Aufgrund psychiatrisch auffälliger Cannabiskonsumenten wurde der Begriff  des Amotivations-Syndroms geprägt. Man hat beobachtet, dass dauerhafte  Cannabiskonsumenten teilnahmslos, passiv und allgemein antriebsvermindert  wirken sowie den Alltagsanforderungen mit einer gewissen Gleichgültigkeit  gegenüber treten. Die Psychiater Täschner und Wanke (1985) sagen  hierzu:

„Die Konsumenten fühlen sich allmählich den Anforderungen der Leistungsgesellschaft immer weniger verpflichtet, aber auch immer weniger gewachsen.“ (S.32)  

Aus diesen Beobachtungen wurde geschlossen, dass der Cannabiskonsum die Ursache für den Verlust an Motivation sei. Die Forscher Kleiber und Kovar (1998) haben in einer Expertise für das Bundesministeriums für Gesundheit jedoch darauf hingewiesen, dass hier vermutlich Ursache und Wirkung verwechselt wurden. Man müsse vielmehr davon ausgehen, dass Personen, die ohnehin schon demotiviert sind und Leistungsanforderungen kritisch gegenüber stehen, zum Abbau ihrer Frustration eher dazu neigen, Cannabis zu konsumieren.

In einer groß angelegten Befragung von Cannabiskonsumenten haben die Sozialwissenschaftler Kleiber & Soellner (1998) 1458 Cannabiserfahrene u.a. nach ihrer Leistungsmotivation befragt. Die Ergebnisse zeigen, dass die Konsumenten sich statistisch nicht bedeutsam vom Durchschnitt der Bevölkerung unterscheiden. Unterschiede zeigen sich lediglich im Bereich der Hochmotivierten: Unter den Cannabiskonsumenten sind weniger Hochmotivierte zu finden. Die Autoren kommen daraufhin zu dem Schluss:

„Betrachtet man die Ergebnisse zur Leistungsorientierung, so lassen sie keine Rückschlüsse im Sinne der Ausbildung eines sogenannten amotivationalen Syndroms (vgl. Täschner, 1986 und 1994) infolge Langzeitkonsums von Cannabis zu.“ (S.141)  

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