Hanf Seefahrt, Handel und Revolution

Im 17. Jahrhundert, zum Höhepunkt der Segelschifffahrt, erlebte der Hanf in Europa seine Blütezeit. Fast alle Schiffssegel und fast alles Takelwerk, Seile, Netze, Flaggen bis zu den Uniformen der Seeleute wurden auf Grund der Reiß- und Nassfestigkeit aus der Faser vom Hanf hergestellt. Handel und Kriegführung waren vom Hanf abhängig: 50 bis 100 Tonnen Hanffasern wurden für die Grundausstattung eines Schiffes benötigt, und diese musste alle ein bis zwei Jahre ersetzt werden. Der Hanfanbau und -handel beispielsweise in Holland spielte mit seinen 11.000 Segelschiffen eine sehr bedeutende Rolle.

Der Niedergang des europäischen Hanfanbaus begann mit dem Niedergang der Segelschifffahrt im 18. Jahrhundert. Im 19. Jahrhundert wurde die Baumwollmaschine entwickelt, die die Verarbeitung der Baumwollfaser wesentlich erleichterte. Hanf und Flachs, deren Fasergewinnungsprozess arbeitsaufwendig blieb, wurden mehr und mehr vom Textilmarkt verdrängt.

Im 19. Jahrhundert gelangten Jute und Sisal als neue Faserpflanzen aus den damaligen Kolonien nach Europa. Insbesondere die Jute konkurrierte mit der Hanffaser in deren typischen Domänen: Säcke, Planen, Gurte und Verpackungsmaterial. Nicht qualitative, sondern Kostengründe führten zur Verdrängung des Hanfes. Die niedrigen Löhne in den Kolonien sorgten dafür, dass Jutefasern in Europa um fast die Hälfte billiger waren als Hanffasern.

Schließlich wurden im 19. Jahrhundert die Papiermaschine sowie chemische Aufschlussverfahren für Holz zur Papierherstellung entwickelt und Flachs und Hanf ebenfalls aus dem Papiermarkt verdrängt.

Zwischen 1850 und 1913 ging der Hanfanbau in Frankreich von 100.000 auf 13.000 ha zurück. Hierfür waren auch preiswerte Hanffaserimporte aus dem Russischen Reich die Ursache, die den Hanfanbau in Europa unrentabel machten.

In Osteuropa haben sich Anbau, Nutzung und Erforschung der Hanfpflanze bis heute auf relativ hohem Niveau halten können. Die wichtigsten Hanfanbauländer sind Rumänien, das Gebiet der ehemaligen UdSSR, Ungarn und Polen.

In Polen kommt man insbesondere aus Gründen des Wasserschutzes wieder auf den Hanf zurück. Gesucht werden Nutzpflanzen, bei deren Anbau auf Pestizide verzichtet werden kann, um die Schadstoffbelastung von Flüssen und dem Grundwasser zu verringern. Die deutsche Firma Oregon, die Wasseraufbereitungsprojekte in Polen betreut, hält dazu Hanf für besonders gut geeignet und empfiehlt, den Hanfanbau in Polen wieder auszudehnen (Lingen, 1993 zit. bei Herer, 1994).