stank es bestialisch, es war ein Gemisch aus Fußschweiß, Urin und einem ätzenden Lack. Direkt auf dem belebten Bahnhofsvorplatz neben einer staatlichen Klinik krochen Menschen minütlich aus den verschiedenen Löchern in den Straßen. Einige halfen sich gegenseitig eine Substanz zu spritzen, direkt vor den Augen der dort lebenden Jugendlichen, der Bevölkerung, und der Polizei.

Die meisten jedoch hielten sich ununterbrochen eine Plastiktüte vor den Mund. In die kleinen Tüten wurde immer wieder eine Substanz namens Aurolac nachgefüllt. Eine silberne Lackart, die seit Jahrzehnten benutzt wird, um Hunger, Armut und Perspektivlosigkeit zu verdrängen. Diese Droge führt bei anhaltendem Gebrauch zu Herz- und Hirnerkrankungen und schädigt die Atemwege. Unter dem Einfluss der Dämpfe legen Kinder mitunter selbstverletzendes Verhalten an den Tag, indem sie sich zum Beispiel mit Scherben Schnittwunden an den Armen zufügen.

Vor den Augen der Erwachsenen standen dort auch kleine Mädchen und Jungen, die anstatt Frühstück, einer Dusche oder einem Schulbesuch ihren Tag mit Schnüffeln begonnen.

Die rumänische Bevölkerung kennt diesen Anblick. Doch anstatt zu helfen, wendeten sich die Blicke vom Elend ab. Naserümpfend gehen die Leute Tag täglich vorbei, manche beschimpfen die Ärmsten der Armen. Die Bevölkerung hat sich mit diesem „Problem“ abgefunden. Diese alltäglichen Bilder sind jedoch kein Einzelfall im Land.

Unvergessen sind die erschreckenden Bilder aus rumänischen Waisenheimen nach dem Ende des Regimes von Nikolae Ceausescu, die verwahrloste Kinder zeigten, welche teilweise im eigenen Kot und verfaultem Stroh saßen und sich apathisch hin und her wiegten. Diese Kinder sind heute erwachsen und viele von ihnen leben in ehemaligen Heizschächten und Abwasserkanälen unter der Erde. Zu ihnen ist die nächste Generation verwahrloster Kinder und Jugendlicher gestoßen und zusammen bilden sie eine Lebens- und Leidens-Gemeinschaft im Untergrund der rumänischen Hauptstadt.

Matthias und Daniel machten Fotos und filmten des Öfteren den Alltag der Menschen. Sie kehrten nach Deutschland zurück, und berichteten ihren politisch aktiven Freunden von diesem Elend am Rande der EU, veröffentlichten Fotos und schrieben über das Thema.

Bei ihrem zweiten Besuch wurden die beiden von einigen Bewohnern der Heizungstunnels angesprochen. Die Menschen waren neugierig und die beiden wurden akzeptiert, inmitten des Ghettos vor dem Bahnhof.

Finanziell konnten sie nicht zur Unterstützung beitragen, deshalb brachten sie warme Kleidung mit, kochten gemeinsam mit Obdachlosen und ermöglichten es zwischendurch, dass diese sich waschen konnten. So entstand Vertrauen und mittels Gesprächen versuchten sie, den Konsum der Lackdroge dieser Jugendlichen zumindest zeitweise zu reduzieren. Nach diesem Besuch hielten sie über Facebook weiterhin Kontakt.

Bilder über die Zustände im Zentrum der Hauptstadt eines EU-Mitgliedlandes sind in den letzten Jahren um die Welt gegangen und auch deutsche Medien haben mehrfach darüber berichtet. Dass Matthias und Daniel einerseits die Missstände anprangerten und außerdem im Rahmen ihrer Möglichkeiten zu helfen versuchten, löste Missfallen bei Behörden aus und außerdem eröffneten sich so Möglichkeiten für Mitglieder des Rumänischen Informationsdienst SRI (Nachfolgeorganisation der Securitate) und der örtlichen Polizei, sich finanziell zu bereichern.

Die Kontaktpersonen des gleichgeschlechtlichen Paars aus Deutschland wurde unter Einsatz von Prügel verpflichtet, die beiden möglichst bald nach Rumänien zurück zu locken. Unterdessen erstellte die rumänische Staatsanwaltschaft eine fingierte Strafakte gegen die beiden, wobei die Direktorin einer staatlichen Obdachlosen-Einrichtung mithalf.

Die Jugendlichen mussten Protokolle unterschreiben, in denen Matthias und Daniel sexuellen Kontakt mit ihnen unterstellt wurde. Damit daraus ein Strafbestand wurde, musste das Alter der Jugendlichen im Protokoll herabgesetzt werden, da alle involvierten Jugendlichen älter als 15 Jahre, dem Schutzalter in Rumänien, waren. Ein Umstand, der sich später vor Gericht bestätigen sollte. Zusätzlich wurde den beiden Marihuana-Konsum vorgeworfen, der in Rumäninnen nach wie vor mit Haft bestraft werden kann.

Aufgrund der Bitten der Jugendlichen entschlossen sich die Beiden im Juni 2015 Bukarest erneut zu besuchen und einige Hilfsgüter zu bringen. Daniel und Matthias suchten die Jugendlichen auf, kauften gemeinsam ein, kochten und verbrachten gemeinsam Zeit in der Stadt und in der gemieteten Ferienwohnung. Dabei wurden sie von der Polizei und Mitglieder des SRI beobachtet. Da die normale Observation nicht zum gewünschten Erfolg führte, wurde einem der Jugendlichen, zu diesem Zeitpunkt 16 Jahre alt, ein Rucksack mit einer Videokamera ausgestattet übergeben, mit der Aufforderung, diesen in der Ferienwohnung zu platzieren. Er erhielt den Auftrag, die beiden Deutschen zu sexuellen Handlungen mit ihm zu verführen und diese auf der Kamera festzuhalten.

Der Jugendliche weigerte sich und floh mit dem präparierten Rucksack vor den Beamten. Jedoch fingen die Polizisten ihn wieder ein und zwangen ihn, am nächsten Tag mit dem Rucksack in die Ferienwohnung zurückzukehren. Dieses tat er dann und stellte den Rucksack in die Ecke des Zimmers.

Als es nach 3 Tagen zu keinen Straftaten kam, beschloss die Polizei, die Wohnung morgens um 6 Uhr mit teils maskierten Staatsdienern zu stürmen und Daniel und Matthias zu verhaften.

Ein solches Vorgehen ist in Rumänien kein Einzelfall. Das EU-Land wurde in der Vergangenheit schon mehrfach vom Europäischen Gerichtshof für Menschenrechte verurteilt, weil die Staatsmacht illegale Entrapment oder Sting-Operationen unter Einbezug von Agent Provocateur angewendet hatte (Beispiel: Urteil des Gerichtshofes gegen Rumänien bezüglich zweier Deutscher, die ebenfalls Opfer dieser Methoden wurden: Toran and Schymik v. Romania).

Mehrere Personen drangen mit Gewalt in die Wohnung ein, wobei sie sich nicht als Polizei auswiesen. Matthias und Daniel wurden aus dem Bett gerissen und auf den Boden geworfen.

Die beiden wurden verhaftet, die Begründung auf Rumänisch verstanden sie nicht. Dabei wurden sie immer wieder von zum Teil maskierten Polizisten geschlagen. Daniel wurde mit einer Machete bedroht, und Matthias wurde eine geladene Waffe an den Kopf gehalten und beiden wurde gedroht, sie umzubringen.

Die beiden wurden mit Handschellen hinter dem Kopf mehr als 1½ Stunden an die Wand gestellt, dabei wurden sie beschimpft, bedroht, erhielten Schläge in den Magen und auf die Köpfe und dabei viel immer wieder das rumänische Wort für „Schwule“.

Als Einlieferungsgrund in das erste Gefängnis stand auf dem Einweisungsbefehl einzig und allein das Wort PERVERS in Großbuchstaben.

Getrennt voneinander wussten sie fünf Monate lang nicht, wie es dem anderen geht. In der Untersuchungshaft durchlebten die beiden Folter und menschenunwürdige Zustände (Artikel 3 EMRK – Verbot der Folter). Die beiden durchlebten erst in den verschiedenen berüchtigten Gefängnissen in Bukarest mit den Namen Arest Central, Arest Politia Sectia 5 und zum Schluss auch im sogenannten Penitenciarul Bucuresti Rahova unter anderem versuchten sexuellen Missbrauch, tägliche Diskriminierung, Morddrohungen und körperliche Gewalt. Sie wurden durch Beamte, Wärter und durch schwerkriminelle Häftlinge erpresst.

Sie litten sehr unter den unmenschlichen Haftbedingungen und waren über längere Zeit mit sieben weiteren Insassen in einer Zelle von höchstens 10 Quadratmetern eingesperrt. Ausreichende körperliche Hygiene, Reinigung von Kleidung usw. war nicht möglich. Hygieneartikel, Toilettenpapier, Bettzeug, Matratzen oder eine Dusche standen nicht zur Verfügung. Sie hatten keinen Zugang zu medizinischer Versorgung und waren über Monate voneinander und von der Außenwelt isoliert.

In dieser Zeit waren sie täglich ununterbrochen Lärm ausgesetzt. Um zu verhindern, dass die Häftlinge miteinander kommunizierten, lief während 14 Stunden in ohrenbetäubender Lautstärke ein Radiosender über die Lautsprecher vor den Zellen. Die ganze Nacht hindurch waren die Schreie von Jugendlichen zu hören, die unter Hunger, Drogenentzug oder Selbstverletzungen litten.

Als in ihrer Etage ein Feuer ausbrach, weil ein Insasse aus Protest gegen die menschenunwürdigen Haftbedingungen seine Matratze angezündet hatte, mussten die beiden trotz Hilferufe fast eine Stunde in ihren Zellen voll schwarzem und giftigem Rauch ausharren. Die Feuerwehr wurde aus Angst vor negativer Berichterstattung nicht alarmiert, Häftlinge mussten das Feuer mit Wasser löschen.

Die zuständigen Mitarbeiter der Deutschen Botschaft waren nicht bereit, ihre Arbeit zu tun und den beiden in ihrer Lage beizustehen. Auch hier erlebten die beiden eine Vorverurteilung, obwohl es ausreichend Beweise für ihre Unschuld gab. Als die Angehörigen in Deutschland eine Botschaftsmitarbeiterin wegen unterlassener Hilfeleistung im Amt und weiteren Straftaten bei der deutschen Polizei anzeigten, wurde diese kurz darauf in Rente geschickt.

Während den fast 2 Jahren Untersuchungshaft wurden die beiden Beschuldigten mehrfach dem Gericht vorgeführt. Dabei wurde ihnen nie ein Dolmetscher zur Verfügung gestellt, der auch nur ansatzweise die deutsche Sprache beherrschte. Ihren Anwalt konnten sie sich nicht aussuchen und vor Gericht wurden sie nie wirklich angehört. Das Recht auf Selbstverteidigung wurden ihnen verwehrt.

Adressen, Telefonnummern der ständig wechselnden vom Staat beigeordneten Pflichtverteidiger, oder selbst die Namen wurden den beiden nicht mitgeteilt, auch wurde ein Gespräch mit diesen unterbunden. Jedoch wurden im Gefängnis von Wärtern Visitenkarten von sogenannten Anwälten verteilt. Diese forderten die beiden Familien auf, 10.000 Euro Bestechungszahlungen zu leisten. Danach sollten die beiden in Verbindung mit einem Deal mit der Staatsanwaltschaft, der ein Teilgeständnis beinhaltete, freikommen. Später stellte sich heraus, dass diese Verteidiger gar kein Recht hatten, in Rumänien Strafprozesse zu führen. Ohne den Einsatz ihrer Familien in Deutschland hätten die beiden nicht überlebt, da sie der Amtswillkür mittellos ausgeliefert waren.

Spätestens hier offenbarte sich das wahre Motiv der illegalen und richterlich nicht genehmigten „Lockspitzel Aktion“. Im Glauben, dass die beiden deutschen Staatsbürger und deren Angehörige bedeutende Geldsummen zu zahlen in der Lage seien, erhoffte man sich ein „lukrative Geschäft“. Die Homosexualität der beiden machte sie, so waren die Drahtzieher überzeugt, zu einfachen Opfern. Die rumänische Presse griff die falschen Anschuldigungen dankbar auf und diffamierte Daniel und Matthias in der Öffentlichkeit, die Vorverurteilung war somit perfekt.

Da sich die beiden beharrlich weigerten, ein Geständnis zu unterschreiben, die Staatsanwaltschaft keine Beweise hatte und sich bei den geladenen Zeugen, mit denen ihnen sexuelle Handlungen vorgeworfen wurde, vor Gericht herausstellte, dass sie während dem vermeintlichen Tatvorgang bereits älter als 15 Jahre waren, zog sich das Verfahren hin ohne, dass es bis heute zu einer Verurteilung oder einem Freispruch gekommen wäre.

Unterdessen verfügen Daniel und Matthias über Dokumente, Telefonmitschnitte, Überwachungs-Audio- und Videodateien und andere Beweise, die rumänischen Behörden belasten. Diese Unterlagen decken skandalöse Zustände bei Polizei und Justiz des EU-Staates Rumänien sowie über Misshandlung in Heimen für jugendliche Obdachlose auf.

Im Februar 2017 wurden die beiden endlich nach 20 Monaten aus der Untersuchungshaft entlassen, unter Hausarrest gestellt und durften die Mietwohnung zu keiner Zeit verlassen. Die Einhaltung wurde mehrfach von der Polizei mit willkürlichen Besuchen unter anderem auch mitten in der Nacht kontrolliert. Im Januar 2018 wurde der Hausarrest ohne Begründung aufgehoben, wegen des laufenden Prozesses, der bis heute nicht abgeschlossen ist, durften sie weiterhin das Land nicht verlassen.

Daniel und Matthias erstatteten mehrfach Anzeige, sowohl in Rumänien als auch in Deutschland. In Rumänien wurden diesbezüglich nie ermittelt, oder die Ermittlungen wurden sofort wieder eingestellt, wie im Fall des versuchten sexuellen Missbrauchs an Daniel, obwohl es Zeugenaussagen gab und der Täter ein Teilgeständnis ablegte.

Auch die meisten deutschen Behörden verweigern bisher die Ermittlungen. Aber wie auch im Fall von Daniel und Matthias ist der finanzielle Aspekt, der durch die Handelsbeziehungen zwischen Deutschland und Rumänien stattfindet, anscheinend lukrativer und wichtiger als zwei Menschenleben.

Zwar wird Rumänien regelmäßig vom Europäischen Gerichtshof für Menschenrechte bezüglich des Praktizierens von Folter und unmenschlicher Behandlung (EMRK Art. 3) und diversen weiteren Verstößen bzw. der Nichteinhaltung der Europäischen Menschenrechtskonventionen verurteilt (Rumänien Verurteilt – Queeramnesty), wirkliche Konsequenzen hat das allerdings nicht.

Somit hat sich nach 11 Jahren EU-Mitgliedschaft Rumäniens bezüglich Rechtsstaat, Korruptions-, Armutsbekämpfung und Einhaltung von Menschenrechten nicht viel getan. Warum auch, wenn die Europäische Menschenrechtskonvention nicht viel mehr als ein Papiertiger ist?

Heute leben die beiden wieder in Mecklenburg–Vorpommern und kämpfen mit den psychischen, physischen und finanziellen Folgen ihrer Untersuchungshaft in Rumänien. Das Thema lässt die beiden aber nicht los. Sie wollen über das Unrecht, dass ihnen und anderen Personen widerfahren ist, schreiben und sie möchten auf die desolate Menschenrechtssituation und die Diskriminierung und Verfolgung von Homosexuellen sowie die unterlassene Sorgfaltspflicht seitens des Staates in Bezug auf Kinder- und Jugendschutz in Rumänien aufmerksam machen.

Mehr Informationen und Bilder findest du hier


 

Haustiere und Rechte früher

Menschenfeindlichkeit und Tierliebe

Hitlers Zuneigung zu seiner Schäferhündin „Blondi“ ist legendär. Dass strenger Tierschutz und Verachtung für Menschen für die Nazis ohne weiteres zusammengingen, beweist die Geschichte des „Reichstierschutzgesetzes“ von 1933.

Der Kriegswinter 1942: In den Vernichtungslagern im besetzten Polen erreicht die industrielle Ermordung der Juden ihre volle, schreckliche Kapazität. Täglich rollen neue Viehwaggons mit ihrer menschlichen Fracht aus Deutschland und den besetzten Gebieten in den Osten. SS-Ärzte führen in den Lagern Menschenversuche an wehrlosen KZ-Insassen und Kriegsgefangenen durch. In Stalingrad sind die Soldaten der 6. Armee eingekesselt, in den deutschen Großstädten leidet die Zivilbevölkerung unter Flächenbombardements der alliierten Luftflotten.

Bernhard Rust, Reichsminister für Wissenschaft, Erziehung und Volksbildung, hat derweil ganz andere Sorgen: In einem Schreiben vom 15. September 1942 weist er die Universitäten des Landes an, Meerschweinchen, die als Versuchstiere für medizinische Forschung benötigt werden, noch vor Wintereinbruch zu beschaffen – um die kleinen Nager vor Kälte zu schützen und „unter allen Umständen längere Transporte der Versuchstiere zu vermeiden“.

Antisemitischer Tierschutz

Was klingt wie eine besonders bizarre Anekdote aus dem „Ditten Reich“ hatte System: Tierliebe und Menschenverachtung waren in der NS-Ideologie kein Widerspruch. Nur wenige Monate nach ihrer „Machtergreifung“ im Januar 1933 brachten die Nationalsozialisten ein „Reichstierschutzgesetz“ auf den Weg, im November unterschrieb der neue Reichskanzler und „Führer“ Adolf Hitler das Gesetz.

Das Schächten von Tieren – also das Schlachten mittels Durchtrennung der Halsschlagader, wie es Judentum und Islam vorschreiben – war schon im April 1933 verboten worden. Die Idee des Tierschutzes war dabei dreist für die antisemitischen Ziele des Regimes vereinnahmt, „gesundes deutsches Volksempfinden“ gegen angebliche jüdische Grausamkeit in Stellung gebracht worden: „Die überwältigende Mehrheit des Deutschen Volkes hat schon lange das Töten ohne Betäubung verurteilt, eine Praxis, die unter Juden allgemein verbreitet ist“, dröhnte die Präambel des Paragrafenwerks. 

Und nicht nur das Schlachten nach jüdisch-orthodoxer Vorschrift verboten die Nazis unter dem Deckmantel der Tierliebe. Wissenschaftliche Tierversuche an Universitäten waren für sie ebenso Symbol „jüdischer“ Wissenschaft: „Weißt Du, dass Dein Führer schärfster Gegner jedweder Tierquälerei, vor allem der Vivisektion, der wissenschaftlichen Tierfolter ist, dieser entsetzlichen Ausgeburt der jüdischen Schulmedizin?“, fragte die Propagandazeitschrift „Die Weiße Fahne“ ihre jugendlichen Leser: antisemitische Wissenschaftskritik unter dem Deckmantel des Tierschutzes, der „ewige Jude“ als Feind nicht nur der Herren- sondern auch von Hunderassen und anderem arglosem Getier.

Lagerhaft für Tierquäler

Wie ernst es den Nationalsozialisten mit dem Schutz niederer Lebensformen und besonders dem Kampf gegen wissenschaftliche Tierversuche war, lässt eine Rundfunkansprache des Hitler-Vasallen und damalige preußischen Innenministers Hermann Göring von August 1933 schließen: „Bis zum Erlass dieses Gesetzes werden Personen, die trotz Verbotes die Vivisektion veranlassen, durchführen und sich daran beteiligen, ins Konzentrationslager abgeführt“, drohte der begeisterte Waidmann und „Reichsjägermeister“ unverhohlen. Die Androhung von Lagerhaft für Tierquälerei war übrigens eine der ersten öffentlichen Erwähnungen überhaupt der Konzentrationslager. Die ließ Göring ab Frühjahr 1933 errichten, um nach dem Reichstagsbrand und der darauffolgenden Hatz auf echte und angebliche Sozialisten die überfüllten Gefängnisse zu entlasten.

Trotz seiner braunen Ursprünge gilt das Reichstierschutzgesetz unter Tierfreunden wie unter Rechtshistorikern als Meilenstein des Tierschutzes. In der Bundesrepublik blieb es bis 1972 unverändert in Kraft. Das NS-Gesetz markiere den Wandel zum Schutz des Tieres „um seiner selbst Willen“, so der konservative französische Philosoph und Politiker Luc Ferry (von 2002 bis 2004 Bildungsminister seines Landes), der sich wiederholt mit Gedankenwelt und Geschichte der Ökologiebewegung auseinandersetzte. Bevor die Nazis dem ein Ende machten, wurde Tierquälerei nämlich nur bestraft, wenn sie in der Öffentlichkeit stattfand – Frauen und Kinder sollten vor allem vor den moralisch bedenklichen Folgen öffentlicher Grausamkeiten bewahrt werden. In seinen eigenen vier Wänden oder dem eigenen Stall dagegen konnten Tierbesitzer mit ihren „Sachen“ (als solche werden Tiere laut Bürgerlichem Gesetzbuch bis heute behandelt) tun und lassen was sie wollten – eine ethische Verpflichtung gegenüber Tieren als Lebewesen war dieser Zeit fremd.

Bis heute tun sich Tierschützer schwer mit diesem Befund: Ausgerechnet die Nationalsozialisten, die Menschen im allerschlimmsten Sinn wie Tiere behandelten, sollen besondere Tierfreunde gewesen sein? Die Hypothek der Vergangenheit zeigt sich im Umgang der Tierschutzvereine und -organisationen mit der Geschichte: In den meisten ihrer Darstellungen taucht das Gesetz von 1933 kommentarlos auf, ohne Hinweis auf seine Urheber. Unter Tierfreunden deutet man das Bemühen der braunen Herren um Tierschutz gern als bloßen Anbiederungsversuch der Nazis an die breite Öffentlichkeit. Begründung: Die Ideen des Gesetzes stammten aus der Tierschutzbewegung und seien bereits seit der Jahrhundertwende im Umlauf gewesen.

Propagandistische Inszenierung

Für die These, die Nazis seinen in Sachen Tierschutz bloße Opportunisten gewesen, wird selbst Hitlers treue Hündin „Blondi“ als Kronzeugin in Anspruch genommen: Augenzeugen hätten beobachtet, der Führer habe seinem Hund gar keine echte Zuneigung entgegengebracht, ihn eher als abgerichtete Maschine betrachtet, so ein auf der Seite animal-rights.de veröffentlichter Text. Dass historische Sensibilität nicht immer zu den Stärken gerade radikaler Tierschützer zählt, ist spätestens seit der berüchtigten Werbekampagne der Tierschutzorganisation „Peta“ bekannt: Die setzte 2004 Massentierhaltung und Holocaust gleich – nach einem Proteststurm musste „Peta“ die Kampagne abbrechen.

Tatsächlich war die Tierliebe der Nazis mitnichten nur propagandistische Inszenierung. Teile der Tierschutzbewegung – wie auch der Naturschutzbewegung – bezogen sich auf ganz ähnliche ideologische Grundlagen wie die Nationalsozialisten. Beide etwa beriefen sich auf die Vorstellungen des Komponisten Richard Wagner (1813-1883), der in Naturverbundenheit und Tierliebe eine besondere Charaktereigenschaft der „nordischen Rasse“ sah. Der Künstler, ein überzeugter Vegetarier wie nach ihm Hitler, wetterte gegen den Fleischverzehr – für ihn eine Vermischung von Rasse und Blut, durch welche die nordisch-germanischen Reinheit verschmutzt werde. Der Tierversuch war für Wagner Inbegriff „des Bösen und Jüdischen“. Solch verquastes Mischmasch aus völkischen „Blut und Boden“-Denken, Rassenideologie, Wissenschaftsfeindlichkeit und Antisemitismus vertraten keineswegs nur Nationalsozialisten, auch Tierschützern der Zeit war es nicht fremd.

Im Text des Tierschutzgesetzes von 1933 durfte denn auch das völkische Element nicht fehlen: Die Schaffung eines Reichsgesetzes zum Schutz der Tiere sei „seit Jahrzehnten Wunsch des deutschen Volkes“, das „besonders tierliebend“ sei und sich „den hohen ethischen Verpflichtungen dem Tiere gegenüber bewusst ist“, so die Präambel. Die pseudo-religiöse Überhöhung der Natur – der Morphinist Göring sprach von den Wäldern als „Gottes Kathedralen“ – durchdrang auch das Reichstierschutzgesetz.

Kein Problem mit „kriegswichtigen“ Tierversuchen

Allerdings endete der werbewirksam verkündete Schutz für all das, was auf deutscher Erde kreuchte und fleuchte, ganz schnell dort, wo die Nazis ihre eigentlichen Interessen berührt sahen. So konnten Tierversuche für „kriegswichtige“ Forschungsprojekte ohne weiteres auch mit einer großen Anzahl an Tieren durchgeführt werden: Die Meerschweinchen, die Minister Rust vor Kälte und langem Transport bewahrt sehen wollte, wurden bei der Entwicklung biologischer Kampfstoffe, in der Seuchenforschung und bei Versuchen für die Luftfahrttechnik in den Labors der Nazis zu Tode getestet.

Der amerikanische Historiker Boria Sax weist in seiner Studie über Tiere im Dritten Reich auf die Verbindung zwischen Tierliebe und Menschenhass hin: Längst nicht alle Tiere schätzten die Nazis in gleichem Maße. Während wilde und reinrassige Tiere dem NS-Naturideal entsprachen, konnten verweichlichte Haustiere und „Schädlinge“ ohne weiteres zu lebensunwerten Wesen erklärt und „ausgemerzt“ werden. Das passte gut zur Rassenideologie, die auch Menschen hierarchisch einordnete: Das vermenschlichte Tier als Kehrseite des Tieres namens Mensch. So ermöglichte die pervertierte Tierliebe der Nationalsozialisten ein besonders schreckliches Kapitel der deutschen Medizingeschichte: Wo die Grenze zwischen „edlem Tier“ und viehischem „Unter-Menschen“ verblasste, war der Schritt vom medizinischen Tierexperiment zum Menschenversuch fast schon getan.

Dieser Artikel basiert auf einem preisgekrönten Beitrag für den Geschichtswettbewerb des Bundespräsidenten. Weitere Informationen zum Originalbeitrag „Von Mäusen und Menschen. Die Auswirkungen des nationalsozialistischen Reichstierschutzgesetzes von 1933 auf die medizinische Forschung an den Universitäten Tübingen, Heidelberg, Freiburg“ von Daniel Jütte können in der Datenbank des Geschichtswettbewerbs recherchiert werden.


Wie ist es heute

Heutzutage haben wir ein Ausbaufähiges Tierschutzgesetz und Regelungen in vielen bereichen.

Tierschutzgesetz Stallhaltung

Heimtierschutzgesetz

PETA Deutschland fordert ein Heimtierschutzgesetz mit folgenden Punkten:

  • Haltungsverordnung für alle „Heimtiere“
  • Gruppenhaltung soziallebender Arten (Kaninchen, Vögel, etc.)
  • Bundesweite Einführung eines Hundeführerscheins für Hundehalter
  • Kastrationspflicht für alle geschlechtsreifen Tiere, die unkontrolliert ins Freie gelassen werden
  • Verbot der Wildtierhaltung in Privathaushalten und damit verbunden das Verbot von „Exotenbörsen“
  • Verbot von Vogelbörsen und -ausstellungen
  • Massive Eindämmung der Zucht aller „Heimtiere“
  • Verbot von „Qualzuchten“
  • Verkaufsverbot von Tieren im Zoohandel
  • Ausbildungsverordnung für Mitarbeiter des Zoohandels
  • Verbot für Jäger, tierische Mitbewohner abzuschießen

Bitte helfen Sie den Tieren

Bitte helfen Sie den Tieren, die in Privathaltung, im Zoohandel und in der Zucht in einem quasi rechtsfreien Raum leben und leiden und unterstützen Sie unsere Forderung nach besserem Schutz für unsere tierischen Mitbewohner! Setzen Sie sich gemeinsam mit PETA Deutschland e.V. dafür ein, dass die Bundesregierung ein Heimtierschutzgesetz erlässt!

Petition jetzt Unterschreiben hier

 

 

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