Hunde Qualzucht

10 Hunderassen, die unter Qualzucht leiden

Trotz ernstzunehmender Krankheiten gehören die sogenannten „Modehunde“ zu den beliebtesten Hunderassen. Oft ist Unwissenheit der potenziellen neuen Hundehalter der Grund dafür, dass das Geschäft mit diesen Rassen brummt. Dazu gehören:

Australian Shepherd

Die strahlend blauen Augen und das gescheckte Fell des Australian Shepherd machen ihn zu einem der beliebtesten Hunde. Was die Wenigsten wissen: Seine außergewöhnliche Fellzeichnung beruht auf einem Gendefekt, der eine große Bandbreite an Krankheiten mit sich bringt. Hunde, die das Gen nur einmal aufweisen, also heterozygot (gemischterbig) sind, sind meist gesund. Bei reinerbigen (homozygoten) Tieren kann es aber zu gesundheitlichen Problemen kommen. Schwerwiegende Augenkrankheiten bis hin zu Blindheit und Taubheit, Deformationen des Skeletts und der Geschlechtsorgane sowie Herzfehler können die Folge sein.

Französische Bulldogge

Dem Kindchenschema der Französischen Bulldogge verfallen viele künftigen Hundehalter. Die Kurzköpfigkeit, auch Brachyzephales Syndrom (BCS) genannt, hat genau das zum Ziel – sie soll das Erscheinungsbild junger Welpen nachahmen. Doch dieses Merkmal bringt massive gesundheitliche Einschränkungen mit sich. Die kurzen Nasen führen zu Atemproblemen, erkennbar am Röcheln, Schnarchen und Grunzen, und machen das Hundeleben der kurzköpfigen Hunderassen zur Qual. Sauerstoffmangel, Erstickungsanfälle und Kreislaufzusammenbrüche können lebensbedrohlich sein.

Chihuahua

Dieser Hund im Miniformat betört mit seiner winzigen Körpergröße, dem kleinen Köpfchen und großen Augen. Doch das zierliche Aussehen des Chihuahuas birgt große gesundheitliche Risiken. Im Vergleich zu anderen Hunden ist die Schädeldecke der Chihuahuas sehr dünn oder sogar geöffnet. So kann schon ein kleiner Schlag auf den Hinterkopf dem Chihuahua das Leben kosten. Auch an anderen Stellen ist das Skelett sehr instabil. Knochenbrüche sind sehr häufig. Daher ist beim Spielen und im Alltag besondere Vorsicht geboten!

Mops

Seine niedlichen Kulleraugen lassen viele Hundefans einfach dahinschmelzen. Doch auch sie sind Resultat der Kurzköpfigkeit. Durch die Veränderung des Gesichtsschädels sind die Augen abgeflacht. Die Augen treten stark hervor und sind weniger geschützt. Austrocknung und Pigmentierung der Hornhaut sind die schwerwiegenden Folgen, die zur Blindheit führen können.  Auch der niedliche Ringelschwanz führt zu gesundheitlichen Schäden. Gelenk- und Wirbelsäulenerkrankungen, vor allem Bandscheibenvorfälle, werden beim Mops und anderen kurzköpfigen Rassen in direktem Zusammenhang mit dem Ringelschwanz, der ebenfalls charakteristisches Merkmal dieser Rassen ist, gebracht.

Dackel

Während der Dackel in den siebziger Jahren zu einer der beliebtesten Hunderassen gehörte, sprach man 2007 sogar von einem Aussterben der Rasse. Heute gilt der ulkig aussehende Dackel wieder als hip. Doch seine Kurzbeinigkeit hat für den Dackel schlimme Folgen. Sie beruht auf der sogenannten Chondrodysplasie, die eine frühzeitige Verknöcherung der Wachstumsfugen an den langen Knochen der Läufe verursacht. Das Resultat sind die kurzen, gebogenen Gliedmaßen. Zudem sind durch das Missverhältnis der Länge von Beinen und Wirbelsäule Bandscheibenvorfälle vorprogrammiert. Besonders dramatisch zeigt sich das in der sogenannten Dackellähme. Die Nerven werden dabei an der Wirbelsäule abgedrückt, der Dackel verliert dann die Kontrolle über seine Gliedmaßen. Zumeist sind die Hinterbeine betroffen. Die Dackellähme kann nur durch Medikamente und einen chirurgischen Eingriff begleitend durch physiotherapeutische Maßnahmen gelindert, aber nicht rückgängig gemacht werden.

Deutscher Schäferhund

Gezüchtet als Hüte- und Wachhund ist die große und kräftige Statur ein wesentliches Merkmal des Deutschen Schäferhunds . Für schnelles Wachstum und einen kräftigen Körper mit nach hinten abfallender Rückenlinie werden massive Erkrankungen des Bewegungsapparats in Kauf genommen. So leidet der Schäferhund an Hüftgelenksdysplasie , einer erblich bedingten Fehlbildung des Hüftgelenks. Unvollständige Ausrenkungen des Hüftgelenks und defekte Hüftgelenkpfannen sind die Folge. Es kommt zu Entzündungen und Arthrosen, was für den Hund sehr schmerzhaft ist und zunehmende Probleme in der Bewegung verursacht. Lahmheit und mangelnde Stabilität gehören zu den Symptomen einer Hüftgelenksdysplasie, die als unheilbar gilt. Bestimmte Behandlungsmethoden bis hin zum operativen Eingriff können das Leiden des betroffenen Hundes nur lindern und seine Schmerzen verringern.

Rhodesian Ridgeback

Sein Haarkamm entlang des Rückens, der entgegengesetzt zur normalen Haarrichtung wächst, verleiht dem Rhodesian Ridgeback sein elegantes Äußeres und ist Namensgeber für diese Hunderasse. Hunde mit „Ridge“ sind anfällig für die erblich bedingte Krankheit der Dermoidzysten bzw. des Dermoid Sinus. Dabei handelt es sich um eine Zyste, die durch die unvollständige Trennung der Epidermis- und Nervensystemzellen in der embryonalen Entwicklung entsteht. Die Haut auf dem Rücken ist eingestülpt und bildet eine Röhre entlang der Wirbelsäule. Dieses Gebilde kann sich bis direkt auf die Wirbelsäule ziehen. In dieser Röhre befinden sich Haare mit normalen Drüsen, die zu Entzündungen führen können. Erreicht diese Entzündung die Wirbelsäule ist das für den betroffenen Hund besonders gefährlich. Die Zyste muss daher operativ entfernt werden.

Shar Pei und andere Faltenhunde

Mit der überschüssigen Haut, die ihnen ein besonders fluffiges Aussehen verleiht, sehen Shar Peis aus wie übergroße Teddybären. Doch das hat auch seinen Preis, der den Hunden teuer zu stehen kommt. Denn diese Hautfalten verursachen die Hauterkrankung Idiopathische Muzinose. Rötungen, Juckreiz und übler Geruch der Hautfalten sind Symptome dieser Krankheit. Eine weitere Folge dieser überschüssigen Haut, die teils stark über die Augen hängt, sind die eingerollten Augenlider und die zu großen Lidspalten, die in Verletzungen und Austrocknung des Auges resultieren. Im schlimmsten Fall kommt es zu einer vollständigen Erblindung.

Nackt- und Schopfhunde

Haarlose Hunderassen sollen besonders geeignet für Tierhaarallergiker sein. So heißt es zwar, bewiesen ist das aber nicht. Was aber nachgewiesen ist: Der Gendefekt der Haarlosigkeit geht einher mit Gebissanomalien, die in Zahnverlusten resultieren können. Dazu kommt, dass durch das fehlende Fell, die Hundehaut nicht ausreichend vor Sonne geschützt ist und es zu Problemen bei der Wärmeregulierung kommt, da die Isolierung vollständig fehlt. Bei Nackthunden besteht außerdem eine genetisch bedingte Schwäche des Aufhängeapparates der Augenlinse. Die Augenlinse ist verlagert, es kommt zu Seheinschränkungen und sogar zur Blindheit.

Teacup Hunde

Ein relativ neuer Trend sind die sogenannten Teacup-Hündchen. Sie sind so winzig, dass sie wortwörtlich in einen Tee-Pott reinpassen. Diese extrem geringe Körpergröße bringt aber massive gesundheitliche und soziale Probleme mit sich, die die Hunde das ganze Leben lang begleiten. Für die Züchtungen werden die sogenannten Kümmerlinge, also die schwächsten und kleinsten Tiere eines Wurfs, verpaart. Zahlreiche Erkrankungen sind die Folge: Darunter offene Fontanellen, Lebershunt (Blut wird nicht mehr von der Leber entgiftet), Trachealkollaps (Luftröhre klappt zusammen), Herzdefekte und Knochenbrüche, um nur einige zu nennen. Hinzu kommen soziale Probleme. Die Winzlinge werden häufig herumgetragen, dadurch fehlt der Kontakt zu Artgenossen, die Hunde sind nicht sozialisiert. Das Resultat: Die Hunde leiden ihr Leben lang und auch die Haltung ist mehr Qual denn Freude.

Endlich Schluss mit Qualzuchten bei Hunden

Neben den oben genannten Hunderassen gibt es noch viele weitere Hunde, die an den ihnen angezüchteten Merkmalen leiden. Solange die Nachfrage nach Trend-Hunden so hoch ist, werden sie auch weiterhin von Züchtern angeboten. Die Zuchtordnungen zu ändern und Züchter durch neue Richtlinien zum Umdenken zu bringen, hilft nur bedingt. Denn auf Online-Plattformen werden zahlreiche Welpen von Hobbyzüchtern oder auch Welpen aus dem Ausland angeboten. Diese Anbieter sind den Verordnungen und Richtlinien von Zuchtvereinen nicht unterworfen.

Abhilfe gegen Qualzuchten schafft langfristig nur ein geschärftes Bewusstsein für die Problematik bei künftigen potenziellen Hundehaltern und ein generelles Verbot, entsprechende Hunderassen zu züchten, mit ihnen zu handeln und sie zu importieren.

Vorstöße in diese Richtung gibt es in den Niederlanden, wo ein generelles Zuchtverbot von Möpsen und anderen kurzköpfigen Hunden per Gesetz beschlossen wurde. So ist die Zucht von Hunden, deren Schnauzen weniger als ein Drittel ihres Kopfes ausmachen, illegal.

In Deutschland gehen Tierärzte auf die Barrikaden: „Staatliche Regeln, die vor unseren Gerichten einfach durchzusetzen sind und auf gewerbsmäßige wie private Zucht und den Import von Tieren anzuwenden sind“, fordert Professor Gerhard U. Oechtering, Direktor der Kleintierklinik der Uni Leipzig.  Auch die Bundesärztekammer reagiert und veröffentlicht einen Flyer mit dem Slogan „Nicht süß, sondern gequält“ mit dem Ziel, potenzielle Hundekäufer über die schlimmsten Symptome und Ausprägungen der Brachyzephalie aufzuklären.

Auch in Großbritannien gibt es eine von Tierärzten initiierte Kampagne, die über Kurzköpfigkeit aufklären soll. So haben britische Tierarzte eine Atemmaske entwickelt, die den Luftstrom so reduziert, wie es bei Hunden der Fall ist, die vom brachyzephalen Syndrom betroffen sind. „Breathe like a Brachy“ (deutsch: Atme wie ein Kurzkopf) heißt die Aktion. Menschen, die diese Maske versuchsweise tragen, können im wahrsten Sinne des Wortes nachfühlen, wie es kurzköpfigen Hunden wie dem Mops geht.

Der VDH, Verband für das Deutsche Hundewesen e.V., hat sich in den letzten Jahren dafür eingesetzt, bei den kleinen brachyzephalen Rassen, zusätzlich zu den ohnehin schon routine- mäßig vorgeschriebenen Gesundheitsuntersuchungen der Zuchttiere, eine Art Konditionstest durchführen zu lassen, um die Gesundheit der kurzköpfigen Rassen zu verbessern. Doch das allein reicht nicht aus, um die Übertypisierung und damit die Qualzucht dieser Rassen zu unterbinden. Denn der VDH erreicht nur einen Bruchteil der in Deutschland lebenden Hunde dieser Rassen. Durch den Vergleich der Zuchtbucheintragungen, die rückläufig sind, und Registrierungen beim Tierregister Tasso, die um eine Vielzahl höher ausfallen, lässt sich das belegen.

Im Bereich der kurzköpfigen Rassen sind also umfangreiche Maßnahmen ergriffen und angestoßen worden, um die Situation der Hunde zu verbessern. Doch sind diese Rassen nur die Spitze des Eisbergs. Immer dann, wenn Rassehundezucht in Extreme geht, wird es für die Gesundheit und damit auch für die Lebenserwartung der Hunde problematisch. Für alle Beteiligten an der Zucht von Rassehunden gibt es also noch viel zu tun.

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