Jagen mit Hanf Bogensehne

Wichtige Eigenschaften von Sehnen für Bogen

Eine geringe Ausdehnung der Sehne ist wichtig, damit weniger Energie beim Spannen des Bogens und nach dem Lösen in die Sehne fließen muss. Das bedeutet, dass sich eine zu hohe Dehnbarkeit doppelt negativ auswirken kann. Zunächst kann der Bogen selbst weniger gut gespannt werden. Dann fließt aber noch dazu weniger von dieser an sich schon reduzierten Energie in den Pfeil. Dennoch ist bei manchen Bögen eine gewisse Ausdehnung der Sehne notwendig, da die Bogenschäfte nicht für eine zu «harte» Entladung der Energie ausgelegt sind.

Ein niedriges Eigengewicht der Bogensehne hat Vorteile bei der Beschleunigung. Der Hintergrund ist, dass das Material weniger träge nach dem Lösen reagiert.
Eine hohe relative Zugfestigkeit bezogen auf das Gewicht des Materials ist ebenfalls von Bedeutung, um ein passendes Material zu ermitteln.

Deshalb nutzt man beispielsweise Hanf für Bogensehnen aber keinen Stahl.

Naturfasern

Neben den synthetischen Materialien für Bogensehnen stehen auch zahlreiche Naturfasern zur Verfügung. Grundsätzlich unterscheiden sich diese von den Kunststoffen durch Unregelmäßigkeiten im organischen Wuchs. Dabei kann aufteilen zwischen:
Pflanzliche Fasern wie Bambus, Baumwolle, Brennnesel, Hanf und Lein.
Tierische Fasern wie Tiersehnen, Darm, Haut, Leder, Haare und Seide.

In der historischen Entwicklung waren es häufig regionale Einschläge, die das Material für die Sehnen bestimmten. Die Wikinger nutzten für ihre Sehnen beispielsweise die Haut von Walrössern. Für die Sehnen eines englischen Langbogens nutzt man jedoch eher Hanf oder Leinen.

Dacron

Das gängigste und auch günstigste synthetische Material für Bogensehnen ist Dacron. Dabei handelt es sich um eine Polyester-Faser, die in den 1950er Jahren entwickelt wurde. Aufgrund seiner Eigenschaften eignet sich Dacron nicht nur für Sehnen, sondern auch für Segel oder für Nähte.
Dacron ist gegenüber anderen Materialien für Sehnen relativ dehnbar. Auch deshalb ist es die günstige Variante, weil Dacron eine geringere Belastung für die Wurfarme mit sich bringt. Deshalb kann man solche Sehnen eben auch gut für günstige Bögen verwenden.

Eine Dacron-Sehne verfügt jedoch noch über eine relative hohe Längung. Das bedeutet, dass sich das Material aufgrund der Belastungen ausdehnt. Damit werden die Sehnen länger und es ändert sich schleichend auch die Einstellung des Bogens.
Einer solchen ungewünschten Längungen wirkt man durch Eindrehen der Sehne entgegen. So verkürzt man die Länge wieder auf den gewünschten Zustand.

Fastflight

Fastflight ist der Marketing-Name für den Spezialkunststoff Spectra. Dabei handelt es sich ebenfalls um eine Polyester-Faser. Diese wurde jedoch extra für Bogensehnen entwickelt. Inzwischen wurden auch eine Reihe von Nachfolgern entwickelt wie beispielsweise Fastflight+.
Diese Kunststoffe sind besonders leicht und weniger dehnbar als Dacron. Nach etwa 1.000 Schuss dehnt sich eine Fastflight-Sehne nicht mehr weiter aus und verträgt insgesamt meist mehr als 10.000 Schuss.

Bei einer Fastflight-Sehne verläuft die Übertragung der Zugenergie auf den Pfeil aufgrund der niedrigen Dehnbarkeit sehr effizient ab. Außerdem ist dieser Kunststoff natürlich sehr leicht.
Das wiederum erhöht die Geschwindigkeit des Pfeils und ermöglicht es dem Schützen, flacher und direkter zu zielen. Deshalb ist Fastflight natürlich für das Schießen auf hohe Distanzen ein sehr gutes Material.
Aus diesem Grund haben sich Fastflight und andere Spezialkunststoffe im Leistungsbereich fest etabliert.

Man muss bei diesen sehr effizienten Materialien jedoch bedenken, dass nach dem Lösen mehr Energie in die Wurfarme schießt.
Häufig geben Hersteller deshalb explizit an, ob ein Bogen Fastflight-tauglich ist. Die Sehnen sind nämlich so dünn, dass sie auch ihre Halterungen ausfräsen können.
In der Praxis dürfte es jedoch nicht allzu häufig vorkommen, dass minderwertige Bögen mit teuren Sehnen bespannt werden. Einen hochwertigen Jagdrecurve oder Langbogen kann man in aller Regel auch mit einer Fastflight-Sehne nutzen.

Dyneema

Dyneema ist ein weiterer Spezialkunststoff, der nicht nur für Bogensehnen verwendet wird, sondern auch in der Takelage von Segelschiffen oder in Schusswesten eine Anwendung findet. Dyneema ist außerdem noch etwas weniger dehnbar als Fastflight.
Auch die Längung von Dyneema schießt sich sehr schnell ein. Jedoch kann man in der Praxis keine großen Unterschiede mehr zwischen den Kunststoffen erkennen.

Zahl der Stränge

Eine Sehne für einen Bogen besteht aus mehreren gedrehten Strängen. Neben dem Gewicht des Materials beeinflusst natürlich auch die Zahl der Stränge das Gesamtgewicht der Sehne. Dabei gilt, je schwerer eine Sehne ist, desto träger reagiert sie.

Eine relativ träge Sehne hat den Vorteil, dass sie etwas toleranter auf Fehler beim Lösen reagiert. Außerdem verteilt sich bei einer stärkeren Sehne die Belastung besser, was die Lebensdauer erhöht. Deswegen nutzen Anfänger eher mehr Stränge
Je besser man als Bogenschütze jedoch wird, desto weniger Fehler macht man, desto weitere Ziele wählt man und desto mehr ist man an der Beschleunigung durch eine dünne Sehne interessiert. Rein rechnerisch kann man so weit gehen, dass man einen 30 lbs Bogen mit nur noch einem Fastflight-Strang schießt.

In der Praxis verwendet man natürlich mehr Stränge, da es immer auch zu einer Beschädigung der Sehne kommen kann. Wenn man als Schütze damit zurecht kommt, kann man aber auch mit einer selbstgedrehten 6-Strang-Fastflight-Sehne sehr glücklich werden.

ACHTUNG: Bei einer Sehnen-Stärke, die weit unterhalb der handelsüblichen Größen von 12 – 16 Strängen liegt, wird der Unterschied beim Gewicht immer deutlicher. Das wiederum wirkt sich auf den dynamischen Spinewert aus. Darauf muss man gegebenenfalls mit weiterem Tuning reagieren. Außerdem sind die üblichen Nocken dann zu groß.

Material

Bogensehne an einem Langbogen

Bogensehne an einem Langbogen

Die natürlichen Materialien für Bogensehnen sind äußerst vielfältig. Beliebte pflanzliche Fasern sind z.B: Brennnessel, Lein, Hanf, Ramie, Baumwolle, Kapok (Dschungelbaumwolle), Bambusfasern, und sogar Holzstreifen (bei Chinesischen Kugel-Armbrüsten). An tierischen Fasern wurden verwendet: Tiersehne, Darm, Rohhaut (ungegerbte Haut), seltener Leder, eventuell Haare, Seide, selten vielleicht sogar Muschelseide. Daneben sind auch Menschenhaut und -sehne verwendet worden, wohl als Kriegstrophäe, etwa von den Skythen. Bogensehnen bestanden bei den Handbögen im Neolithikum meistens aus Lein oder Nesselfasern, später wurde auch Seide verwendet. Die Verwendung von Frauenhaar ist zwar theoretisch möglich, aber vermutlich nur ein literarischer Topos, ebenso Bogensehnen aus Rosshaar. Bei den Skorpionen und Ballisten der Römer und Griechen ist uns für Bogensehnen die Verwendung von Tiersehne und Haaren schriftlich überliefert, dieselben Materialien wurden an diesen Katapulten auch für die Torsionsfedern verwendet, welche die Bogen-Wurfarme enthielten. Außerdem wurden manchmal pflanzliche Fasern wie Lein oder Hanf für die Katapult-Bogensehnen verwendet. Mongolische Reflexbögen (Kompositbogen) hatten im Frühmittelalter oft Bogensehnen aus gezwirnter Walrosshaut. Auch die Wikinger scheinen später Walrosshaut an ihren Langbögen bevorzugt zu haben.

Osmanische Reflexbögen besaßen teilweise Sehnen aus Ramie, öfter aber solche aus Seide, mit angeknoteten Schlaufen aus Tiersehne. Nordamerikanische Indianer bevorzugten fast durchgehend Bogensehnen aus gezwirnter Tiersehne, südamerikanische Indianer nehmen heute Kapok, auch Chambirafaser. Da Pflanzenfasern günstiger sind als tierische, wurden sie von vielen Völkern bevorzugt, etwa von den britischen Bogenschützenheeren, deren Sehnen aus flämischem Leinen oder Hanf gefertigt waren, ebenso von den französischen Armbrustern (Hanfsehnen). Bogensehnen aus Pflanzenfasern dehnen sich aber bei Nässe, dieses erschwerte manchmal den Einsatz von Bogenschützen und Armbrüsten, zum Beispiel in der Schlacht von Crécy.

Anker eines Compoundbogens

Anker eines Compoundbogens

Y-Sehne und Sehnenstopper „(STS)“ an einem Mono- oder Singlecam-Bogen

Y-Sehne und Sehnenstopper „(STS)“ an einem Mono- oder Singlecam-Bogen

Moderne, künstliche Bogensehnen bestehen meistens aus mehrfach gewickeltem Dacron. Durch die Wicklung entstehen an den Enden Schlaufen, die derart gebündelt werden, dass zwei Augen entstehen, mit denen die Sehne an den Bogenenden eingehängt wird. Das sind die „Öhrchen“.

Daneben werden vor allem bei modernen Compoundbögen die Spezialkunststoffe FastFlight, S4, UltraCam, XCel, TSPlus, BCY-450, BCY-452X usw. verwendet. Diese sind kaum dehnbar (weniger als 1 % Dehnung) und sehr leicht. FastFlight war der erste Kunststoff, der extra für Bogensehnen entwickelt wurde. Bogensehnen aus o. g. Kunststoffen arbeiten so effizient, dass einfache Holzbögen mit ihnen gar nicht geschossen werden können, weil die Sehne sich beim Strammziehen durch den schießenden Bogen nicht dehnt, sondern die vorschnellenden Wurfarme augenblicklich stoppt, wodurch im schlimmsten Fall das Wurfarmende des Holzbogens abgerissen oder eingeschnitten wird. Aus diesem Grund werden bei dem genannten Design die Nocken entsprechend verstärkt (ggf. durch Hartholz oder Horn), oder die Sehne an den Öhrchen durch Wicklungen verdickt. Für türkische Kriegs- und Weitschussbögen konnte gezeigt werden, dass die Verwendung moderner Hochleistungsgarne die Bögen stark beschädigt. Andere Hornbogen und Kompositbogen (Reflexbogen) sind ggf. FastFlight tauglich. Mit traditionellen Kompositbögen in Verbindung mit modernen FastFlight-Bogensehnen konnte ein Wirkungsgrad der Waffe von beinahe 90 % erreicht werden, was weit über den Wirkungsgrad der anderen Bogentypen (und auch der Katapulte) hinausgeht.

Nockpunkt setzen

Der Nockpunkt ist eine Verdickung an der Sehne und zur Orientierung beim Einnocken. Die meisten Bogenschützen verfügen nur über einen Nockpunkt und legen den Pfeil unterhalb ein. Damit ist sicher gestellt, dass dieser bei jedem Schuss die gleiche Position an der Bogensehne hat.
Als Material für einen Nockpunkt kann man spezielle Klammern aus Messing verwenden. Die bringt man mit Hilfe einer Zange an. Aber es gibt ganz unterschiedliche Möglichkeiten. Man kann zum Beispiel mit Hilfe von Sehnen-Garn einen Nockpunkt durch mehrfache Umwicklung der Sehne an der richtigen Stelle erarbeiten.
Für die Bestimmung der Höhe des Nockpunktes gibt es die Checker. Das sind T-förmige Messstäbe speziell für den Bogensport. Einen solchen Checker legt man im rechten Winkel so an der Sehne an, dass er gegenüber auf der Pfeilauflage aufliegt.
Den Nockpunkt setzt man dann je nach verwendeter Nocke zwischen 9 bis 12 mm oberhalb des vom Checker angezeigten Mittelpunktes an. Das kann man dann auch genau ablesen. Viele Schützen bringen auch eine kleine Markierung an. Dann sieht man sofort, falls sich der Nockpunkt auf der Sehne verschieben sollte.
Wenn man mit der Sehne ein Turnier schießen will, gelten jedoch Einschränkungen. Gerade wenn man selbst Hand anlegt, sollte man sich vorher mit dem Regelwerk der jeweiligen Klasse vertraut machen.
Die Sehne ist die lange Schnur, die man von einem Bogenschaftende zum anderen spannt. Die Sehne braucht man um Energie in einem Bogen aufzubauen und um diese Energie dann auf einen Pfeil zu übertragen.
Darüber hinaus bringt man an einer Bogensehne auch mindestens einen Nockpunkt an. Das ist eine Verdickung an der Sehne, die helfen soll, Pfeile immer gleich einzulegen. Sonst würde es zu einer Streuung im Trefferbild kommen.
Eine Sehne verfügt zum Aufspannen an beiden Enden über Schlaufen. Dabei wird traditionell die Schlaufe für das obere Ende etwas größer gehalten als die Schlaufe für das untere Ende. Wenn man die Bogensehne nämlich falsch herum aufspannt, dann liegt auch der Nockpunkt falsch.