Hanf kam, sah und ging wieder

Im Jahr 1935 wurden aber wieder etwa 2.400 ha mit Faserhanf und 1.335 ha mit Samenhanf bestellt. Im Jahr 1937 wurde ein weiterer Anstieg auf 7.510 ha bei Hanf verzeichnet. Von der gesamten Hanfanbaufläche entfielen 5.871 ha auf Preußen und 968 ha auf Bayern (Statistisches Jahrbuch für das Deutsche Reich, 1938 ).

In der Hanfindustrie wurde folgendes Warensortiment aus Hanffasern hergestellt:

Webegarne für Schläuche, Segeltuch, Teppiche und Gurte, polierte Garne für Webzwecke und Klöppeleien, Liderungsgarne für Dichtungszwecke, Wurst-, Sattel-, Schuh-, Netz-, und Sacknähgarne sowie Strohpressengarne für die Landwirtschaft, für Bindezwecke Kordel, Packstricke, Schnürfaden, Kordel- und Seilgarne, Bergseile (Backe, 1936).

Obwohl die Anbauzahlen in Deutschland zwischen 1933 und 1940 von 210 auf 21.000 ha empor schnellten (geplant waren bis 1945 30.000 ha), reichte dies nicht zur Deckung des Bedarfs aus. Selbst 1941, im Jahr der höchsten Hanfernte während des Zweiten Weltkrieges, mussten von 67.966 Tonnen über 80 % vorwiegend aus Italien importiert werden (Statistik der Reichsstelle für Textilwirtschaft, 1936-1943).


Nach den letzten Kriegsjahren des 2. Weltkrieges wurden in Deutschland ca. 21.000 ha angebaut, womit etwa 20 % des Bedarfs gedeckt wurden. Nach dem Krieg schrumpfte der Hanfanbau in Westdeutschland rasch auf unbedeutende Größe, bedingt durch die Konkurrenz von überseeischen Fasern. In der ehemaligen DDR hielt sich der Hanfanbau noch bis Ende der 60er Jahre.

Der Hanfanbau hatte in der ehemaligen DDR eine größere Bedeutung als in der alten Bundesrepublik Deutschland. Der Anbau fand schwerpunktmäßig im Bezirk Potsdam statt. Im Jahr 1950 erreichte der Hanfanbau mit insgesamt 4.318 ha Fläche etwa das gleiche Niveau wie vor dem Zweiten Weltkrieg. Im Jahr 1960 wurden die Anbauflächen weiter auf 6.583 ha erhöht. Seit 1961 ging jedoch der Hanfanbau auch in der DDR drastisch zurück. Im Jahr 1972 betrug die Anbaufläche nur noch 474 ha. Seit 1973 gab es in der ehemaligen DDR praktisch keinen Hanfanbau mehr ( Statistisches Jahrbuch der DDR, 1974).

Im Jahr 1989 führte die DDR 1.386 t Hanfbastfasern ein, nur 9,3 % der im Jahr 1970 getätigten Einfuhr. Aus der Reduzierung der Einfuhrmenge und der gleichzeitig stark herabgesetzten Eigenproduktion von Faserpflanzen wird ersichtlich, dass diese natürlichen Rohstoffe in der Verarbeitungsindustrie in der ehemaligen DDR immer weniger Beachtung fanden. Das gesamte Produktionsprogramm wurde auf Kunst- und synthetische Fasern ausgerichtet (Hanf, 1997).