Jeden Tag das Gewicht von 100 Eiffeltürmen

Auf einem UN-Gipfel wird kommende Woche über ein Abkommen zur Plastikreduktion beraten. Das ist bitter nötig, zeigt ein aktueller Bericht der OECD: Die Müllflut ist ungebrochen.

Es soll der wichtigste Umweltpakt seit dem Pariser Klimaabkommen werden: Mehr als 100 Staaten wollen ab kommenden Montag darüber beraten, wie sich der weltweiten Plastikverschmutzung ein Ende setzen lässt. Schauplatz der Verhandlungen ist die UN-Umweltversammlung UNEA, die vom 28. Februar bis zum 2. März in Nairobi stattfindet. Mehr als ein Anfang vom Ende ist allerdings nicht zu erwarten: Die Verhandlungen werden wohl Jahre dauern.

Dabei könnte das Problem kaum drängender sein. Die Welt ertrinkt in Plastik, und eine Wende zum Besseren zeichnet sich nicht ab. Das ist kurz gefasst das Ergebnis eines 200 Seiten starken Reports, den die Industriestaatenorganisation OECD heute eine Woche vor Konferenzbeginn vorlegt. Es ist eine der bislang umfassendsten Analysen zum Thema.

Dem Bericht zufolge hat sich die Produktion von Plastik seit den 1950er Jahren um das 230-Fache erhöht. Dabei ist der Plastikboom ungebrochen, ein Abflauen oder gar ein Rückgang zeichnet sich nicht ab. Das liege vor allem daran, dass es nicht gelinge, die hergestellten Kunststoffe in ausreichenden Mengen zu recyceln, heißt es im Bericht. »Alles andere als zirkulär« nennt der Koordinator der Studie Shardul Agrawala die weltweite Plastikwirtschaft.

Kein Rückgang in Sicht

234 Millionen Tonnen Plastik wurden noch im Jahr 2000 produziert. Zwei Jahrzehnte später ist es fast doppelt so viel: 2019 waren es 460 Millionen Tonnen. Rechnet man das auf den Einzelnen herunter, verbraucht ein Mensch in den entwickelten Ländern jedes Jahr 156 Kilogramm Plastik. In den weniger entwickelten Ländern sind es 39 Kilogramm.

Wo viel produziert wird, wird viel weggeworfen. Genauer: Mehr als doppelt so viel wie im Jahr 2000 oder aktuell mehr als 353 Millionen Tonnen, ergab die OECD-Studie. Zur Veranschaulichung drückt es der Experte der in Paris ansässigen Organisation in »Eiffeltürmen« aus: Tag für Tag lande Plastik im Gewicht von knapp 100 Eiffeltürmen im Müll. »Für das Gesamtjahr 2019 entspricht das einem Gewicht von 35 000 Eiffeltürmen.« Nur neun Prozent davon gelangen ins Recycling.

Diese Recyclingquote ist erstaunlicherweise in den knapp 40 OECD-Staaten nicht höher als in den Entwicklungsländern. Unterschiede gibt es vor allem in den anderen Arten der Müllbehandlung. In den weniger entwickelten Ländern ist der Anteil des wild entsorgten Mülls dagegen deutlich höher. In Afrika werden sogar weit mehr als die Hälfte aller Plastikabfälle »nicht sachgemäß entsorgt«.