I. DIE GESCHICHTE DER TÄTOWIERUNG

  • Wie alt ist die Tätowierkunst?
  • Wie verbreitet war das Tätowieren?
  • Wie wurde tätowiert?
  • Aus welchen Gründen wurde tätowiert?
  • Was versteht man unter der sogenannten “Tätowier-Renaissance”?

III. FRAGEN ZUR TECHNIK

  • Gibt es Körperstellen, die man nicht tätowieren kann?
  • Ist Tätowieren schmerzhaft?
  • Kann man Tätowierungen wieder entfernen lassen?
  • Gibt es Farben, die von selbst wieder verschwinden? Wie lange bleiben die Farben schön?
  • Kann man eine Tätowierung auffrischen?
  • Welche Möglichkeiten gibt es, wenn einem die Tätowierung nicht oder
  • nicht mehr gefällt?
  • Wie viele verschiedene Farben gibt es?
  • Kann man Menschen mit sehr dunkler Haut tätowieren?
  • Muß ein Tattoo schwarze Außenlinien besitzen?
  • Kann man über Narben, Schürf- oder Brandwunden tätowieren?
  • Wie lange dauert es, bis eine Tätowierung fertiggestellt ist?
  • Was sind die beliebtesten Körperstellen für ein Tattoo?
  • Gibt es typisch männliche oder weibliche Motive?
  • Worauf muß man achten, damit die Tätowierung gut verheilt?

Wie alt ist die Tätowierkunst?

Das Tätowieren ist so alt wie die Menschheit.
Der Körper war für den Menschen der erste “Gegenstand”, den er bearbeiten
bzw. verschönern konnte. Schon kleine Kinder lieben es, sich selbst oder
andere zu bemalen.
Archäologen fanden Tätowiervorlagen aus dem Jahre 12.000 vor Christus,
die ältesten, die der Wissenschaft bis heute bekannt wurden.
Wie verbreitet war das Tätowieren?
In unzähligen bekannten Kulturen wurde in der einen oder anderen Form
tätowiert.
Einige benutzten schon Farben, die sie aus den verschiedensten Pflanzen
herstellten. Dunkelhäutige, bei denen die Farben durch die körpereigenen
intensiven Pigmente nicht zur Geltung kamen, verwendeten Ruß und Asche
oder Kohle.
Viele Völker, besonders dunkelhäutige, bearbeiteten die Haut in der Form,
daß Narben entstanden. In diese offenen Hautstellen rieben sie dann das
Material, also Planzensäfte, spezielle Pulver, Asche oder Kohle. Dadurch
heilte die Wunde langsamer und blieb heller als die übrige Haut. Oft wurden
Narben mehrfach “operiert”, um die gewünschte Wirkung zu erzielen.

Wie wurde tätowiert?
Man benutzte immer eine Art Nadel, die aus den unterschiedlichsten
Materialien stammen konnte. In Neuseeland waren Haifischzähne das
geeignete Werkzeug. Auch kleine Messer wurden gefunden.
An der Art der Ausführung hat sich bis heute nichts Wesentliches geändert.
Entweder tauchte man das Instrument direkt in die Farbe und danach in die
Haut oder setzte einzelne Stiche oder Schnitte an der zu tätowierenden
Körperstelle, die dann mit Farbe bestrichen wurden.
In den asiatischen Ländern wird heute noch oft traditionell mit kleinen
Bambusstöckchen gestochen, während sich im Westen die effektivere und
wohl auch mit weniger Schmerz verbundene Tätowiermaschine durchgesetzt hat.

Aus welchen Gründen wurde tätowiert?
Bei den Urvölkern galt die Tätowierung bzw. Körperbemalung als
Verschönerungsmittel und zur Anziehung des anderen Geschlechts.
Vielfach war eine Tätowierung sogar Voraussetzung für eine in der
Stammesgemeinschaft anerkannte Ehe.
Einzelne Lebensabschnitte, wie Pubertät, Geschlechtsreife oder eben auch
als Zeichen der Verheiratung wurden durch Tätowierungen zum Ausdruck
gebracht. Weit verbreitet war auch die Tätowierung einer Frau nach dem
Tode ihres Ehemannes, um sie als Witwe erkennbar darzustellen.

Als Zeichen einer Stammeszugehörigkeit oder als Rangabzeichen fand man
ebenfalls Tätowierungen, meist in geometrischen Formen, als Muster,
Zeichen oder als Figuren, wobei letztere sogar bereits schattiert waren.
In vielen Völkern werden bestimmte Motive noch heute als äußeres Zeichen
einer bestandenen “Prüfung”, der Stammzugehörigkeit oder des Ranges
innerhalb der Gemeinschaft tätowiert.
Bei einigen Stämmen dagegen haben die Tätowierungen heutzutage ihren
ursprünglichen Sinn verloren.
Interessant ist in diesem Zusammenhang auch, dass Tätowierungen auf allen
Kontinenten mit Ausnahme von Europa nie mit Kleidung verdeckt, sondern
stets zur Schau gestellt wurden.
Im Norden Asiens und Amerikas setzte man sogenannte
“Heiltätowierungen” ein, die das Wohlbefinden der Tätowierten
beeinflußten, z. B. durch ein bestimmtes Amulett oder einen Talisman.
Möglicherweise enthielt die dabei verwendete Farbe medizinische
Heilstoffe. Man schrieb jeder Farbe eine bestimmte Wirkung zu, so hätte
z. B. Rot Kraft bei der Lösung von Problemen gegeben.
Wie ein Schutzgeist sollten besondere Tätowierungen in bedrohlichen
Lebenslagen über den Betreffenden wachen.
Blutige Narben funktionierten ähnlich wie ein Aderlaß: das “schlechte” Blut floß aus dem Körper.

Auch schmerzende Stellen wurden mit Farbtattoos versehen, dabei
beeinflußte man Nervenbahnen ähnlich wie bei der Akupunktur. In manchen
Völkern vertrieb man damit sogar Rheuma. Handgelenkstätowierungen
fallen dabei besonders häufig auf.

Was versteht man unter der sogenannten “Tätowier-Renaissance”?
Angeblich berufen sich die Statistiker auf die seit den 60er Jahren
zunehmende Zahl der tätowierten Frauen. Auch die Tatsache, dass viele ihr
Idol aus Film oder Fernsehen gerne “hautnah” bei sich tragen, d. h. sich ein
Portrait eines Filmschauspielers tätowieren lassen, zählt man dazu.
Für viele erstklassige Artisten eines berühmten Zirkus´ war es sogar ein
“Muss”, eine Tätowierung zu besitzen, erst dann galten sie als die Besten.

Gibt es Körperstellen, die man nicht tätowieren kann?
Außer Zähnen und Haaren eigentlich nicht. Aber bestimmte Stellen sind
nicht zu empfehlen, wie z. B. die Fußsohle, an der die Haut sehr stabil ist und viele Nerven sitzen.
Profis tätowieren üblicherweise nicht im Gesicht, am Hals oder an den
Händen. Das ist eine Überzeugungssache, auch eine ästhetische Frage, und
hat nichts mit Können oder Gefährlichkeit zu tun.

Ist Tätowieren schmerzhaft?
Ich würde nicht behaupten, dass man nichts spürt, aber die meisten neuen
Kunden sind nach ihrer ersten Tätowierung angenehm überrascht. Das
Gefühl sollte man sich so vorstellen, als wenn man mit einem
eingetrockneten Kugelschreiber fest über die Haut fährt.
Allerdings spielt auch in diesem Punkt der Tätowierer eine tragende Rolle.
Ein Profi nimmt sich Zeit und sticht so vorsichtig wie möglich, anderen sind
die Gefühle des Kunden ziemlich egal. Es gibt auch große Unterschiede bei
den Maschinen, sowohl im Preis als auch im Bezug auf die Leistung!

Kann man Tätowierungen wieder entfernen lassen?
Ja und Nein. Es ist möglich, Tätowierung zu entfernen. Während früher
durch Hautverpflanzungen, Verätzungen oder Abschabungen große,
unansehnliche Narben zurückblieben, hat sich heute die Lasertechnik
durchgesetzt, mit der eine vollständige Entfernung erreicht werden kann.
Dafür gibt es spezielle Laser-Institute, aber auch Dermatologen schließen
sich vermehrt diesem Verfahren an.

Die Gefahr dabei ist, dass bei dieser Aufspaltung der Farbe in ihre
Einzelbestandteile Stoffe frei werden, welche dann durch die Lymphbahnen
abtransportiert werden. Die Folgen sind noch nicht abzusehen.
Ich möchte nochmals betonen, dass die Farbe eines Profis für die Haut
weder giftig noch gefährlich ist, solange sie nicht durch den Laser zerstört
wird.

Gibt es Farben, die von selbst wieder verschwinden?
Nein, das ist absolut unmöglich. Da es in den Medien von Anbietern nur so
wimmelt, werden wir täglich mit einer Unmenge von Fragen zu diesem
Thema konfrontiert. Egal, mit welchen Farben oder in welche Hautschicht
gestochen wird: Was nach der Abheilungsphase übrig bleibt, verschwindet
auch nicht nach drei, fünf oder zehn Jahren, wie behauptet wird. Man muss
nur einmal logisch denken: Was sollte den Körper veranlassen, eine Farbe
nach einer bestimmten Zeit wie durch Zauberei abzustoßen? Wie würde die
Tätowierung in der Zeit der “Auflösung” aussehen?
Was die Hautschichten betrifft, kann ich nur sagen, dass eine Tätowierung in
den oberen Schichten genauso haltbar ist wie eine tiefer gestochene.
Sämtliche Schatten werden nämlich so gearbeitet, und meine Stammkunden
würden sich sicher bedanken, wenn die Hälfte ihres Bildes nach einer
gewissen Zeit wieder verschwinden würde!
Auch das Argument, es würden rein pflanzliche, sog. “Bio-Farben”,
verwendet, ist nicht tragbar. Auch wir verwenden ausschließlich pflanzliche
und mineralische Farben. Der Begriff “Bio” ist leider nicht rechtlich definiert.
Wir mussten uns wegen unserer Ehrlichkeit schon von Kunden beschimpfen
lassen, da sie es doch im Fernsehen/in Zeitschriften etc. gesehen hatten!
Viele zeigten uns sogar persönlich ihre Errungenschaften, wobei man auf
den ersten Blick erkennen konnte, dass es sich um minderwertiges Material
gehandelt hatte, das innerhalb der ersten zwei Wochen abgestoßen wurde.
Der Rest -sofern er nicht kurz darauf herauseitert- verbleibt garantiert.

Wie lange bleiben die Farben schön?
Wenn man die Tätowierung in der Phase der Abheilung richtig behandelt,
halten die Farben ein Leben lang. Allerdings gilt das nur für ausgewählt gute
Farben, wie Profis sie verwenden. Manche Künstler benutzen billiges
Material, das schon nach kurzer Zeit verblaßt (aber nicht verschwindet!)
oder fleckig abheilt.
Ich möchte dazu noch anmerken, dass bei einer starken Gewichtszunahme
auch die Tätowierung “mitwächst” und durch die Dehnung der Haut blasser
aussieht. Deshalb sollte man eine Körperstelle wählen, die sich im Falle
einer Zu- oder Abnahme nicht so stark verformt.
Noch ein Wort zu stark gebräunter Haut: Die Tätowierfarbe befindet sich in
der Haut. Das bedeutet, dass eine helle Tätowierfarbe wie z. B. Gelb durch
die darüberliegenden dunklen Hautpigmente “verdeckt” wird. Wenn die
Haut wieder heller wird, z.B. im Winter, kommt das Gelb besser zum
Vorschein.

Kann man eine Tätowierung auffrischen?
Ja, das ist normalerweise kein Problem. Man kann die Farben nachstechen
oder oft auch die Kontur korrigieren. Ich überarbeitete sogar schon alte
Matrosentätowierungen, die teilweise über 40 Jahre bestanden.
Nur ist es nicht möglich, eine dunkle Farbe durch eine hellere zu ersetzen.
Die Farben reagieren wie bei einem Aquarellbild.
Auch wenn eine Tätowierung nicht optimal abheilte oder nicht professionell
gestochen wurde, kann man in den meisten Fällen das Ergebnis verbessern.
Manchmal ist es allerdings zu spät. Deshalb rate ich nochmals dringend zu
einer gewissenhaften Auswahl des Tätowierers, um Zeit, Geld und Ärger zu
sparen!

Welche Möglichkeiten gibt es, wenn einem die Tätowierung nicht oder
nicht mehr gefällt?
Zum einen kann man eine Tätowierung mit einer anderen überdecken, also
“covern”, wobei die Überdeckung in jedem Fall größer werden muss als die
bisherige Tätowierung. Die Technik liegt nicht jedem Tätowierer, vor allem
viele Anfänger haben damit Probleme, weil sie von der irrigen Annahme ausgehen, dass auch eine hellere Farbe zum Überdecken geeignet ist. Aber
schon nach der Abheilung folgt das böse Erwachen und das alte Bild kommt
wieder zum Vorschein.
Besonders gut eignen sich Motive, in denen ein Teil dunkler schattiert
werden kann. Bei einem Indianerkopf beispielsweise sind die Haare
üblicherweise schwarz, so daß diese einiges abdecken. Auch Adler,
Wolfsköpfe und viele Tiermotive sind meist zu verwenden.

Wie viele verschiedene Farben gibt es?
Das ganze breite Farbenspektrum ist vorhanden. Ein professioneller
Tätowierer weiß durch seine langjährige Erfahrung, wie sich jede seiner
Farben auf der Haut entwickelt und kann so abwägen, welchen Farbton er
für den betreffenden Kunden verwendet. Man darf nicht vergessen, dass jede
Haut unterschiedlich ist und deshalb ein- und dieselbe Farbe bei zwei
Kunden völlig verschieden wirken kann.
Ich selbst habe viele neue Farben zuerst an mir getestet, und so beziehe ich
von jedem meiner Händler meist nur eine oder zwei Farben, die wirklich gut sind.
Die Bestellung gestaltet sich dann zwar zeitaufwändiger, aber das Ergebnis
ist es mir wert.

Kann man Menschen mit sehr dunkler Haut tätowieren?
Grundsätzlich kann man jede Haut tätowieren. Allerdings kommen helle
Farben wie Weiß, Gelb und Orange bei dunklerer Haut nicht zur Geltung, da
die Pigmente dieser Haut stärker sind als die der Farben. Deshalb ist auch die
Annahme, dass man einen Dunkelhäutigen mit weißer Farbe tätowieren
könnte, falsch.
Viele Tätowierte haben sicher schon einmal festgestellt, dass ihre eigenen
Farben schwächer aussehen, wenn die Haut stark gebräunt ist, z. B. nach
dem Sommerurlaub. Sobald die Bräune wieder nachläßt, erscheinen die
Farben leuchtender. Ich empfehle den Sonnenanbetern unter meinen
Kunden, bei längerer Bestrahlung lieber einen Sunblocker auf die
Tätowierungen zu geben. Damit erreicht man eine dauerhafte Leuchtkraft
der Farben trotz Körperbräune.

Muß ein Tattoo schwarze Außenlinien besitzen?
Es ist kein Muß, aber bei den meisten Motiven sieht eine schwarze Kontur
besser aus, weil das Bild klarer wird.
Ich persönlich ziehe die feinstmögliche Kontur.
Es gibt auch eine Technik, bei der eine “Kontur” durch verschiedene
Schatten entsteht. Sie eignet sich besonders für Portraits und Blumen. Bei Hintergrundmotiven in der dritten Dimension verwende ich oftmals eine
von mir entwickelte Schattentechnik ohne Konturen, die bisher alle Kunden
begeisterte. Mit dieser Technik ist es möglich, selbst einfache, bereits
vorhandene Bilder zu einem Kunstwerk zu vollenden.

Kann man über Narben, Schürf- oder Brandwunden tätowieren?
In diesem Punkt muß man unterscheiden. Auf keinen Fall darf man in
wunder Haut tätowieren. Erst wenn eine Verletzung völlig abgeheilt ist und
man davon ausgehen kann, dass sich die Haut nicht mehr verändert, kann an
dieser Stelle tätowiert werden.
Das sind jedoch Erfahrungswerte, die man sich nicht von heute auf morgen
aneignen kann und auf keinen Fall am Kunden ausprobieren sollte. Ich selbst
habe Kontakt zu Hautärzten, die ich in Zweifelsfällen zu Rate ziehen kann.
Im Gegenzug wurde ich von Ärzten um Rat gefragt. Dabei ging es unter
anderem um ein Problem von Krebspatientinnen nach einer
Brustamputation, nämlich der fehlenden Brustwarze trotz Nachoperation.
In einigen Fällen konnte eine Tätowierung helfen, die täuschend echt wirkte.
Es würde zu weit führen, in diesem Buch sämtliche Narben aufzuführen.
Einige Narben kann man durch eine geeignete Tätowierung verschwinden
lassen. Aber das sollte, wie schon erwähnt, nicht von einem Unerfahrenen
durchgeführt werden. Vor allen Dingen muss die Narbe abgeheilt sein, d. h.
sie darf sich schon seit langer Zeit nicht mehr verändert haben. Andernfalls
würde sich die Tätowierung zur Unkenntlichkeit verzerren.

Wie lange dauert es, bis eine Tätowierung fertiggestellt ist?
Das kommt vor allem auf das jeweilige Motiv an. Kleinere Bilder können
auf einmal gestochen werden, während bei großen Motiven oder
sogenannten “Teilkörper-Anzügen” (z. B. ganzer Brustbereich) in der Regel
mehrere Sitzungen erforderlich sind.
Dazwischen muss die Tätowierung immer vollständig abheilen. Das dauert
normalerweise ca. 10 bis 14 Tage. Ein Vorteil liegt auch darin, daß ich beim
nächsten Termin nachsehen kann, ob alles in Ordnung ist oder noch etwas
verbessert werden kann.
Auch die Beschaffenheit der Haut spielt eine Rolle. Ein Profi ist in der Lage,
sich auf jede Haut einzustellen und sollte wissen, wie schnell oder langsam
er stechen kann, um das bestmögliche Ergebnis zu erzielen und es für den
Kunden so angenehm wie möglich zu machen.

Was sind die beliebtesten Körperstellen für ein Tattoo?
Männer lassen sich meistens am Oberarm oder Schulterblatt tätowieren, oft
auch auf der Brust oder am Unterarm. Ab und zu möchte ein Kunde auch ein
Tattoo am Gesäß, in der Leiste, an der Wade oder dem Oberschenkel.
Bei den Frauen führt das Schulterblatt vor dem Dekollete´, der unteren Wade (oberhalb des Knöchels) und dem Gesäß. Oft wird auch in der Leiste
tätowiert oder am Bauchnabel, wobei zu beachten ist, daß sich der weibliche
Körper im Falle einer Schwangerschaft stark verformt und das Bild durch
Geweberisse verlaufen oder auch reißen kann.
Sehr begehrt sind bei Frauen immer noch sogenannte “Steißbein-Tattoos”
oberhalb der Po-Backen, wodurch die Anatomie des Körpers betont wird.
Für Frauen mit größerer Brust ist es ratsam, bei der Auswahl des Motives die
Erfahrung des Tätowierers zu nutzen. Gerade in diesem Körperbereich kann
sich die Tätowierung krass verzerren. Spaßeshalber empfehle ich meist einen
Pinguin, der sich in ein paar Jahren zum Aal verwandeln wird. Darüber
lachen zwar alle gerne, aber so abwegig ist es nicht.
Vor allem kleine Figuren, Tierchen oder symmetrische Zeichen verändern
sich an dieser Stelle bis zur Unkenntlichkeit. Blumen beispielsweise wären
sinnvoller. Sollte ein Blatt oder eine Blüte sich in die Länge oder Breite
ausdehnen, würde das am Gesamtbild im Regelfall nichts verschlechtern.
Nur selten lassen sich Frauen an offensichtlichen Stellen, wie z. B. dem
Unterarm, tätowieren.

Gibt es typisch männliche oder weibliche Motive?
Es bleibt jedem selbst überlassen, für welches Motiv man sich entscheidet.
Es gibt Männer, die ein schlafendes Löwenbaby aussuchen, und genauso
kommen Frauen, die einen Wikinger tätowiert haben möchten. Das muß jeder für sich entscheiden.
Von typisch männlich oder weiblich kann man heutzutage nicht mehr
sprechen.

Worauf muß man achten, damit die Tätowierung gut verheilt?
Im Studio wird die Tätowierung noch nachbehandelt, d.h. nochmals
gereinigt und getrocknet. Danach sollte die Stelle trocken gehalten bzw. am
selben Tag einige Male mit Küchentüchern trocken gewischt werden. Es
bildet sich ein leichter Schorf, der verhindert, dass sich Schmutz oder
Bakterien einnisten können. Vom Eincremen halte ich erfahrungsgemäß
nichts mehr, da der Schorf durch das ständige Befeuchten nur noch dicker
wird und Farbe mitzieht.
Bei richtiger Behandlung bildet sich kein dicker Schorf, sondern am Ende
der Abheilphase löst sich eine dünne Hautschicht wie etwa nach einem
Sonnenbrand. Bis zu diesem Zeitpunkt sollte man kein Wasser an die
Tätowierung bringen – und die Finger davon lassen, auch wenn es juckt.
Wichtig ist außerdem, dass man in dieser Zeit glatte Kleidung trägt, da sich
Wollflusen oder “Fussel”, wie z. B. von einem flauschigen Sweatshirt, in der
Tätowierung festsetzen können. In diesem Fall würde die Stelle zu eitern
beginnen und das Bild wiederum fleckig werden. Auch auf die Bettwäsche
achten!
In den ersten 14 Tagen sollte man den tätowierten Bereich vor Sonnenbrand (nicht vor Sonne generell) schützen und auf Solariumbestrahlung verzichten.
Ich empfehle, generell im ersten Jahr einen Sunblocker aufzutragen, bevor
man ein Sonnenbad nimmt, damit die Farben geschont werden.
Die weitverbreitete Meinung, eine frische Tätowierung in den ersten Tagen
durch eine Plastikfolie schützen zu müssen, ist nach Ansicht von Hautärzten
Unsinn. Der zwischen Folie und Haut entstehende Wärmestau ergibt
zusammen mit der Feuchtigkeit einen idealen Nährboden für Bakterien aller
Art, die das Abheilen sicher nicht beschleunigen! Ganz im Gegenteil können
sich Entzündungen bilden. Durch das “Schwitzen” der Wunde, die sich nicht
richtig schließen kann, ist es möglich, daß größere Teile des Bildes
“herauseitern”.
Ein Grund, weshalb viele Tätowierer es trotzdem empfehlen –
auffallenderweise gerade auf sogenannten “Conventions”, also
Veranstaltungen, bei denen tätowiert wird – liegt wohl eher darin, dass das
glänzende Bild unter der Folie besser aussieht, als ein durch einen Verband
verdecktes.
Würden Sie eine Brandwunde oder generell eine Verletzung mit Plastikfolie zukleben?

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