Kleidung der Gotik

In der Gotik wurde die Kleidung zunehmend aufwändiger. Allerdings ist auch diese Aussage durchaus systembedingt kritisch zu betrachten, denn erst ab der Zeit der Hochgotik und Spätgotik existieren detaillierte, realistische Bildnisse der Kleidung. Die Moden der Früh-, Hoch- und Spätgotik unterscheiden sich sehr wesentlich voneinander. Es ist daher schwer, kurze, generalisierende Aussagen über die gesamte Gotik hinweg zu treffen.

Zu Beginn der Frühgotik im 13. Jahrhundert nähert sich die männliche Mode der weiblichen stark an. Beide Geschlechter tragen lange Oberbekleidung in Form einer sogenannten Cotte. Es überwiegt anfangs anscheinend eine wenig körperbetonte Mode, die im Wesentlichen hoch aufragende, schlanke Körper zeigt – eine Gemeinsamkeit mit der gotischen Architektur.

Gegen Ende des 13. Jahrhunderts und im 14. Jahrhundert nimmt die Formenvielfalt wesentlich zu und es kommt auch wieder zu teilweise extremen Herausstellungen der Körperbetonung und zu Detailversessenheiten wie bspw. der Knopfmode oder den extrem langen Zipfeln an der sogenannten Gugel. Die folgenden Kleidungsbeschreibungen betreffen eher die Hoch- und Spätgotik.

Kleidung des Mannes in der Gotik

Der Mann trug ein fußfreies Unter- und Überkleid. Der Rock reichte bis zu den Knien und wurde am Saum bisweilen geschlitzt. Über dem langärmligen Unterrock wurde die Suckenie (ein ärmelloser Überrock) getragen. Dazu gab es eine leinene Unterhose und enganliegende oberschenkellange Strümpfe.

Wegen möglicher Verwechslung mit dem modernen Hosenbegriff hat sich heute der Begriff Beinlinge eingebürgert. Später entwickelte sich das Unterkleid zu einem kurzen engen Rock mit Stehkragen und reich gefaltetem Rücken, auch Schecke genannt. Diese wurde vorne aufgeschnitten und mit Knöpfen oder Bändern wieder geschlossen. Manchmal blickte darunter das Hemd hindurch, welches aus feinstem Leinen gemacht wurde und in lauter kleine Falten gelegt wurde.

Darüber trug man einen weiten, mantelartigen Umhang, die Houppelande, Heuke oder ein kurzes, kaum bis zum Gesäß reichendes Mäntelchen.

Als Kopfbedeckung setzte man eine Gugelhaube auf, eine kragenartige Kapuze mit langem Zipfel. Als Schuhe trug man Wendeschuhe, die wie auch bei anderer Kleidung üblich auf Links genäht und dann umgestülpt wurden, so dass die Naht innen liegt. Eine besondere Form waren die Schnabelschuhe, auch Poulines genannt, die sehr lange Spitzen aufwiesen und im 14. und 15. Jhd. aufkamen. Aber auch mit Sohlen benähte Beinlinge wurden getragen. Das Haar wurde offen und gelockt auf der Schulter hängend getragen. Später war es nur noch halblang und über dem Gesicht kurz. Aber auch vielerlei Kopfbedeckungen waren üblich. Sehr verbreitet war eine einfache leinene Bundhaube. Das Gesicht war entweder glattrasiert oder mit einem Vollbart bedeckt, der langsam wieder in Mode kam.

Der Schmuck des Mannes bestand aus einem Fürspan auf dem Überrock und prunkvollen Gürteln mit Taschen, den Dusings.

Kleidung der Frau in der Gotik

Die Frauen trugen genau wie die Männer ein fußlanges und langärmliges Unterkleid, die Cotte, das meist aus Leinen oder Seide genäht wurde. Darüber wurde ein loses, langes, später ärmelloses Überkleid, der Surcot, gezogen, das mit einer Schleppe versehen war.

Die burgundische Mode war körpereng, mit weitem schleppenden Rock und einem enganliegenden Mieder, das vorn über dem Hemd zusammengeschnürt wurde. Unter dem tiefen Ausschnitt trug man einen Gürtel. Als Kopfbedeckung trugen die verheirateten Frauen immer noch das Gebende oder die Rise, ein gefaltetes Kopftuch. Besonders in Burgund war der Hennin verbreitet, eine kegelförmige Haube, die oft einen Meter hoch war und mit Schleiern versehen wurde. Junge Frauen trugen oft Reifenblumen oder Bänderkränze. Als Schuhe verwendeten die Frauen ebenfalls Wendeschuhe.