Hanftextil kam 1994 zurück

Heute werden in Deutschland keine Hanffasern mehr zur Herstellung für Feintextilien eingesetzt. Der Rohstoffmarkt wird von der Baumwolle beherrscht und bei besonderen Anforderungen hat der Flachs den Hanf bereits vor Jahrzehnten verdrängt. In Frankreich wird noch heute ein Teil der Oberbekleidung (Jacketts, Socken, Stoffschuhe und Taschen) aus den Langfasern von Hanfpflanzen hergestellt.

Bei den Socken aus Mischgarn dienen Hanffasern zur Verstärkung, damit die Socken länger halten (Böck, 1993 zit. bei Herer, 1994).

Die Hanfsamen, die bis zu 21 % aus Protein bestehen ( Hanfhausmagazin, 1995), bzw. das aus ihnen gepresste linolsäurereiche Öl, dienen sowohl als wertvolles Nahrungsmittel für Mensch und Tier als auch als Ausgangsstoff verschiedenster technischer Produkte. Bei einem Hektarertrag von 35 % kann mit ca. 350 kg Hanföl gerechnet werden (Karus, 1995). Der Anbau von diözischen Hanfsorten ist günstiger, da ein höherer Samenansatz erzielt wird (Bocsa, 1995).

Zwischen 1840 und 1890 standen Hanfextrakte an zweiter Stelle der verordneten Medikamente in den USA. Die damalige amtliche amerikanische Arzneimittelliste zählte Müdigkeit, Husten, Rheumatismus, Migräne, Krämpfe und Depressionen zu den Beschwerden, die mit Cannabis behandelt werden durften. Auch als Schmerzmittel leistete Cannabis außerordentlich gute Dienste und war in den USA jahrzehntelang das wichtigste Mittel, bis es von dem bekannten Aspirin abgelöst wurde. In Australien wurde 1995 Marihuana wieder als Medizin zugelassen. In den Folgejahren beschränkte sich die Hanfforschung jedoch nur noch auf das Delta-9-THC (Tetrahydrocannabinol).

Die restlichen 400 potentiell wirksamen Hanfinhaltsstoffe wurden nicht weiter auf ihre medizinische Wirksamkeit untersucht. Die heutige medizinische Hanfforschung ist weltweit fast zum Erliegen gekommen (Rätsch, 1992; Grinspoon, 1994).

Alle drei Nutzungsformen der Hanfpflanze (Faser, Samen, Pharmazie) könnten längerfristig wieder mehr Bedeutung erlangen. Zum jetzigen Zeitpunkt werden in der Bundesrepublik Deutschland der Hanffasernutzung die besten Chancen eingeräumt. Die Samenhanfproduktion ist nur bei entsprechend hohen Abnehmerpreisen wirtschaftlich. Auch wird die Samenreife auf Grund der klimatischen mitteleuropäischen Bedingungen oftmals nicht erreicht.

Die Samenerträge sind in südlicheren Ländern (Italien, Ungarn, Rumänien) klimatisch bedingt erheblich höher ( Dambroth, 1993 ). Derzeit werden insbesondere die Einsatzmöglichkeiten von Cannabis bzw. seinen Inhaltsstoffen im medizinischen Bereich überprüft, da positive Wirkungen z.B. bereits bei der Behandlung von Erbrechen und Morgenübelkeit bei Schwangeren, Multipler Sklerose und Glaukomen sowie zur Appetitssteigerung bei AIDS-Kranken bekannt sind ( Hesch u.a., 1996).