Welche Rolle spielt das Medium Haut und die Zugehörigkeit zu einer Subkultur?

„Der moderne Mensch, der sich tätowiert, ist ein Verbrecher oder Degenerierter. Es gibt Gefängnisse, in denen 80 Prozent der Häftlinge Tätowierungen aufwei­sen. Die Tätowierten, die nicht in Haft sind, sind latente Verbrecher oder dege­nerierte Aristokraten.” 

Der österreichische Architekt und Kulturpublizist Adolf Loos stellte in seinem Werk „Ornament und Verbrechen“ von 1908 die These auf, dass tätowierte Menschen zwangsläufig eine kriminelle Energie aufweisen würden. Tatsächlich galten Tätowie­rungen und Piercings auch noch in weiten Teilen der Gesellschaft bis zum Ende der 1980er Jahre als verpönt und wurden hauptsächlich von Leuten getragen, die gegen das gängige System rebellieren wollten. Erst Mitte der 1990er Jahre fand ein Umschwung im Denken der Gesellschaft statt und immer mehr Leute ließen sich tätowieren oder piercen. Rund 100 Jahre nach der Aussage von Adolf Loos sind diese Formen der Body Modification zum Mainstream geworden und weitestgehend akzeptiert, wobei noch immer unterschieden werden muss zwischen gängigen und eher unüblichen Positionen und Arten der Tätowierungen und Piercings. Body Modification beschränkt sich zudem nicht nur auf diese beiden genannten Anwendungsbereiche, sondern ist noch deutlich vielfältiger. Diese Hausarbeit hat sich das Ziel gesetzt, sich dem breiten Feld der Body Modification aus historischer, kultureller und soziologischer Sicht zu nähern und somit einen Überblick über alle Aspekte dieses Körpertrends zu geben.

Im zweiten Kapitel wird zunächst definiert, was unter Body Modification zu verstehen ist, bevor auf den geschichtlichen Hintergrund eingegangen wird. Anschließend werden die verschiedenen Formen von Body Modification vorgestellt und daraufhin die Be­weggründe zum Entscheiden für die Körperkunst diskutiert. Im folgenden dritten Kapi­tel wird ein besonderer Blick auf die Rolle der Haut, die als Oberfläche bzw. Träger bei der Body Modification dient, geworfen.

Das vierte Kapitel beschäftigt sich hiernach mit dem Bereich der Subkulturen, in denen Body Modification eine gewichtige Rolle spielt. Dies wird anhand von zwei Fallbei­spielen aus dem Musikbereich, den Genres Hardcore und Gothic, veranschaulicht. Bei­de Subkulturen zeichnen sich dadurch aus, dass ihre Anhänger nicht nur ausschließlich die Musik konsumieren, sondern auch andere Themen in der jeweiligen Subkultur von großer Bedeutung sind, unter anderem Body Modification. Nachdem ein kurzer Über­blick über die Geschichte der jeweiligen Musikrichtung gegeben wurde, soll der Fokus darauf liegen, herauszuarbeiten, welche Formen der Body Modification in diesen Sze­nen angewendet werden und was die Beweggründe dafür sind. Anschließend werden Gemeinsamkeiten und Unterschiede im Hardcore- und Gothic-Genre aufgezeigt. Letztendlich soll im fünften Kapitel ein Blick auf aktuelle Trends und zukünftige Mög­lichkeiten, die das Feld der Body Modification bieten könnte, geworfen werden, bevor die gewonnenen Erkenntnisse im sechsten Kapitel als Fazit zusammengefasst werden.

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