Hund, Katze und Co. als Weihnachtsgeschenk: Tierschützer läuten Alarm

«Vor allem Kleintiere wie Kaninchen, Meerschweinchen und Hamster sind das klassische Weihnachtsgeschenk für Kinder», weiß Frederick Guldner, Sprecher des Tierschutzvereins 1924 Saarbrücken und des Bertha-Bruch-Tierheims. Und genau solche Tiere sind es dann auch, die irgendwann nach den Feiertagen langweilig oder lästig werden und dann schnell wieder verschwinden müssen. Um jene unbedachten Spontankäufe auszuschließen, gibt das Saarbrücker Tierheim in den Tagen vor Heiligabend gar keine Tiere mehr ab. «Oder aber wir stellen den Interessierten sehr genaue und gezielte Fragen», sagt Guldner.

«Und wenn es dann zu spontan klingt, vertrösten wir auf das neue Jahr». Mit dieser Taktik stehen die Saarbrücker nicht alleine da. «Viele Tierheime vermitteln nicht mehr vor Weihnachten, und das ist auch gut so», meint Andreas Lindig, Landesverbandsvorsitzender des Deutschen Tierschutzbundes in Rheinland-Pfalz. Seit 30 Jahren betreibe er Tierschutz, und die Problematik entstehe alle Jahre wieder aufs Neue.

«Jeder, der ein Tier möchte, sollte für sich selbst entscheiden». Zwar würden Tierschützer viel Aufklärungsarbeit leisten, auf der anderen Seite gebe es immer noch Unbelehrbare, die Tiere zu Weihnachten verschenken – «vor allem, seitdem es durchs Internet so leicht geworden ist, an Tiere heranzukommen», bedauert Lindig. «Es bleibt bei demselben Prozedere, dass Interessenten die Hunde zwar kennenlernen und mit ihnen spazieren gehen können. Aktuell gibt es im Saarbrücker Tierheim mehr als 50 Hunde, die auf neue Besitzer warten.

Auch die Tierkäufe zu Pandemie-Zeiten spielten da eine Rolle. Eine richtige Abgabewelle habe es zwar noch nicht gegeben, aber bei etwa einem Dutzend Hunde könne man schon sagen, dass es «definitiv klassische Corona-Hunde» seien. «Ein Tier zu erziehen, ist nicht von heute auf morgen getan. « Nicht jeder hat das Händchen dafür und nicht jeder möchte eine Hundeschule besuchen.» Wenn der Hund oder die Katze dann vielleicht auch noch krank geworden sei und Tierarztkosten hinzukämen oder sie lästig seien, weil man in den Urlaub fahren möchte, würden sie einfach wieder abgegeben.

«Der Vorsitzende des Tierschutzbundes in Rheinland-Pfalz befürchtet, dass das Problem mit den «Corona-Tieren» noch längst nicht vorbei ist. « «Die Pandemie ist noch in vollem Gange. « Ich glaube nicht, dass wir das Thema schon abhaken können», sagte Andreas Lindig. «Wie sich das Problem der unbedachten Tierkäufe in Homeoffice-Zeiten weiterentwickeln werde, lasse sich noch nicht einschätzen.

««Die sozialen Probleme werden von vielen kompensiert, die ihre aufgestaute Liebe nun an Tiere weitergeben wollen», so Lindig. « Viele kauften sich vor allem deshalb dann ein Tier, weil ihnen der soziale Kontakt fehle. « «Das ist ja nicht böse oder schlecht», räumt Lindig ein.