Kulturelles Geschichtliches Zeitalter – Wie alles begann

Rohstoff

Konstruktionswerkstoffe aus nachwachsenden Rohstoffen (BioVerbunde)

Angesichts immer knapper werdender Ressourcen und zunehmender Umweltbelastungen
müssen über Energieeinspareffekte durch Leichtbauweisen hinaus zunehmend
auch Aspekte der Rohstoffgewinnung und stofflichen Verwertung nach dem Ende von
Produktlebenszeiten betrachtet werden. Bei der Verwendung konventioneller Kunststoffe
und Faserverbunde auf petrochemischer Basis sind Produktion, Nutzung und
Entsorgung unter dem Gesichtspunkt der Umweltverträglichkeit oftmals sehr problematisch
und mit erheblichem technischen Aufwand verbunden.
Einen Lösungsansatz bieten hier Konstruktionswerkstoffe aus nachwachsenden Rohstoffen.
Dabei handelt es sich um Pflanzenfasern wie z. B. Flachs, Hanf, Jute oder Ramie
(Zellulosefasern), die in biopolymere Matrizes, z. B. Zellulose-, Stärke-, Schellackderivate
oder pflanzenölbasierte Harze eingebettet werden. Solche Faserverbunde
können nach ihrer Nutzungsdauer durch CO2-neutrale thermische Verwertung oder u.
U. durch Kompostierung und durch klassisches Recycling umweltverträglich im Stoffkreislauf
geführt werden.

Es wird erwartet, dass sich in naher Zukunft die Marktakzeptanz deutlich durch die Einführung der ersten Produkte aus BioVerbund erhöhen wird und neue Märkterschlossen werden können.

Dünger

Die niederländische Viehwirtschaft hat eine lange Tradition und ihre Produkte werden in alle Welt exportiert. Wirtschaftsdünger ist ein wertvolles Nebenprodukt der Viehwirtschaft, das Pflanzen mit Nährstoffen versorgt, den Boden mit organischem Material anreichert und eine bedeutende Rolle in der reislaufwirtschaft spielt. Eine optimierte Nutzung des Düngers ist somit ein wesentliches Element in dem Bestreben, die Ernährung der Weltbevölkerung durch höhere Erträge bei geringerem Rohstoffverbrauch zu sichern. Angesichts ihres hohen Viehbesatzes haben die Niederlande wirksame Mechanismen für die umweltgerechte Verarbeitung und Ausbringung von Dünger entwickelt. Die Umweltqualität wird durch strenge Normen für die Nutzung von Wirtschafts- und Kunstdünger garantiert. Darüber hinaus sind seit 2014 alle Landwirte verpflichtet, Düngerüberschüsse einer geeigneten Verarbeitung zuzuführen. Dadurch wird der Umfang
der Transporte – voraussichtlich vor allem von hochwertigem Wirtschaftsdünger – in Regionen zunehmen, in denen der Bedarf durch die lokale Produktion nicht gedeckt wird. Ergänzend untersucht der Agrarsektor die Möglichkeiten zur Gülleveredelung, um innovative Produkte herstellen zu können, die zu einer biobasierten Wirtschaft und zu einem ressourceneffizienteren Europa beitragen können. In der vorliegenden Broschüre wird der niederländische Ansatz einer nachhaltigen und produktiven Nutzung von Dünger erläutert. 

Die Düngung von Nutzpflanzen trägt in hohem Maße zu unserer Nahrungsmittelversorgung bei und ist schon seit Jahrhunderten eine wichtige Grundlage
des niederländischen Ackerbaus. Unter dem Aspekt des Umweltschutzes haftet dem Tierdung seit einigen Jahrzehnten jedoch ein schlechter Ruf an, und sein
Einsatz wurde zur Eindämmung der negativen Auswirkungen durch zahlreiche Vorschriften beschränkt. Die Beteiligten sollten eine Situation anstreben – und
erreichen –, in der Dünger wieder als wertvoller Rohstoff betrachtet wird. Neben einer optimalen Nutzung des Düngers bei möglichst geringem Nährstoffverlust kann hierzu auch die Gülleseparation und – veredelung einen wesentlichen Beitrag leisten. Innovative Verfahren, die die Nutzung spezifischer Komponenten des Düngers ermöglichen (z. B. bioaktive Substanzen, Farbstoffe und Spurenelemente) können ebenfalls zur Verbesserung der Situation beitragen. 

Seit Jahrhunderten dient Tierdung als wertvoller Nährstoff für Pflanzen, zur Verbesserung der Bodenbeschaffenheit, als Energiequelle und als Lieferant zahlreicher wertvoller Rohstoffe. Für lange Zeit war Tierdung, kombiniert mit pflanzlichen Haushaltsabfällen, die einzige Nährstoffquelle für die Landwirtschaft. Der angemessene Einsatz von Naturdüngern war bis zur Entwicklung von Mineraldüngern für die Nahrungsmittelproduktion unverzichtbar.

Obwohl die Niederlande ein vergleichsweise kleines Land in der EU sind, haben sie einen großen Viehbestand. Infolge ihrer umfangreichen
Futtermittelimporte und des intensiven Einsatzes von Mineraldüngern entstand ein erheblicher Nährstoffüberschuss.
Wenn der große Viehbestand erhalten bleiben soll, muss das Nährstoffgleichgewicht über eine effizientere Tierproduktion und den Export von Nährstoffen (in
Form von Wirtschaftsdünger tierischer Herkunft) wiederhergestellt werden.

Die ersten Siedler

In diesem kurzem Geschichtlichen Abschnitt wird eine bedeutende Entdeckung hervorgehoben, dass nicht nur sämmtliche Pfahlbauten in solche, die der Steinzeit, der Bronzezeit, der Eisenzeit und der sogenannten Übergangszeit von Stein zu Bronze und von der Bronze zum Eisen einzuteilen seien, sondern dass das  Auftreten der Bronze in den Pfahlbauten mit der Einwanderung eines neues von den Ureinwohnern völlig verschiedenen Volkes und die Verbreitung des Eisengerätes wiederum mit dem Wechsel der Bevölkerung zu setzen sei.

Nach der Einteilung gehören der Steinzeit an die Ansiedlungen der östlichen Schweiz, nämlich diejenigen am Boden, Pfäffiker und Moosseedorfsee.

Da in den Niederlassungen am Züricher und Sempacher sowie zu Concise am Neuenburgersee ebenfalls Bronze gefunden wird,

aber in geringer Menge, so sind diese Dörfer in der Übergangszeit von Stein zu Bronze zu setzen.

In die Bronzezeit fallen die Mehrzahl der Niederlassungen des Bieler –  und Neuenburgersee´s sammt denjenigen des Genfersee´s , in diejenige des Überganges von der Bronze zum Eisen oder vielmehr in eine sogenannte Eisenzeit.

( Zu den Pfahlbautbewohnern  in der ersten Eiszeit werden auch die auf dem Meeresstrande wohnenden Allobrigen gezählt )

Die Zustände der Bevölkerung in diesen verschiedenen Perioden werden auf folgende Weise geschildert: 

Die erste Periode

Die erste Periode entbehrt die Kenntnisse der Metalle.

Jagd, Fischfang, Viehzucht und in geringen Masse der Ertrag des Ackerbaues bilden die  Elemente der Subsistenz.

Für anderweitige Bedürfnisse des Lebens werden auch Flachs oder Hanf angebaut.

Mit fremden Ländern besteht ein Tauschverkehr.

Die industrie ist noch sehr primitiv, den die kleinen Steinbeile zeigen noch keine künstliche durchbohrung, die Produkte der Töpferei weder noch die schönen Formen noch die mannigfaltigkeit der verzierungen der späteren Zeit.

Diese erste Periode nimmt durch das Eindringen eines mit Bronzegeräte ausgerüsteten Volkes ein plötzliches Ende.

Die Pfahlbauten werden von diesem verbrannt, die Urbewohner getötet oder in abgelegene Gegenden zurückgedrängt.

Infos zu Pfahlbauten 

weiteres

Die Katastrophe trifft hauptsächlich die Ansiedlungen der Ostschweiz, welche für immer verschwinden auch eine Anzahl von solchen am Ufern der westlichen Seen.

Die Altsteinzeit (ca. 500 000 – 8000 v. Chr.)

Altsteinzeit (griechisch: Paläolithikum) heißt der früheste und längste Abschnitt der Menschheitsgeschichte. In dieser Zeit haben sich Klima und Umweltbedingungen mehrfach radikal verändert. Mindestens vier größere Eiszeiten (Günz, Mindel, Riss und Würm) wechseln mit jeweils einer kürzeren Warmzeit ab. Aus dem Klimawechsel ergaben sich zwangsläufig Veränderungen der Tier- und Pflanzenwelt, von denen der altsteinzeitliche Mensch, der als Jäger und Sammler lebte, weitgehend abhängig war. Als Wohnplätze dienten häufig Felsüberhänge, seltener Höhlen, im Freiland auch Zelte und primitive Hütten. Die Verwendung des Feuers war weitgehend bekannt.

Werkzeuge und Geräte waren fast ausschließlich aus Stein hergestellt. Die ältesten mitteleuropäischen Steinartefakte wurden aus Geröllen gefertigt und erhielten durch Abschläge scharfe Schneiden und funktionsgerechte Gestalt. Schleif- und Bohrtechnik waren noch unbekannt.

Durch gezieltes Zurechtschlagen eines Rohstückes entstand ein sogenanntes „Kerngerät“, welches häufig auf beiden Seiten flächig überarbeitet wurde. Das bekannteste Beispiel eines „Zweiseiters“ stellt der Faustkeil dar. Solche Kerngeräte sind typisch für das ältere Paläolithikum, die Zeit des Homo erectus (bis ca. 300 000 v. Chr.). Im mittleren Paläolithikum, der Zeit des Homo präsapiens und des Neanderthalers (bis ca. 40 000 v. Chr.), wurden die Kernsteine so zugerichtet, daß auch die Abschläge eine gewollte Form erhielten. Durch eine zusätzliche Bearbeitung („Retuschieren“) der Kanten entstanden Schaber, Kratzer, Spitzen u. a. Werkzeugtypen. Das Jungpaläolithikum (bis ca. 8000 v. Chr.) ist durch besonders lange, schmale Abschläge mit paralellen Kanten (Klingen) gekennzeichnet. Nun treten vermehrt auch Gerätschaften aus Knochen und Geweih auf. In dieser Zeit erscheint erstmals die Menschenform, zu der wir selbst uns rechnen: der Homo sapiens.

Die Mittelsteinzeit (8000 – 6000 v. Chr.)

In der mittleren Steinzeit (griech. : Mesolithikum) veränderte sich allmählich mit dem Rückzug der Gletscher der letzten Eiszeit das Klima und damit auch Pflanzen- und Tierwelt in Mitteleuropa.

 Die mesolithischen Kulturen stellen immer noch ein Forschungsproblem dar, es ist recht wenig über sie bekannt. Fest steht, daß Jagd, Fischfang und das Sammeln von Wildpflanzen auch weiterhin die Lebensgrundlage bildeten. Typisch für das Spektrum mesolithischer Steinwerkzeuge sind die „geometrischen“ Mikrolithen, sehr kleine, drei- und viereckige oder kreissegmentförmige Abschläge mit äußerst scharfen Kanten.

Indem man die einzelnen Stücke miteinander kombiniert in Halterungen aus Holz oder Knochen einsetzte, konnte man vielfältige Werkzeugtypen erzeugen. Häufig dienten die Mikrolithen auch als Pfeilspitzen, man verkittete sie unter Verwendung von Pech oder Harz mit dem hölzernen Schaft.

Mit dem Ausgang des Mesolithikums endet in Europa auch die Zeit der Jäger und Sammler. Es scheint jedoch sicher, daß auch im älteren Neolithikum noch Rückzugsgebiete abseits der fruchtbaren Landschaften bestanden, in denen mesolithische Gruppen auf der jägerischen Wirtschaftsstufe verharrten.

Die Jungsteinzeit (ca. 6000 – 1800 v. Chr.)

In der Jungsteinzeit (griechisch: Neolithikum) vollzieht sich ein tiefgreifender Wandel der Ernährungsgrundlage. Im Gegensatz zum Jäger- und Sammlertum alt- und mittelsteinzeitlicher Kulturen bilden nun Ackerbau und Viehzucht die Hauptquellen für die Ernährung einer bäuerlich geprägten, neolithischen Bevölkerung. Diese neue Kultur wird dokumentiert von Sesshaftigkeit und Hausbau, Vorratswirtschaft und neuen Technologien in der Werkzeugherstellung. Erstmals taucht die Keramik auf. Die dörfliche Gemeinschaft wird zur wesentlichen wirtschaftlichen und sozialen Organisationsform.

Der Übergang zur bäuerlichen Lebensweise ist nicht das Ergebnis eigenständiger Entwicklungen in Mitteleuropa. Vielmehr weisen archäologische Indizien auf ein langsames, allmähliches Vordringen der wirtschaftlichen und handwerklichen Kenntnisse aus den frühen Hochkulturen des vorderen Orients über den Balkanraum bis nach Mittel- und Westeuropa hin. Wichtige Indizien für die frühen, Ackerbau treibenden Kulturen sind Töpferei, Weberei und Waffen und Gerätschaften aus geschliffenem Stein.

 Spezifische Keramiken, Geräte und Hausformen sind typisch für verschiedene,  chronologisch und geographisch differenzierbare Kulturgruppen.

Mit Bezug auf die Zustände in der ersten Periode zeigen die Resultate der Forschung, das Getreide in ausgedehnter Weise das Hauptnahrungsmittel bildete, ferner Hanf gar nicht, Flachs dagegen in großes Umfang gepflanzt und mit viel Geschick verarbeitet wurde, dass sie bei so geringen mechanischen Hilfsmitteln die sie besaßen mit ihren Flachsgewebe alle in erstaunen setzten. 

Die Kleidung aus dieser Epoche, kann man sagen bestand aus mehreren lagen Flachsstoff.

Die zweite Periode

Mit dem plötzlichen Auftreten der Bronze – eine Kupferzeit hat Europa nicht gekannt beginnt in der westlichen Schweiz eine neue Ära

Die Bronzezeit (ca. 1800 – 800 v. Chr.)

Bereits die endneolithischen Kulturen, vor allem die Glockenbecherkultur, kannten schon das Kupfer als neuen, leicht formbaren und doch festen Werkstoff, verwendeten es aber noch äußerst selten, hauptsächlich, sicher des goldfarbenen Glanzes wegen, für Schmucksachen und kleine Dolche. Wohl auf Einflüsse aus dem Donauraum geht die Kenntnis der Verarbeitung von Bronze, einer Kupfer – Zinn – Legierung im Idealverhältnis 9 : 1, zurück. Um 1800 v. Chr. veränderte die Bronze die wirtschaftlichen Verhältnisse der vorgeschichtlichen Kulturen Mitteleuropas.

Rohstoffgewinnung, Bronzeherstellung und Guß setzen ein spezialisiertes Handwerk voraus. Der Besitz von Erzgruben und die Kontrolle des Rohstoff und Endprodukthandels erzeugt Abhängigkeitsverhältnisse, die wirtschaftlich bedingt sind. Durch die für die Verarbeitung benötigten Spezialkenntnisse und die dadurch bedingte Arbeitsteilung änderte sich die bäuerliche, auf Selbstversorgung ausgerichtete Gesellschaftsordnung.

In den Bestattungsbräuchen werden soziale Abstufungen erkennbar. In der mittleren Bronzezeit beginnt man, reichen und mächtigen Verstorbenen einen Grabhügel zu errichten und sie mit oft recht prunkvollen Beigaben auszustatten. Diesem Brauch verdankt jene Epoche den Namen „Hügelgräberbronzezeit“ (ca. 1600 – 1200 v. Chr.). In der späten Bronzezeit ändert sich das Totenbrauchtum radikal. Die Toten werden verbrannt und in Urnen auf großen Friedhöfen beigesetzt. Deshalb nennt man die Zeit etwa ab 1200 bis 800 v. Chr. die „Urnenfelderkultur“. Sie leitet bereits in die frühe Eisenzeit über.

Die mannigfaltigen Bronzeprodukte, Schmucksachen, Werkzeuge, Gebrauchsgegenstände und vor allem Waffen, sowie typische Keramikformen ermöglichen eine sehr differenzierte chronologische und geographische Untergliederung der Bronzezeit. Man unterscheidet in Mitteleuropa vier, im nordischen Kreis fünf verschiedene Stufen, die wiederum in sich weiter untergliedert sind. In jeder Periode zeigen sich die verschiedensten lokalen Ausprägungen, vor allem in der Gestaltung von Schmuck, Trachtzubehör und Waffen. Bestimmte Schwert-, Beil- und Lanzenspitzen- formen zeigen hingegen eine allgemeineuropäische Verbreitung und können deshalb als Leitfunde für gewisse Stufen verwendet werden.

Die Urnenfelderzeit (ca. 1200 – 800 v. Chr.)

Die im 13. Jhdt. v. Chr. aufkommende Sitte der Brandbestattung und der Anlage großer Urnenfriedhöfe stellt ein gesamteuropäisches Phänomen dar. Sie erfaßt Europa von Südrußland bis zur französischen Atlantikküste und von Spanien und Italien bis nach Holland. Nur Nord- deutschland und Skandinavien bleiben von dieser Bewegung und ihren Folgen weitgehend unberührt. Die neue Sitte der Brandbestattung überlagert eine Vielzahl bronzezeitlicher Kulturen. Obwohl das Fundbild durchaus nicht einheitlich, sondern durch lokale Ausprägungen bestimmt ist, treten verschiedene Typen von Bronzegerät und Waffen im gesamten Verbreitungsgebiet auffallend einheitlich auf.

Die Bronzen der Urnenfelderzeit sind kompliziert und aufwendig gearbeitet. Guß in verlorener oder in mehrschaliger Form, Treibarbeit, Ziselierung und Punzierung waren allgemein übliche Techniken. Auch Hohl- und Überfanggüsse wurden bereits gefertigt. Erstmals treten in Mitteleuropa auch bronzene Defensivwaffen, Helme, Schilde und Harnische auf. Man deutet sie als Hinterlassenschaft einer kriegerischen Oberschicht, die in ihren Sitten die Lebensgewohnheiten mediterraner Nachbargesellschaften nachahmte. Die Keramik der Urnenfelderkultur ist, obwohl noch immer handgefertigt, wesentlich feiner gearbeitet als ihre Vorgänger. Manchmal sind die Gefäße mit einer dünnen Graphitschicht überzogen und erscheinen so metallisch glänzend. Typisch urnenfelderzeitlich sind die Gefäßfragmente aus Alladorf (Wölfel 1964), sowie die Funde vom Kasendorfer „Prelitz“ und „Flur“. Das „Etagengefäß“ vom „Flur“  bei Kasendorf stellt eine nur in der Oberpfalz, Oberfranken und dem benachbarten Böhmen vorkommende Sonderform dar.

Die Hallstattzeit (ca. 700 – 450 v. Chr.)

Bedingt durch ethnische Veränderungen im Donauraum, Zuwanderung und Überlagerung der urnenfelderzeitlichen Gesellschaft durch fremdstämmige Elemente und veränderte wirtschaftliche Verhältnisse entstand in Mitteleuropa die sogenannte Hallstattkultur. Sie ist nach einem großen Gräberfeld am Hallstätter See im Salzkammergut benannt, wo erstmals Funde aus dieser Epoche beobachtet wurden.

Die Hallstattkultur bringt als wichtigste kulturelle Neuerung das Eisen. Zuerst wird das neue und wertvolle Material nur für Schmucksachen und Verzierungen auf Waffen verwendet, mit der Zeit verdrängt das Eisen jedoch die Bronze als Werkstoff des täglichen Bedarfs immer mehr. Die fortgeschrittene Technologie der frühen Eisenzeit zeigt sich in einer hochentwickelten Metallverarbeitung und der spezialisierten Keramikproduktion. Die Töpfereien versorgen größere Regionen mit bemalter, graphitierter und inkrustrierter Ware. Die feinsten Tonwaren wurden, wohl speziell für die Begräbnisfeierlichkeiten hergestellt, in den Grabkammern niedergelegt und bezeugen die in die Jenseitsvorstellungen übertragenen Lebensgewohnheiten der Hallstattzeit.                                          

In der Spätphase der Hallstattzeit nimmt der Einfluß der antiken Hochkulturen spürbar zu. Besonders im westlichen Hallstattkreis finden sich häufig griechische und etruskische Importwaren, vor allem Luxusgegenstände für eine prachtliebende Oberschicht, die in direktem Kontakt mit der griechischen Welt zu stehen scheint. Viele dieser Importe werden in den Gräbern niedergelegt, die teilweise derart reich ausgestattet sind, dass man mit einigem Recht von Fürstenbestattungen sprechen kann.

Gängige einheimische Grabbeigaben für die Oberschicht sind Waffen aus Bronze und Eisen, reiche Keramiksätze, die oftmals ein ganzes Trink- und Speiseservice umfassen, und häufig symbolisch beigegebenes Pferdegeschirr und Teile von großen, vierrädrigen Wagen. Seltener sind die Beispiele einer echten Wagenbestattung. In diesen meist besonders reichen Gräbern ruhte der Verstorbene auf einem voll- ständigen Fahrzeug, das auch die Beigaben aufnahm. Die Hallstattzeit ist die erste vorgeschichtliche Epoche, die man mit ziemlicher Sicherheit einer bestimmten Volksgruppe zuweisen kann, nämlich den in späterer Zeit so berühmt gewordenen Kelten. Daher wird in der neueren Forschung die Hallstattzeit auch oft als frühkeltische Periode bezeichnet.

Was die Goldenthaler mit ihren Bettlern machen.

Nachdem Alles wohl berathen war, ging man ans Geschäft. Doch wußten Wenige im Dorfe, wie man so viele Bettler, Müßiggänger, hilflose Kranke, Gebrechliche und Kinder, ohne ungeheure Kosten, ernähren könne und wolle.

Zuerst wurde aus dem Armengut eine Summe Geldes, mit Genehmigung der hohen Regierung, erhoben; damit schaffte man eine Dreherbank, Aexte, Hobel, Sägen, Schaufeln, Spaten, Hacken und anderes Arbeitsgeräthe an. Man verbesserte auch die Küche des Spitals, um daselbst für viele arme Familien zugleich kochen zu können, und machte allerlei Aenderungen im Hause des Spitals, also daß darin eine Arbeitsstube für Männer, eine andere für Weiber und zwei Krankenzimmer für beiderlei Geschlechts angelegt wurden. Auch ward dafür gesorgt, daß für jeden Gesunden ein eigenes Schlafkämmerlein eingerichtet wurde. Das war eine enge Zelle, nur zehn Schuh lang und drei Schuh breit, am Boden nur Platz für einen Strohsack, ein Kopfkissen mit Stroh gefüllt, mit grobem Betttuch und einer warmen Wollendecke. Jede Zelle hatte eine eigene Thür mit Luftloch. »Man muß es Bettlern nie ganz bequem machen,« sagte Oswald, »damit sie auch Lust bekommen, sich durch eigenes Bemühen eine bessere Lage zu schaffen.« Darum ward jeder Winkel im Hause zu Schlafstellen benutzt. Unter dem Dache des Hauses bewahrte man angekaufte Vorräthe von Wolle, Hanf, Nutzholz und dergleichen.

Sobald Alles und Jedes vorbereitet war, nahmen die Vorgesetzten ein Namensverzeichniß auf von denjenigen Personen im Dorfe, welche nicht ohne Unterstützung von der Gemeinde leben konnten. Das war bald gemacht. Man kannte diese Leute nur allzugut. Verschiedene derselben hatten im Dorfe noch eigene Wohnungen; Andere aber zogen ohne Obdach umher, dem Bettel nach, von Stall zu Stall. Diejenigen nun, welche keine eigenen Wohnungen besaßen, wurden aufgefangen und ins Spital gebracht. Sie gingen willig, denn der kalte Winter war vor der Thür. Diejenigen, welche zwar eine Stube hatten, aber mit andern armen Leuten gedrängt beisammen wohnten, so daß Alt und Jung, Leute beiderlei Geschlechts im gleichen Gemach schlafen mußten, wurden ohne Umstände ins Spital geführt. Nur diejenigen wurden in ihren Wohnungen gelassen, die darin nachweisen konnten, daß sie und ihre Kinder alle getrennt schliefen und gesund wohnten.

Also waren sämmtliche Arme und Bedürftige des Dorfes in zwei Klassen zerfallen. Die, welche eigene Wohnungen hatten, hießen Häusler; die, welche ins Spital kamen, hießen Spittler. Beide aber wurden als Genossen der gemeinen Armenanstalt betrachtet, ohne Unterschied. Wo Kinder waren, ließ man sie gern bei ihren Aeltern. War aber die Behausung derselben zu klein, oder waren die Aeltern ruchlos und unsittlich oder im Spital: so suchte man die Kinder bei guten Haushaltungen im Dorfe oder in der Stadt unterzubringen, nicht bei armen Leuten um Geld, auch nicht bei reichen Leuten, sondern bei solchen, die durch ihre Rechtschaffenheit bekannt waren. Diese Kinder bekamen ihre Kleider von der Armenanstalt, und die Pflegeältern, wenn sie es verlangten, auch geringe Entschädigung. Aber die Wenigsten, die Kinder zu sich genommen hatten, forderten Entschädigung. Sie thaten es aus Ermahnung des Herrn Pfarrers und aus Frömmigkeit. Der Herr Pfarrer war der rechte allgemeine Waisenvater. Er hatte zween böse, muthwillige naschhafte Knaben, die Keiner annehmen wollte, zu sich ins Haus genommen, und schon nach einem halben Jahre waren dieselben zu Jedermanns Verwunderung recht gutartig geworden. Auf diese Weise brachte man die Kinder an, und sie sahen nicht täglich mehr das böse Beispiel ihrer Aeltern, und lernten arbeitsam und gottesfürchtig werden, da sie sonst nur zum Betteln, Stehlen und müßigen Herumschwärmen gewöhnt worden waren.

Wie man die gesammten armen Leute mit ihren Kindern also vertheilte und Jeglichem sein rechtes Obdach gab, ward zugleich von den Ortsvorgesetzten ein Hauptgrundsatz aufgestellt, nämlich: Wer nicht im Stande ist, sich selbst zu erhalten, und von Keinem versorgt wird, den muß die Gemeinde versorgen. Wen aber die Gemeinde versorgen muß, den hat sie auch das Recht zu beaufsichtigen und zu bevogten, damit er sich selbst erhalten und versorgen lerne. Das war nicht anders als recht und billig.

Darum ward jeder einzelnen Armenfamilie ein rechtschaffner Mann zum Vormund oder Vogt gesetzt. Dieser Vogt hatte über Nahrung, Kleidung, Vermögen, Schulden und Erwerb seiner ihm übergebenen Familie Vorsorge zu thun; mußte über Ordnung und Reinlichkeit der Häusler in ihren Wohnungen und über die Arbeit wachen, die ihnen gegeben ward. Dabei verfuhr man sehr streng. Denn da auch die Häusler ihre Nahrung aus der Spitalküche bekamen, wo, wie in der theuren Zeit, die Sparsuppe gemeinschaftlich gekocht wurde, und sie Kleider und Geräth von der Armenpflege erhielten, so mußten sie auch für die Armenanstalt arbeiten, und damit ihr Brod und was ihnen sonst zukam, wieder abverdienen. Was sie außer der aufgetragenen Arbeit durch größern Fleiß verdienten, ward ihnen bezahlt. Sowohl dies Geld, als das, was sie im Taglohn bei den Bauern verdienten, bekamen sie nicht in die Hände, sondern wurde in die Ersparnißkasse für sie gelegt. Denn Leute, die zu ihrem Unterhalt Alles und Jedes empfingen, brauchten kein baares Geld; sie mußten aber erst sparen und haushalten lernen.

Jeder Vogt mußte dem Herrn Pfarrer von Zeit zu Zeit über das Betragen und Schicksal der anvertrauten Familie Rechenschaft geben. Denn der Herr Pfarrer war der rechte Oberaufseher aller Vögte; er war der Pfleger aller Armen und führte darüber ein eigenes Buch. Fand er gegen einen Vogt zu klagen, so daß derselbe sein menschenfreundliches Amt übel versah, so ward der Unwürdige von den Ortsvorstehern geradezu abgesetzt.

Diese beständige, unmittelbare Aufsicht und Bevogtung jeder armen Haushaltung oder Person im Dorfe hatte ungemein viel Gutes. Denn weil das Geschäft der Aufsicht für jeden Vogt nur auf eine Familie ging, war es weniger mühsam und besser und sorgfältiger verrichtet. Jeder that das Wenige gern und unentgeldlich aus christlichem Gemüth. Es wurde bald ein ordentlicher Wetteifer unter den Vormündern, wie jeglicher nach dem Ruhm trachtete, die ihm anvertrauten Personen durch Rath und Anweisung und Beihülfe emporzubringen. So hatte ganz unerwartet jede sonst verlassen gewesene arme Haushaltung einen Freund, Vater und Fürsprecher und Schutzengel gefunden, dem sie lebenslänglich dankbar wurde.

Nun aber war die Frage: woher Nahrung und Kleider für die Armen nehmen? Der Zins des Armenguts reicht nicht zu. Oswald aber sagte: »Es wäre wohl böse, wenn die Leute mit gesunden Händen nicht ihr Brod verdienen könnten. Alle zusammen, Häusler und Spittler, Männer und Weiber machen jetzt gleichsam eine einzige große Haushaltung, und müssen Einer für Alle, Alle für Einen arbeiten. Die Häusler müssen in der Woche arbeiten, was ihnen aufgegeben wird; die Spittler müssen des Tages acht Stunden arbeiten, mit Ausnahme der Sonn- und Feiertage.«

Und so ging es. Wer nicht arbeiten wollte, der ward ins finstere Loch des Thurms gesperrt; da saß er und bekam zum Getränk kaltes Wasser, und zur Nahrung geschwellte Erdäpfel, kalt und ohne Salz, welche die Andern nicht hatten essen mögen. Das war Keinem angenehm. Wer aber arbeitete, hatte täglich warme Speisen, Suppe, Gemüs und zweimal in der Woche Fleisch. Wer, außer den acht Arbeitsstunden, noch fleißiger sein wollte, konnte sich damit Geld verdienen. Seine verfertigte Waare ward für ihn verkauft, und das erlösete Geld für ihn als ein kleines Kapital in die Ersparnißkasse an Zins gethan. So sammelten sie sich ein kleines Vermögen. ? Wer fluchte oder schwor, unzüchtig redete, Unordnung trieb, kam in das finstere Loch ohne Gnade und Barmherzigkeit. Wer aber fein still und ehrbarlich lebte, der hatte Hoffnung, seinen Zustand zu verbessern. Er konnte im Spital ein Unteraufseher oder gar Spitalmeister werden. Denn aus den bravsten Leuten im Spital wurden die Aufseher über die Arbeiten und das Betragen der Andern, über Reinlichkeit und Ordnung der Zimmer und Schlafstätten und Kleider erwählt. Die Aufseher berichteten Alles dem Spitalmeister, der selbst ein Spittler war. Der Spitalmeister, so wie die Köchinnen, hatten den Vortheil, nicht zur gemeinen Arbeit gebraucht zu werden. Was sie neben ihren Amtsgeschäften verdienen konnten, das war ihr Eigenthum und kam in die Ersparnißkasse. Die Unteraufseher hatten nur vier Stunden des Tages für die Gemeinschaft mitzuarbeiten; die übrigen Stunden waren ihnen erlaubt, für ihren Vortheil fleißig zu sein. Die Köchinnen hatten es eben so. Elsbeth führte die Oberaufsicht der Spitalküche. Hier unterrichtete sie zwei arme Frauen im Kochen. Eine andere Spittlerin hatte Aufsicht über Wäsche, Kleidung und Geräth der Spittler. ? Also wurden sämmtliche Spittler zwischen Furcht der Strafe und Hoffnung des Nutzens gestellt und zu ihrem eigenen Besten hingeleitet.

Und Arbeit gab es für die Armenhaushaltung vollauf im ganzen Jahr. Vor allen Dingen mußten Spittler und Häusler gemeinschaftlich nicht nur die Gärten und Felder des Spitals bestellen, das Getreide, Kohl, Rüben, Bohnen, Salat, Erdäpfel, Flachs, Hanf, Oelpflanzen u. s. w. bauen, sondern auch gemeinschaftlich ihr von der Gemeinde empfangenes Pachtland bearbeiten. Doch behielt jeder Besitzer den Nutzen von seinem Stückchen Gemeinlandes, also daß er, nach Abzug dessen, was er ebenfalls der Armenanstalt noch für Nahrung, Kleidung und Obdach schuldig geblieben, das Uebrige verkaufen lassen konnte von seinem Vogt; der Gewinn kam in die Ersparnißkasse.

Ferner mußten die Männer Straßen verbessern; Brunnen reinigen; feuchte, moosige Stellen des Waldes durch Abzugsgraben trocken legen; für das Spital und die Häusler Holz fällen und spalten; im Walde leere Stellen mit jungen Tannen, Buchen und Eichen besetzen, und sonst allerlei Maurer- und Zimmermannsarbeit zur Ausbesserung des Spitals oder der Häuslerwohnungen verrichten. Bei schlechtem Wetter oder im Winter hatten die Männer noch weit mehr zu thun. Da mußten die, welche mit Drehbank, Hobel und Säge etwas umzugehen wußten, Haus- und Küchen- und Feldgeräth aller Art verfertigen. Andere lernten aus Wollen- und Leingarn ein ländliches Halbtuch weben, das sehr dauerhaft war, oder aus Hanf- und Flachsgarn Leinwand verfertigen. Immer waren einige Webstühle Winters und Sommers in Bewegung.

Die Weiber, selbst die Kinder der Häusler und Spittler, mußten, wenn es an Leuten mangelte, bei der Feldarbeit helfen; außerdem bei dem Reinigen und Ausbessern der Wäsche und Kleider sämmtlicher Häusler und Spittler thätig sein; Wolle, Hanf und Flachs spinnen, oder für die Weber spulen; Strümpfe und Kappen stricken, Bettzeug und Hemden nähen, und dergleichen mehr. Alle arbeiteten für Einen, und Einer für Alle. Die Leute befanden sich dabei so gut, daß nachher noch ein paar Familien freiwillig zur Armenanstalt übergingen, da sie vorher aus Furcht erklärt hatten, sie könnten sich ohne allen Bettel und ohne Unterstützung von der Gemeinde erhalten.

Diese Einrichtung war darum sehr vorteilhaft, weil die Verwaltung nun keine Unkosten verursachte. Denn der Spittlermeister, die Unteraufseher und Köchinnen, die Mägde, Holzspalter u. s. w. kosteten nichts. Es waren Spittler. Der Pfarrer, die Vormünder, Oswald und Elsbeth nahmen für ihre Liebeswerke keinen Lohn. Der brave Schulmeister, Johannes Heiter, führte unentgeldlich die Buchhaltung und Rechnung über Einnahme, Ausgabe und erspartes Vermögen der Spittler und Häusler mit ungemeiner Pünktlichkeit.

Ferner: die ganze Wirtschaft erhielt sich selbst. Die Leute pflanzten und kochten ihre Nahrung selber; spannen, woben und schneiderten ihre Kleider selber aus selbstgezogenem Hanf und Flachs; verfertigten ihre Tische, Bänke, Stühle und Holzteller, Schränke u. s. w. selber; besserten Zimmer, Gebäude und Geräthe selber aus. Es wurde bald mehr Nahrung gewonnen, mehr Garn und Tuch und allerlei Geräth verfertigt, als verbraucht. Das wurde verkauft zum Nutzen der Anstalt, und für das Geld wieder eingekauft, was man an Wolle, Eisen u. s. w. nöthig hatte. Die fleißigern Häusler verdienten noch außer den gesetzlichen Arbeitsstunden durch mancherlei Arbeit oder Taglohn ein schönes Stück Geld. Das ward ihnen an Zins gelegt oder angewandt, um ihnen zur Vervollkommnung ihrer Nebenarbeiten das fehlende Werkzeug und rohe Stoffe zu verschaffen. Schon im zweiten Jahre brauchte man den Zins vom Armenfond nicht mehr ganz.

Weil die Leute bei einfacher Kost viel arbeiteten und Männer und Weiber ohnedem fast beständig getrennt lebten, verging ihnen die Ueppigkeit von selbst. Zudem war ein Gemeindsgesetz: es konnte Keiner heirathen, als der, welcher sich außer der Armenanstalt, ohne Hülfe der Gemeinde, ernähren konnte.

Das Beste, was man noch rühmen mußte, war die Gottesfurcht, welche allmälig bei diesen einst verwilderten Leuten immer mehr Eingang fand. Und auch das war ein Verdienst des Herrn Pfarrers. Denn alle Wochen hielt er einigemal mit den Spittlern die Abendandacht; dazu kamen auch die Häusler. Da sprach er dann viel Heilsames und Lehrreiches über ihren Seelenzustand, und zeigte ihnen, wie durch Gottes- und Menschenliebe in der Welt, wie in der Ewigkeit, das reinste Glück des Herzens gefunden werde. Diese Erbauungsstunden fruchteten zur Besserung weit mehr noch, als die Drohungen und Strafen der Obrigkeit.

Uebrigens stand jedem Spittler und Häusler vollkommen frei, die Anstalten zu verlassen, wenn er wollte. Er mußte nur zeigen, wie er sich selbstständig und auf ehrliche Weise durch die Welt bringen könne und wolle. Und es war Gesetz, daß, wenn Jemand die Anstalt verlassen und sich über ein Jahr lang ohne Bettelei, ohne fremde Unterstützung, durch eigenen, häuslichen Fleiß erhalten und gutes Lob und Zeugniß erworben hatte, daß er sodann den freien Gebrauch seines kleinen, in der Ersparnißkasse befindlichen Vermögens empfing. Natürlich hatte er dann auch keinen Vogt mehr, und war gehalten wie jeder andere Bürger.

Was die Goldenthaler Armenanstalten vorzüglich von andern dergleichen ruhmvoll und segensvoll unterschied, war: daß die armen Leute gezwungen wurden, Alles, was sie zur Nahrung, Kleidung und Bequemlichkeit gebrauchten, durchaus selbst zu machen. Es sorgte Niemand für sie; sie mußten für sich selbst sorgen und arbeiten. Hier war keine stillsitzende Lebensart, hier keine ungewisse, leichte Fabrikarbeit, wodurch arme Leute zu schwerer Arbeit nachher untauglich werden, hier gab es keinen leichten Verdienst, wo junge Mädchen und Knaben bald eben so viel Geld gewinnen können, als die Alten, was dann zur Ueppigkeit, zu frühen Heirathen und zur Vermehrung des Lumpengesindels beiträgt. Hier mußte Jeder seine Kraft für das anstrengen, was ihm lebenslänglich wohlthat, wenn er es konnte; er mußte graben, hacken, säen, pflanzen, dreschen, zimmern, hobeln, spinnen, weben, schneidern.

Steingeräteherstellung im Neolithikum

Nach wie vor blieb der Stein ein wichtiger Werkstoff. Jedoch zeigt sich ein wesentlicher technologischer Fortschritt gegenüber den vorangegangenen Perioden durch Schliff und Politur von Geräten aus Feuerstein (Silex) und verschiedenen Felsgesteinen.

Ein grob zugerichtetes Rohstück wurde mit Hilfe von Wasser und einem Grus aus feinkörnigem, hartem Quarzit geschliffen und häufig sogar fein poliert. Felsgesteine konnten auch gebohrt werden. An neolithischen Äxten sind sowohl Voll- als auch Hohlbohrungen mit Hilfe eines hölzernen oder beinernen Drillbohrers nachweisbar.
Oft sind Halbfabrikate und Bohrkerne erhalten, die genaue Auskunft über die jeweils angewendete Technik geben.

Neolithische Keramik

Töpferei ist eine der wichtigsten, entscheidensten Neuerungen der Jungsteinzeit. Die Gefäße werden aus der freien Hand, noch ohne die Töpferscheibe, geformt und haben dementsprechend unregelmäßige, oft recht grobe Formen. Der Brand ist ausgesprochen weich. Frühe Gefäßformen (Flaschen, Schalen, kürbisförmige Gefäße und sogenannte „Kümpfe“) haben meist kugelige Böden. Eine der frühesten neolithischen Kulturgruppen, die Bandkeramik, zeigt als typische Gefäßverzierung eingeritzte, bandförmige Ornamente, anfangs als zusammenhängende Linien (Linearbandkeramik), später in einzelnen Einstichen ausgeführt (Stichbandkeramik).

Eine Vielzahl mittel- und spätneolithischer Kulturgruppen (beispielsweise Rössen, Altheim, Cham, Michelsberg und viele andere) lassen sich zeitlich und räumlich vor allem nach ihren keramischen Erzeugnissen unterscheiden. Die unterschiedlichsten Gefäßformen (Tassen, Becher, Amphoren, Krüge u.a.) treten auf und zeigen ihre verschiedensten lokalen Ausprägungen. Zwei der wichtigsten endneolithischen Kulturen, die Glockenbecherkultur und die Schnurkeramik, beide um 2000 v. Chr., tragen die Bezeichnung ihrer „Leitgefäße“ als Namen. Glockenbecher sind meist völlig mit teppichartigen Verzierungen bedeckte, becherartige Gefäße von der Gestalt einer mit der Öffnung nach oben gekehrten Glocke. Die Schnurkeramik trägt ihren Namen von der für sie typischen Ziertechnik, bei der im noch feuchten Ton des halbfertigen Gefäßes durch Schnureindrücke Muster erzeugt wurden. Beide Kulturen gehören bereits in den Übergangshorizont von der Stein- zur Bronzezeit. 

Das schnurkeramische Hockergrab von Neudorf  

Bereits 1932 entdeckte M. Hundt bei Neudorf, in der Flur „Roseneckgarten“ unter bereits zerstörten eisenzeitlichen Bestattungen ein Männergrab der Schnurkeramik. Der Mann war in einer für die schnurkeramischen Gräber typischen Weise beigesetzt worden. Er war in gehockter Stellung, mit angezogenen Beinen, halb auf der rechten Seite liegend, in O – W – Ausrichtung bestattet.

Viele vorgeschichtliche Kulturen bestatteten ihre Toten in Hockerstellung. Dieser Brauch war schon der Anlaß zahlreicher wissenschaftlicher Kontroversen. Möglich wäre z. B., daß die Hockerlage die natürliche Schlafstellung oder die Lage eines Kindes im Mutterleib wiedergeben sollte. Aber auch eine magische Fesselung des Toten aus Furcht vor Wiedergängertum ist denkbar. Manchen Toten wurden, sicherlich aus diesem Grund, die Beine gebrochen, man zerstörte die mit ins Grab gelegten Waffen und bedeckte den Verstorbenen mit schweren Steinen.

Der Neudorfer Schnurkeramiker hatte seine steinerne Streitaxt mit im Grab. Diese geschliffene, zur Schäftung durchbohrte und facettierte Waffe ist aus schwarzem Amphibolit gefertigt. Sie gehört zum Typus der sogenannten „A – Äxte“, die eine Leitform für den älteren Horizont der Schnurkeramik darstellen. Die Knochennadel mit Ringkopf, die wohl einst das Gewand zusammen hielt, stellt eine besonders im benachbarten Böhmen weit verbreitete Form dar. Eine Spitzklinge aus stark patiniertem Hornstein wurde von Hundt als Dolch bezeichnet. Ihre tatsächliche Funktion ist ungewiß, jedoch sind aus der annähernd zeitgleichen Glockenbecherkultur kleine Kupferdolche ähnlicher Form bekannt. Bei der Ausgrabung befand sich auch noch eine kugelförmige Amphore, die einst wohl Speise oder Trank enthielt, mit im Grab. Sie wurde vor ca. 10 Jahren im Depot des Münchner Stadtmuseums aufgefunden, an das sie noch zu Max Hundt’s Zeiten ausgeliehen worden war.

Die früheisenzeitlichen Gräberfelder von Berndorf und Tannfeld

Bei Berndorf und Tannfeld im Thurnauer Land konnten zwei Friedhöfe der Hallstattkultur entdeckt und in jahrelanger Arbeit ausgegraben werden. Beide Gräberfelder zeigten sowohl Körperbestattungen unter Hügeln, als auch kleinere Urnenflachgräber, was in Oberfranken den Übergang von Ha C nach Ha D zu dokumentieren scheint. Aus den verschiedenen Beigaben konnte auf eine erhebliche soziale Differenzierung geschlossen werden. Die Ausstattungsunterschiede zwischen den reichsten und den ärmsten Gräbern waren beträchtlich. So hatte der im Berndorfer Grab 4 bestattete Mann, der offensichtlich ein Mitglied der lokalen Oberschicht war, ein Eisenschwert, eine bronzene Gewandnadel mit Schälchenkopf und einen reichen Geschirrsatz als Beigaben, während die ärmsten Gräber nur ein Gefäß mit dem Leichenbrand enthielten.

Berndorf

Im Jahre 1971 wurde bei landwirtschaftlichen Arbeiten zufällig das erste Grab des Berndorfer Hallstattfriedhofs entdeckt. Ein Satz aus sechs Halsringen und  steigbügelförmiger Armreife konnten in die Spätphase der Hallstattzeit (Ha D, 5. Jhdt. v. Chr.) datiert werden.  

Bis einschließlich 1975 legten ehrenamtliche Mitarbeiter des CHW unter der Leitung des Kreisheimatpflegers Dieter Schmudlach im Auftrag des Bayerischen Landesamtes für Denkmalpflege insgesamt 47 Bestattungen frei. Die Belegungsabfolge zieht sich durch die ganze Hallstattzeit. In zwei Kindergräbern fanden sich bereits Beigaben im sogenannten „Latènestil“, der typisch keltischen Kunstperiode, die etwa ab 450 v. Chr. beginnt. Die Gräber enthalten in der Hauptsache Keramikbeigaben, aber auch Schmuck, Gewandnadeln und Fibeln, Toilettebesteck (Ohrlöffelchen, Pinzette, Nagelschneider), Rasiermesser und anderes.

Nur einmal, im Grab 4, ließ sich eine Waffenbeigabe beobachten. Das über einen Meter lange eiserne Schwert mit maximal 4 cm breiter Klinge ist eine typische Reiterwaffe der frühen Hallstattzeit um 650 v. Chr. Derart große Schwerter sind zum Fußkampf denkbar ungeeignet. Sie lassen sich sinnvoll nur vom Pferd oder Streitwagen herab handhaben und mögen von einer Art Kriegeradel geführt worden sein. Das Berndorfer Schwert gehört dem Typ Mindelheim, Variante Bubesheim an. Die nächsten vergleichbaren Parallelen finden sich in der Tschechoslowakei (Jarosovice).

Tannfeld

Auf der Flur „Atschenrain“ wurde bereits 1935 ein späthallstättisches Grab bei landwirtschaftlichen Arbeiten angeschnitten und zerstört. Durch Zufall bekam der Kulmbacher Heimatforscher und damalige Leiter der vorgeschichtlichen Abteilung des Luitpoldmuseums, M. Hundt, einige Bronzen in die Hand. In einer sofort durchgeführten Nachgrabung konnte er aus dem fast völlig zerstörten Grab noch einige Keramikreste bergen. Den Hauptteil des einst reichen Geschirrsatzes soll der Bauer bei der Entdeckung weggeworfen haben. 1977 erfolgte dann unter der Leitung von Dr. B.-U. Abels eine wissenschaftliche Ausgrabung durch das Bayerische Landesamt für Denkmalpflege. In mehreren Grabungskampagnen wurden bis 1979 insgesamt 23 Bestattungen freigelegt. Sie enthielten in der Hauptsache Keramikbeigaben und nur wenige Bronzen. Das Tannfelder Gräberfeld datiert in die Stufen Ha C und D, zwischen ca. 700 und 500 v. Chr.                                  

Die Latènezeit (ca. 450 v. Chr. – Christi Geburt)

Die Latènezeit geht unmittelbar aus der mitteleuropäischen Hallstattkultur hervor. Es gibt keine Bruch in der Bevölkerungskontinuität, keine Zuwanderungen und Überlagerungen, nur der Kunststil wandelt sich. Starke etruskisch-griechische Elemente werden in einer Weise umgesetzt, wie es allein für die Kelten, die Träger der Latènekultur, typisch ist. Der Name dieser Epoche ist von einem Fundort in der Westschweiz, La Tène am Neuenburger See, entlehnt.

Man unterteilt die Latènezeit in eine Früh-, Mittel- und Spätphase bzw. in die Stufen a – d. Die Frühphase endet etwa um 400 v. Chr. mit den historisch überlieferten Eroberungs- zügen der Kelten gegen Italien und Griechenland. Zur damaligen Zeit scheint die gesamte keltische Bevölkerung Oberfrankens auszuwandern. Auf dem Kasendorfer Turmberg, der in der Frühphase eine mächtige keltische Burg trug, findet sich kein einziges Stück der mittleren Periode.

Erst in der Spätphase, im letzten vorchristlichen Jahrhundert, nach den verheerenden Niederlagen der Kelten gegen die Völker der antiken Welt, vor alle gegen die Römer, belegen einige wenige Keramikfragmente eine Neubesiedelung des Turmbergs.                                                     

Die Latènezivilisation war hochentwickelt. Es entstanden große Städte nach antikem Muster, meist befestigt, mit straffer Innengliederung, Handwerkerzentrum und Viertel für die Oberschicht. Eine große keltische Stadt, wohl das historische ‚Menosgada‘, lag auf dem Staffelberg bei Staffelstein. Die Kelten waren meisterliche Handwerker. Bronzeguß und Schmiedekunst standen ebenso wie die Bearbeitung von Edelmetallen auf hohem Niveau. Berühmt waren die keltischen Eisenschmiede, besonders die Waffenschmiede. Die Kelten waren die Erfinder des Kettenpanzers. Fast die gesamte spätere Ausrüstung der berühmten römischen Legionen ist keltischen Ursprungs. Man begann, scheibengedrehte Keramik herzustellen. Erstmals verdrängte in Mitteleuropa das Geld die Naturalwirtschaft.  

Die Latènezivilisation fand ihr Ende durch Cäsars Eroberungen in Gallien und den Alpenfeldzug unter Kaiser Augustus im Jahre 15 v. Chr. Letzte keltische Refugien bestanden noch für kurze Zeit in Thüringen und Böhmen, bis die Kelten schließlich den Germanen unterlagen. In Gallien lebte das Keltentum, allerdings in romanisierter Form, lange Zeit fort, in Irland hat es sich in seiner ganz eigenen Ausprägung bis heute erhalten.

Die römische Kaiserzeit, Völkerwanderungszeit
und Merowingerzeit  (Christi Geburt – ca. 800)

In diesen drei Epochen erscheint das oberfränkische Gebiet weitgehend fundarm, was aber nicht unbedingt auf eine Siedlungsleere deuten muß. Manches spricht dafür, dass germanische Gruppen hier nicht auf auf Dauer seßhaft wurden, sondern in jenen unruhigen Zeiten bald weiter zogen. Aus dem 4. Jhdt. sind einige Funde aus Höhensiedlungen bekannt: von der Ehrenbürg eine spätrömische Gürtelgarnitur, vom Kasendorfer Turmberg eine elbgermanische Fibel und zahlreiche Funde vom Reißberg bei Schlappenreuth . Auf dem Gipfelplateau des Staffelbergs konnte eine germanische Wehranlage nachgewiesen werden.

Auf dem Kasendorfer Turmberg wurde 1986 das Bruchstück einer germanischen Eisenfibel des 3. Jhdts. entdeckt. Die noch bestehenden scheinbaren Siedlungslücken könnten also durchaus Lücken im Forschungsstand sein. Bodenfunde aus der Merowingerzeit sind bis jetzt nur aus Staffelstein, Hirschaid und vom Schlappenreuther Berg bekannt. Nach Ansicht des Bamberger Mittelalterarchäologen Prof. Dr. W. Sage wäre es aber denkbar, dass sich einige Beigaben aus Reihengräbern, die bis jetzt als karolingisch-ottonisch angesprochen werden, als jünger-merowingerzeitlich erweisen und in das 7. Jhdt. gehören.

Das frühe Mittelalter (8. – 10. Jhdt.)

In karolingischer Zeit, etwa im 8. Jhdt., setzt auch in Oberfranken die fränkische Landnahme und damit verbunden, stärkere Siedlungsaktivität ein. Erstmals gibt es nun auch schriftlich überlieferte Nachrichten über politisch wichtige Örtlichkeiten, zum Beispiel über die Königshöfe oder Pfalzen zu Hallstadt, Forchheim und Königsfeld.

Über die kleineren Ansiedlungen geben jedoch auch in dieser Epoche fast ausschließlich nur archäologische Bodenfunde Auskunft. Wichtigste Bodendenkmäler aus dieser Zeit sind die sogenannten „Reihengräberfriedhöfe“, die, der merowingischen Tradition folgend, alle in mehr oder weniger geordneten Reihen angelegt und annähernd westöstlich ausgerichtet sind. In der Beigabensitte macht sich nun der christliche Einfluß geltend. Viele Bestattungen sind völlig beigabenlos, die meisten anderen enthalten nur noch sehr wenige Trachtbestandteile, Gürtel- und andere Schnallen, Nadeln, die wohl das Totenhemd zusammen hielten und etwas Schmuck.

Häufig sind dagegen sogenannte „Schläfenringe“, die wohl zur Haartracht gehörten und kleine Messer. Die Beigabe von Waffen erlischt fast völlig. Eine Ausnahme bilden die zwei Schwertgräber von Weismain, LIF, sie dokumentieren den hohen sozialen Rang der Bestatteten. Auch die Beigabe von Sporen, wie sie in einigen Gräbern von Grafendobrach und Alladorf vorkommt, ist als Indiz für einen hohen gesellschaftlichen Rang des Verstorbenen zu werten. Die zu den Friedhöfen gehörenden Siedlungen sind nicht gefunden, sie mögen von den modernen Ortschaften überbaut sein.

In ottonischer Zeit, im 10. Jhdt., wird das  obere Plateau des Kasendorfer Turmbergs noch einmal stark befestigt und militärisch besetzt, vermutlich, um der Bedrohung durch magyarische Reiternomaden zu begegnen. Die Keramik dieser Zeit ist scheibengedreht, dünnwandig und hartgebrannt. Häufig treten Wellenlinienmuster auf.

Das Reihengräberfeld von Alladorf

Bei verschiedenen Grabungskampagnen wurden zwischen 1955 und 1984 insgesamt 244 Gräber des karolingisch-ottonischen Ortsfriedhofs freigelegt. Damit ist das Gräberfeld von Alladorf der größte Friedhof des 8./9. Jhdts. in Oberfranken. Die Gräber sind, der topographischen Situation folgend, in N/S-Richtung ausgerichtet. Die aufwendigeren Bestattungen sind in das anstehende Juragestein eingetieft. Grabgruppen lassen auf familiäre Zusammengehörigkeit der dort Bestatteten schließen. Einzelne Nachbestattungen innerhalb dieser Gruppen beweisen eine längere Belegungszeit des Friedhofs.

Die ausgegrabenen Funde liegen fast alle im für diese Zeit üblichen Spektrum: Glasperlen, silberne Schläfenringe, Trachtbestandteile, Eisenmesser und Bronzenadeln, die wohl das Leichentuch zusammen hielten. Außergewöhnlich erscheint die seltene Beigabe von Pfeil- und Wurfspeerspitzen sowie ein Tongefäß. Im Gegensatz zur Oberpfalz war bisher in Oberfranken noch kein Keramikgefäß in einem frühmittelalterlichen Grab beobachtet worden. In Oberfranken waren statt dessen hölzerne Eimer üblich. Die Beigabe von Reitersporen ist als Indiz für eine höhere soziale Stellung des Verstorbenen zu werten. 

Silberne Schläfenringe  

„Schläfenringe“ sind zumeist aus dünnem Silber-, seltener aus Bronzedraht, manchmal auch aus Eisen gefertigt. Oft haben sie S-hakenförmig ausgeschmiedete Enden. Sie kommen fast ausschließlich in Frauengräbern vor. Die Fundlage der Stücke am Kopf der Skelette weist darauf hin, daß sie zur Haartracht gehört haben. Sie könnten z. B. an einem Stirnband oder an einer Haube getragen worden sein.

Früher deuteten einige Forscher die Schläfenringe als Indiz für slawischen Einfluß, wenn nicht sogar für slawische Volkszugehörigkeit ihrer Träger. Diese Meinung gilt heute allgemein als überholt. Zwar gibt es solche Ringe in rein slawischen Siedlungsgebieten (bspw. in Berlin – Spandauer Burgwall), sie kommen jedoch auch sehr häufig im rein fränkisch besiedelten Rheinland vor. Eine gegenseitige Beeinflussung beider Kulturkreise erscheint zwar recht wahrscheinlich; jedoch kann es heute als verfehlt betrachtet werden, Schläfenringe als rein slawischen Schmucktyp anzusprechen.

Vorgeschichtliche Töpferei

Die Keramik ist vermutlich eine Erfindung der frühen vorderasiatischen Hochkulturen. In Mitteleuropa tauchen keramische Erzeugnisse erstmals im frühen Neolithikum, ab ca. 5000 v. Chr., auf. Es handelt sich dabei um die sogenannte Bandkeramik, die mit eingeritzten, kurvenlinearen „Bändern“ verziert ist. Die frühesten Tongefäße erinnern in der Form noch an ihre aus organischen Stoffen (Leder, Holz, Korbgeflecht, Kürbisschalen) bestehenden Vorgänger. Bald tauchen jedoch neue Formen auf, die sich teilweise bis heute erhalten haben, z. B. Schalen, Tassen, Krüge u.v.a. 

Die vorgeschichtlichen Töpfer Mitteleuropas kannten noch nicht die Töpferscheibe, die im Zweistromland bereits um die Mitte des 4. Jtds. v. Chr. belegt ist. Sie stellten ihre Gefäße im sogenannten Tonwulstverfahren her. Dabei wurde das Gefäß aus vielen ringförmigen, übereinander gelegten Tonwülsten zusammengesetzt, die man dann sorgfältig verstrich. Der Gefäßrand und der Boden wurden gesondert gearbeitet.

 Eine andere Technik bestand im zonenweisen Aufbau des Gefäßes aus Tonfladen. Dies läßt sich anhand einiger zerbrochener Gefäße gut belegen. Man erkennt deutlich, wie die über- einander gesetzten Fladen außen und innen miteinander verstrichen wurden. Boden und Randzone sind auch hier gesondert gearbeitet und dann angesetzt.

Für stark gewölbte, bauchige Gefäßformen, bspw. der Urnenfelderzeit, verwendete man einfache Erdformen, in welche man die Gefäße hineintöpferte. Flache Schüsseln und Schalen formte man umgekehrt über einem feuchten Erdhaufen. Die vorgeschichtlichen Töpferwaren sind meist nur mittelhart gebrannt, da sich mit den damals verwendeten Brennöfen noch nicht die für einen harten Brand nötigen, hohen Temperaturen erzielen ließen. Wirklich hartgebrannte Keramik führten erst die Römer ein.

Um 450 v. Chr. tritt in Mitteleuropa erstmals die Töpferscheibe auf und wird bei den Kelten allgemein gebräuchlich. Damit werden neue Gefäßformen ermöglicht, z. B. bauchige „Linsenflaschen“ (wie z. B. aus dem „Stöckig“ bei Thurnau), die mit den beschriebenen Verfahren nicht hergestellt werden konnten. Da sich die Gefäßproduktion vereinfacht hatte und nun beschleunigt durchgeführt werden konnte, entstanden in dieser Zeit erstmals große Manufakturen, die den Bedarf ganzer Regionen decken konnten. Keltische Keramik enthält häufig einen hohen Graphitanteil und ist deshalb schwarz gefärbt. Graphittongefäße waren besonders feuerfest. Römische Tonwaren, meist die ziegelrote, dünnwandige und oft reichverzierte „Terra sigillata“, tauchen in nachchristlicher Zeit immer häufiger im romanisierten Germanien, besonders im Rheinland, auf.                                       

Oberflächenbehandlungen, Verzierungen

Gerade die Art der Oberflächengestaltung und Dekoration prähistorischer Keramik ist wichtig für chronologische und geographische Einordnung des betreffenden Stückes. Neolithische Gefäße haben anfangs meist rauhe oder flüchtig geglättete Oberflächen. Erdfarben (Brauntöne, Ocker) dominieren. Spätere Stücke sind bereits gut geglättet, seltener sogar poliert, weiße Inkrustrationen tauchen erstmals auf. das fortgeschrittene Neolithikum (Walternienburg- Bernburger Gruppe) kennt bereits teppichartig flächendeckende Tiefstichzier mit Inkrustration.

Glockenbecher sind zumeist in umlaufenden Zonen dekoriert, die Schnurkeramik trägt ihr typisches, namengebendes Schnurmuster. Bronzezeitliche Keramik ist zumeist dunkel- bis mittelbraun und gut geglättet oder poliert. An Verzierungsstechniken sind Kerbschnitt, Tiefstichornamentik oder Stempelzier am häufigsten vertreten. Graphitierte, schwärzlich- metallisch glänzende Oberflächen treten erstmals in der Urnenfelderzeit auf, um dann in der Hallstattkultur ihre Blüte zu erleben.  

Über die Hälfte der hallstattzeitlichen Grabkeramiken sind graphitiert. Es gibt aber auch kirschrot-polierte, bemalte, geglättete und sogar rauh belassene Gefäße. Häufig sind ziegelrote Henkeltassen, während sonst dunklere Farben überwiegen. Sehr häufig tauchen geometrische Muster auf, die meist in Kamm- und Haarstrichtechnik ausgeführt wurden. Beliebt als Zierornamente sind Dreiecke, Zickzacklinien, Sterne, Kurvenlinien und vieles mehr. 

Latènezeitliche Tonwaren sind sehr vielgestaltig. Sie können rauh belassen, geglättet, poliert oder bemalt sein, es treten fast alle Tonfarben auf. Typisch für die späte Latènekultur ist die schwarze Graphittonware. Sie ist häufig kammstrichverziert. Die keltischen Keramiken sind größtenteils scheibengedreht.

Die provinzialrömische Töpferei folgt stark den italischen Vorbildern. Schwarze arretinische Ware, ziegelrote Terra sigillata mit Reliefdekor, graue Gebrauchskeramik und bemalte „Vasen“ nach griechisch-hellenistischem Vorbild kommen vor. Kaiserzeitlich römische Tonwaren sind bereits fabrikmäßig hergestellte Massenware. Bei großen gallisch-römischen Keramikfabriken muß mit einer Gefäßproduktion von rund ein Million Stück im Jahr gerechnet werden.

Die Kleidung im Mittelalter

Die Kleidung im Mittelalter in Europa spiegelte den Platz der gekleideten Person innerhalb der mittelalterlichen Ständeordnung wider. Die Unterschiede zwischen den Ständen lagen meist jedoch nur im verwendeten Material und dem dazugehörigen Zierrat. An verfügbaren Materialien zur Textilherstellung für die niederen Stände gab es Leinen, Hanf, Nessel (diese drei insbesondere zur Verwendung für die Unterbekleidung) und Schafwolle (diese insbesondere für Oberbekleidung). Der höhere Stand konnte noch zusätzlich auf teure Importstoffe aus Seide zurückgreifen und nutzte generell bessere Textilqualitäten und veredelte Tuche.

Der Hanfanbau in Deutschland ist seitens der Behörden keinesfalls mehr so schikanös, wie er es einmal war und immer mehr nachhaltig, innovativ denkende Landwirte erkennen im Hanf eine Zukunftschance.
Deshalb wollen wir im Folgenden die Vorteile des Nutzhanfanbaus beleuchten, auf dass vertieftes Wissen zu verstärkter Nachfrage und somit zu besseren Bedingungen für Landwirte führe – was ein wirkungsvoller Weg sein sollte, um der Wunderpflanze zur verdienten Renaissance zu verhelfen.
Nutzhanf ist eine eigenständige Hanfsorte, die keinen Rauschwirkstoff (THC) enthält. Den Anbau oder Konsum von rauschauslösenden Substanzen lehnen wir ab. Selbst wenn Nutzhanf also kein THC enthält, so kann er doch berauschendeWirkung ausüben – durch die Aufzählung seiner zahllosen Vorzüge für den Menschen.
Und auch ohne THC hat Hanf immer noch ausreichend Abenteuer zu bieten, wie dieser Artikel zeigen wird, in dem er die enormen Vorteile der Nutzhanfpflanze in den Gebieten Landwirtschaft und Umweltschutz schildert.

Seitdem es Geschichtsschreibung gibt, waren den Menschen die phänomenalen Nutzanwendungen des Hanfs bestens bekannt. In seiner ursprünglichen Heimat Zentralasien und China kann sein Gebrauch sogar bis in die Jungsteinzeit zurückverfolgt werden. Hanf wird seit Jahrtausenden auch auf dem europäischen Kontinent angebaut. 1961 jedoch wurde Hanf – jeder Hanf – per Gesetz weltweit mit anderen Opiaten gleichgestellt.
In der Folge schrumpften die Anbauflächen zusehends, bis auf fast null, da strenge Auflagen, Kontrollen und behördliche Schikanen den Anbau für Landwirte unattraktiv machten.
Zur extremen, allgemeinen Negativpropaganda gesellte sich zudem die aufstrebende Konkurrenz durch Kunstfasern. In Westdeutschland beispielsweise war der Hanfanbau bereits in den 1950er Jahren wirtschaftlich bedeutungslos geworden. Im Jahr 1981 gab es im damaligen Westen Deutschlands nur noch einen einzigen Hanfbauern.
Und der musste sich dem neuen Bundesbetäubungsmittelgesetz (BtMG) beugen. Das trat am 1.1.1982 in Kraft und verbot den Hanfanbau – generell!
Anhand dieser Neufassung des BtMG wurde dem Hanfbauern vorgeworfen, dass er „Gelegenheit zum Genuss von Betäubungsmitteln“ gegeben hätte.
Der Mann musste vor Gericht, und das Ganze endete mit einem Vergleich. Ab da ruhte der Hanfanbau in Deutschland über 15 Jahre, bis er wieder – unter bestimmten Auflagen und Voraussetzungen – erlaubt wurde. Dass der Hanf sehr umweltfreundlich und vielfältig ist, dürfte einem Landwirt kaum ausreichen, um sich für den Anbau zu entscheiden. Hierfür müssen Fragen geklärt werden wie die Bodenansprüche des Hanfs, Pflegeaufwand, Ertragszahlen, Lagerung, Weiterverarbeitung oder Vermarktung. Umweltbewusste bzw. Bio-Bauern interessieren sich auch für ökologische Fragen, den Einsatz von Spritzmitteln sowie für Umweltvorteile bei der späteren Nutzung des Hanfs. Diese Thematik geht letztendlich uns alle an. Denn der Anbau der meisten Nutz- und Faserpflanzen schadet unserer Umwelt enorm (Bodenverdichtung durch schwere Landmaschinen, Schadstoffe durch Kunstdüngung und Spritzmittel, Auslaugen der Böden).

Auch die konventionelle Herstellung von Papier (Waldabholzung), Textilien (Baumwollmonokulturen) oder Kunststoffen (Umweltvergiftung) ist alles andere als umweltfreundlich. Und diese „Umwelt“ ist nicht „irgendwo” – wir sind mittendrin, werden davon beeinflusst, vielleicht sogar krank. Nun vermag Hanf alleine sicherlich nicht die Welt zu retten, doch die Pflanze stellt eine hervorragende, nutzbringende Alternative dar – für Landwirte, weiterverarbeitende Industrien und für uns als Konsumenten und Bewohner dieser Erde.
Eines steht nach gründlichen Recherchen und Gesprächen mit Praktikern fest: Der Hanf ist eine sehr pflegeleichte Pflanze. Er stellt insgesamt keine großen Ansprüche an den Boden und kann auf fast allen Böden angebaut werden – sogar im Moor gedeiht er vorzüglich. Doch Hanf ist nicht nur anspruchslos, er trägt sogar zur Verbesserung der Böden bei.

Bei Versuchen holte Hanf sogar Schwermetalle aus dem Boden und lagerte sie in seinen Blättern ab. Diese mussten danach auf Deponien gebracht werden, da sie hoch angereichert waren. Die Fasern dagegen blieben schwermetallfrei und konnten wie üblich verarbeitetet werden.
Doch Hanf beeinflusst die Bodenqualität auf weitere Art und Weise äußerst positiv. Denn eine wichtige Auswirkung hat der Hanf auch auf die Bodengare, also auf den Idealzustand fruchtbaren Ackerbodens. Ein „garer Boden” bedeutet, dass er krümelig, humös, gut durchlüftet, ausreichend feucht und leicht durchwurzelbar sowie belastbar und stabil ist. Wie bei einem gärenden Brotteig entstehen in einem garen Boden kleine und mittlere Hohlräume, die Mikroorganismen im Boden guten Lebensraum bieten. Diese Hohlräume werden Bodenporen genannt und dienen auch der Belüftung und Wasserspeicherung. Solcherart ausgestattete Böden saugen Niederschläge auf wie ein Schwamm und leiten überflüssige Feuchtigkeit ins Grundwasser ab.
Noch dazu ist diese Bodenstruktur wichtige Lebensgrundlage für ein arten- und mengenreiches Vorkommen von Bodenorganismen, wie nützlichen Bakterien, Würmern, Insekten und andere Klein- und Kleinstlebewesen. Sie sind nämlich auf eine gute Luftzu- und abfuhr angewiesen. Finden sie passende Lebensbedingungen, sorgen sie für eine ideale Beschaffenheit des Bodens und der unmittelbaren Umgebung.
Hanf ist hervorragend mit sich selbst verträglich. Das heißt, er könnte mehrmals hintereinander auf der selben Fläche angebaut werden. Lein (Flachs) und Baumwolle dagegen brauchen einen mehr oder weniger häufigen Stellenwechsel. Trotzdem ist es wenig sinnvoll, Hanf in Monokultur anzubauen.

Freund aller Nutzpflanzen Feind aller Unkräuter

Sein Vorteil ist nämlich, dass er sich mit so gut wie allen anderen Nutzpflanzen verträgt. Deswegen – und wegen seiner hervorragenden Vorarbeit auf den Ackerböden – ist er sehr gut für die sog.  Fruchtfolge geeignet. Darunter versteht man, dass auf einem Feld unterschiedliche Pflanzen in einer bestimmten Reihenfolge entweder innerhalb einer Vegetationsperiode oder mehrerer Jahre in Folge angebaut werden. 
In italienischen Hanfanbaugebieten beispielsweise galt die Regel, dass Weizen – nach Hanf gesät – 10 bis 20 Prozent höhere Ernten abgibt.

Der Anbau in Fruchtfolge wirkt sich positiv auf die Bodenqualität aus, da ein Wechsel zwischen Pflanzen erfolgen kann, die unterschiedliche Arten und Mengen an Nährstoffen benötigen.
So wird eine Auszehrung des Bodens vermieden. Auch der Befall mit Unkräutern, Schädlingen und Pflanzenkrankheiten wird durch den Wechsel sowie wegen der dadurch unterschiedlichen Methoden und Zeitpunkte der Bodenbearbeitung vermindert.

Wo Hanf angebaut wird, wächst sowieso praktisch kein Unkraut.

Das erspart nicht nur jede Menge Arbeit, sondern auch die Verwendung von Unkrautvernichtungsmitteln.
Wächst also Hanf vor einer anderen Pflanze auf dem Feld, kann die nächste Saat praktisch ohne aufwändige Vorarbeit erfolgen.

Wie macht er das nur, der Hanf, dass Unkräuter seine Nähe meiden?
Eigentlich ganz einfach: Zum einen wächst er gerade zu Beginn seiner Wachstumsphase sehr schnell und ist nach kurzer Zeit in der Lage, den Boden zu beschatten. Die geschlossene Blätterdecke lässt wenig Sonne durch – und „unerwünschte Beikräuter“ brauchen schließlich Licht zum Wachsen. Außerdem besitzt Hanf eine hohe Konkurrenzkraft. Das heißt, er ist stärker als viele andere Pflanzen und kann sich im Wuchswettbewerb sehr gut durchsetzen.

Fallen die Hanfblätter dann herunter, mulchen sie damit den Boden. Auch dies sorgt für die Unterdrückung des Unkrauts. Außerdem kann damit die Feuchtigkeit nicht so leicht entweichen, es entsteht ein feuchtes Klima, das sich – wie weiter oben beschrieben – stimulierend auf die Bodenflora- und -fauna auswirkt. Die Auflockerung durch die tiefen Wurzeln tut ein Übriges für die Verbesserung der Bodenqualität. Das in Mitteleuropa herrschende Klima mag der Hanf sehr gerne, schließlich hat er sich über Jahrtausende daran gewöhnt bzw. angepasst. Am liebsten sind ihm Temperaturen zwischen 13° und 22° Celsius, er verträgt aber auch höhere oder niedrigere, sogar leichten Nachtfrost bis -5° C. Außerdem mag er es, wenn’s relativ oft regnet. Gibt es mal trockenere Perioden, hat er ja zum Glück seine Mulchdecke aus Hanfblättern, die die Feuchtigkeit gut festhält. Alles in allem ideale Voraussetzungen für mitteleuropäischenAnbau.
Hanf ist zudem eine sehr robuste und widerstandsfähige Pflanze. Sie wird kaum einmal von Krankheiten befallen. Tierische „Schädlinge“ beispielsweise treten nur höchst selten auf und sind leicht in den Griff zu bekommen. Gegenüber Pilzkrankheiten oder Parasiten zeigt Hanf nur geringe Anfälligkeit. Das wurde sogar vom Bundeslandwirtschaftsministerium bestätigt:

  • Im Großen und Ganzen ist der Hanf eine Pflanze, die wenig von Krankheiten und Schädlingen heimgesucht wird.“ Im Vergleich zu den anderen hierzulande angebauten, nachwachsenden Rohstoffen wie Raps, Mais oder Zuckerrüben, kostet der Hanfanbau nur einen Bruchteil.

Alle Kosten werden minimiert: für Arbeitsaufwand, Pflege, Schädlingsbekämpfung oder Auszehrung der Böden.
Auch die Verlustgefahr beim Hanfanbau durch Witterung, Krankheiten oder Schädlinge ist wesentlich geringer.

  • Junge Maispflanzen beispielsweise können im Wachstum zurückbleiben, wenn die Temperaturen zu niedrig sind. Schon bei unter 10° C ist die Konkurrenzkraft der an dieses Klima besser angepassten Unkräuter meistens größer. Probleme bei der Unkrautregulierung, gerade im ökologischen Anbau, sowie ungenügende Ernteerträge und Qualitäten können die Folge sein – dadurch können hohe Verluste entstehen.
  • Vom Hanf hingegen wissen wir inzwischen, dass er Temperaturen sogar unter 0° C verträgt und sich gegenüber sog. „Unkräutern” hervorragend durchsetzen kann.
  • Bei Mais bilden sich die Wurzeln in der Jugendphase nur in Oberflächennähe aus. Dadurch erreichen die Pflanzen nur schwer ihre Nährstoffe. Mais stellt deshalb oft hohe Anforderungen an die künstliche Nährstoffzufuhr, insbesondere mit Stickstoff und Phosphor, was mengenmäßig im ökologischen Landbau sicherlich zu Recht einer Begrenzung unterliegt. Trotzdem kostet das Ganze natürlich Zeit und Geld.
  • Im Vergleich dazu hat Hanf nach bereits einem Monat 25 bis 30 cm lange Wurzeln, die viel leichter an die notwendigen Nährstoffe herankommen.
  • Auch beim Raps spielt das Unkrautproblem eine große Rolle. Mechanische Unkrautbeseitigung oder Einsatz von Untersaaten ist hier die Frage – beim Hanf stellt sie sich gar nicht erst. Besonders anfällig ist der Raps gegen Schädlinge, wie zum Beispiel Schnecken, die zu Totalausfällen der gesamten Ernte führen können. Als Gegenmittel wird vorgeschlagen, den Boden nach der Saat platt zu walzen, damit die schleimigen Tierchen keine Hohlräume als Rückzugsort vorfinden – ein Mehraufwand von Maschinen, Arbeitszeit und -kräften, den sich der Hanfbauer sparen kann.
    Im Raps-Bioanbau dürfen bestimmte Mittel gegen Schnecken eingesetzt werden – allerdings ist das wiederum mit zusätzlichen Kosten verbunden.

Von Natur aus „bio”

Mehrere Tatsachen machen Hanf quasi automatisch biotauglich:
In Versuchen wurde herausgefunden, dass der Hanfertrag zwar mit Düngung steigt, dies aber häufig auf Kosten der Faserqualität. Das macht einen geringen bzw. gar keinen Einsatz von Düngemitteln sinnvoll – gut für den Hanfbauern, schlecht für die Düngemittelindustrie. Außerdem kann man mit Züchtungen bessere Erträge sowie einen höheren Faseranteil in der Pflanze erreichen. Warum also mit Düngen alles wieder verschlechtern? Dadurch, dass der Hanf das Unkraut unterdrückt und kaum krankheitsanfällig ist, erfordert sein Anbau keine Chemie. Andere Faserpflanzen wie der Flachs haben keine hohe Ernteausfälle durch Pilzbefall, obwohl sie chemisch „geschützt“ wurden.
Noch extremer ist es bei der Baumwolle:  Trotz hohen Einsatz von Pflanzenschutzmitteln gehen weltweit etwa 50 Prozent der Ernte durch Schädlinge verloren.
Ist der Anbau erfolgt und der Hanf wie erwartet gut gewachsen, kommt der Zeitpunkt der Ernte. Bereits 100 Tage nach der Saat ist es soweit. Bereitete das Ernten anfangs den Hanfbauern einiges Kopfzerbrechen, gibt es mittlerweile dafür unterschiedliche Möglichkeiten – entweder mit Spezialmaschinen oder mit Standardgeräten, die für die speziellen Anforderungen des Hanfes umgerüstet wurden.

Grundsätzlich werden zwei verschiedene Ernte-Technologien unterschieden:

  • die alleinige Ernte des Hanfstrohs zur Fasergewinnung oder
  • die gekoppelte Nutzung von Korn und Stroh.

Je nachdem wird eine entsprechende Erntetechnik eingesetzt. Wächst der Hanf nicht zu hoch und werden nur die Samen der Pflanze genutzt, kann sogar mit einem normalen Mähdrescher geerntet werden. Das Hanfstroh muss trocken und sauber eingelagert werden und benötigt eine ausreichende Luftzirkulation. Da die Strohballen relativ viel Lagerraum beanspruchen, sollte der Landwirt die Hanfanbaufläche vorab anhand seiner Lagermöglichkeiten genau berechnen. Der Transport ist ebenfalls ein Knackpunkt. Am sinnvollsten ist es, wenn keine weiten Transportwege des Hanfstrohs nötig werden, sich also die Aufbereitungsanlagen in der Nähe des Anbau- bzw. Lagerortes befinden. Entscheidend für die Transportkosten ist es, wie viele Ballen pro Fahrt transportiert werden können.

Das Aufschließen

Um an den wichtigen Bestandteil der Hanfpflanze, nämlich seine Fasern, zu gelangen, ist ein Vorgang notwendig, der „Aufschluss“ genannt wird. Der Stängel der Pflanze besteht u.a. aus einem Holzkern, umden herum die Fasern als kompaktes Bündel platziert sind. Die Fasern bilden nur einen schmalen Streifen gleich unterhalb der Rinde. Insgesamt hat der Hanf einen Faseranteil von  28 bis 35 Prozent. Je nach Ergebnis des Faseraufschlusses schwankt die Faserausbeute zwischen 18 und 25 Prozent. Um an die Fasern heranzukommen, müssen sie vom inneren Holzkern getrennt und dann möglichst zu einzelnen Fasern oder zumindest kleineren Bündeln aufgelöst werden. Dafür gibt es unterschiedliche Verfahren (z.B. chemisch, mit Enzymen, physikalisch, mit Dampf, Ultraschall, mechanisch u.a.),
Der Faseraufschluss ist ein Schlüsselfaktor bei der Hanfproduktion. Es muss eine möglichst gute Qualität erreicht werden, darf aber auch nicht zu viel kosten und sollte im Bioanbau umweltfreundlich sein. Welches Verfahren angewandt wird, hängt auch von der späteren Verwendung der Faser ab.
In Westeuropa wird fast ausschließlich die Kuppelnutzung des Hanfes praktiziert, das heißt, dass Samen Stroh zur Weiterverarbeitung gewonnen werden. Einer der größten Hanfunternehmer befindet sich in Frankreich. Die Genossenschaft vertritt die Auffassung, dass Hanfanbau dauerhaft nur gewinnbringend gestaltet werden kann, wenn eine vollständige Verwertung aller Pflanzenteile erfolgt. Dass es auch anders geht, zeigen kleinere Biobetriebe.

Die European Industrial Hemp Association (EIHA, Europäischer Industrie-Hanf-Verband) berichtet, dass Hanf als wichtiger Rohstoff weltweit wiederentdeckt wird und sich einer wachsenden Nachfrage erfreut. Ein wichtiger Teilbereich der Anwendung sind Naturfaserverbundwerkstoffe (Verbindungen aus Naturfasern und Kunstfasern). Diese werden verstärkt in der Automobilindustrie genutzt und kommen beispielsweise als Türinnenverkleidung, Dachhimmel, Armaturenbretter oder Hutablagen zum Einsatz. Auch als Bau- und Dämmstoff ist der Hanf gefragt. In der EU werden jährlich etwa 3.000 bis 4.000 Tonnen Hanfdämmstoffe produziert. Der aus Pflanzenfasern hergestellte Zellstoff wird zum Großteil für Spezialpapiere verwendet (u.a. Zigarettenpapier und Geldscheine).

Nutzungsmöglichkeiten des Hanfes im Überblick:

  • Aus den Fasern,
    • Kleidung
    • Naturfaserverbundwerkstoffe
    • Bau- und Dämmaterial,
    • technische Textilen (Seile, Teppiche)
    • Papier, Zellulose
  • aus „Schäben“
    • Tierstreu
    • Bau und Dämmaterial
    • Papier
  • aus Samen
    • Speiseöl, Nahrungsmittel,
    • Farben,
    • Reinigungsmittel,
    • Arzneimittel,
    • Kosmetika,
    • Vogelfutter
  • Aus Pressrückständen:
    • hochwertiges Futtermittel.
  • Hanfblätter
    • Einstreu in Viehställen,
    • ätherisches Öl (Nahrungsmittel, Kosmetik),
    • Pilzkompost.
  • Planzenreste
    • Biomasse zur Energiegewinnung,
    • Briketts.

Vorteile des Hanfanbaus für den Landwirt:

  • Hohe Erträge als Faser- und Ölpflanze bei vergleichsweise geringerAnbaufläche.
  • Robust und widerstandsfähig.
  • Gut an unser Klima angepasst.
  • Geeignet für Fruchtfolgen.
  • Verbessert die Bodenstruktur.
  • Geringer Arbeitsaufwand.
  • Kein Einsatz von Spritzmitteln, Chemie und künstlichen Düngemitteln nötig.
  • Spart Zeit und Kosten.
  • Gut für die Gesundheit.
  • Ernteaufwand normal.

Die Nachteile beim Hanfanbau gegenüber anderen Nutzpflanzen
liegen in den Lager- und Transportkosten, im Bedarf einer Weiterverarbeitungsanlage in örtlicher Nähe sowie in der Abhängigkeit von der Qualität des Aufschlussverfahrens.

Was springt nun finanziell für den Bauern heraus?

pro Hektar? – Mit Nutzhanf ca. 6000 Euro!

Beim Recherchieren der Anwendungsmöglichkeiten des Nutzhanfs wurde mir bewusst, wie wichtig es ist, dieser Pflanze eine Lobby zu verschaffen bzw. sie von ihrem „Kiffer-Image” zu befreien. Zig Produkte, die den Planeten zerstören, haben ihre eigene Lobby – Erdöl, Pharma, Kunststoff, Papier, Baumwolle – nur der Nutzhanf, der die Umwelt schützt und verbessert, hat kaum eine.


Abstract

Die materielle Grundlage von Machtpolitik ist seit jeher der
Zugriff auf Bodenschätze. Dies gilt auch heute für politische
Akteure mit globalen Machtansprüchen wie Deutschland und die
Europäische Union. Diese versuchen ihre Politik in den vergangen
Jahren verstärkt auf die strategische Sicherung des Zugangs
auf die in Entwicklungsländern befindlichen Rohstoffe auszurichten,
wobei auch nichtenergetischen industriellen Rohstoffen ein
besonderes Interesse vonseiten der Industrie und Politik zukommt.

Denn auch diese Rohstoffe waren von den allgemeinen Preissteigerungen
der Rohstoffe seit 2002 betroffen. Zur Erhaltung der
Tradition eines kostengünstigen globalen Rohstoffzugangs – die
spätestens seit Kolonialismus und Imperialismus gepflegt wird –
gehen die Weltordnungsmächte zunehmend in die Offensive und
bemühen dabei umfassend ihre verschiedenen Politikressorts. Die
staatliche Entwicklungspolitik, die sich gerne ihrer hehren Ziele
rühmen lässt, unterstützt dabei die von der deutschen und europäischen
Außenwirtschaftspolitik forcierten Maßnahmen zur weitreichenden
marktwirtschaftlichen Öffnung der rohstoffreichen
Entwicklungsländer. Die Folge ist eine Verstetigung der Rolle als
weitestgehend industrie- und kapitalfreie Rohstoffexporteure und
der hiermit einhergehenden nachteiligen Lage in der weltkapitalistischen
Arbeitsteilung. Die hierdurch verursachte Perpetuierung
von Armut ist gleichzeitig eine wesentliche Ursache teils gewaltsam
ausgetragener Konflikte. Sollten hiervon wiederum wichtige
westliche (Rohstoff-)Interessen bedroht werden, so entscheidet sich
die „internationale Gemeinschaft“ nicht selten für „friedenserzwingende
Maßnahmen“, um diese Interessen zu wahren beziehungsweise
durchzusetzen. Selbst hier leistet die Entwicklungspolitik
tatkräftige Schützenhilfe, indem sie über das Konzept der Vernetzten
Sicherheit zu einem integralen Bestandteil militärischer „Stabilisierungsoperationen“
geworden ist.

Rohstoffe in den letzten Jahren Information


Geschichte von Cannabis als Arznei- und Rauschmittel

Obwohl Cannabis eine der ältesten Kulturpflanzen überhaupt ist, ist die Geschichte
von Cannabis als Arznei- und Rauschmittel als solche weder umfassend
niedergelegt noch vollständig geklärt – ja, es ist sogar so, dass die Aufklä-
rung der Geschichte von Cannabis – was einige Zeitepochen betrifft – noch
völlig am Anfang steht. Dies ist umso verwunderlicher, da Cannabis die am
häufigsten konsumierte illegale Droge ist. Deshalb können und sollen im Folgenden
auch nur die bedeutendsten Meilensteine der wechselvollen Geschichte
von Cannabis aufgezeichnet werden.

China
Mittels Radiokohlenstoffdatierung konnte anhand von archäologischen Funden
nachgewiesen werden, dass Cannabis bereits vor tausenden Jahren für medizinische
Zwecke genutzt wurde. Der Ursprung der Anwendung von Cannabis liegt
hierbei im alten China. So fanden sich in Ausgrabungen der Yanghai-Gräber
(verschiedene Gräberfelder aus der Bronzezeit bis zur Tang-Dynastie) in Xinjiang,
einem autonomen Gebiet im Westen Chinas, Reste von Keimlingen, Blättern
und Früchten von Cannabis sativa (Stammpflanze von Cannabis). Mit der
Radiokohlenstoffdatierung konnte deren Alter auf ca. 2500 Jahre bestimmt
werden.
Als sicher kann weiter angesehen werden, dass die weiblichen Blüten der Pflanze
(welche eine hohe Menge der wirksamen Inhaltstoffe, der Cannabinoide,
enthalten) schon ca. 2700 vor Christus als Heilmittel gegen verschiedene
Krankheiten eingesetzt wurden.
So weiß man, dass der chinesische Kaiser Shen-Nung (auch Shennong genannt,
was übersetzt göttlicher Bauer bedeutet) 2737 vor Christus Cannabis als Arzneimittel
bei Beriberi, Verstopfung, Frauenleiden, Gicht, Malaria und Rheuma empfahl.
Außerdem mache Cannabis den Körper leicht. In seiner Enzyklopädie „Pinyin
Shen-Nung ben Cao Jing“ (Des Göttlichen Landmanns Buch von Wurzeln
und Kräutern) beschreibt er Hunderte von Heilmitteln pflanzlichen, tierischen
und mineralischen Ursprungs. Hierbei wird Cannabis mit dem chinesischen
Wort ma bezeichnet. Shen-Nung, der zahllose Pflanzen auf deren medizinische
Anwendungsmöglichkeiten untersuchte, gilt überdies gemeinhin als Entdecker des Tees.

Shen-Nung wird auch als Vater der Landwirtschaft bezeichnet – er
erfand den Pflug und lehrte die Menschen, Ackerbau zu betreiben.
Die industrielle Anwendung von Cannabis als Nutzpflanze reicht noch viel
weiter in die Vergangenheit zurück. So entdeckten Forscher in den Ruinen des
Dorfes Xían Banpo (in der chinesischen Provinz Shaanxi) u.a. Reste von Textilien
aus Hanf. Mithilfe der radiometrischen Datierung wurde festgestellt, dass
diese kulturellen Überreste sogar bis zu 6000 Jahre alt sind und zur YangshuoKultur
gehören.
Über 4000 Jahre später beschreibt Li Shih-Chen (auch Li Shizhen, 1518–1593,
chinesischer Arzt, Pharmazeut und Botaniker), der als Chinas größter Kräuterspezialist
gilt, mehr als 120 verschiedene Anwendungsmöglichkeiten von Hanf,
auch in Verbindung mit anderen Heilpflanzen. Li Shih-Chen hebt insbesondere
auch die antiemetische, antibiotische und anthelmintische (wurmabtötende)
Wirkung von Cannabis hervor. Weiter empfiehlt er Cannabis bei nervösen Verstimmungen,
Komplikationen bei der Geburt, Menstruationsbeschwerden,
Krämpfen, Hautausschlägen, Geschwüren und Wunden. Der Kräuterkundige,
der unzählige tierische, pflanzliche und mineralische Medikamente klassifizierte,
gilt als Vater der Traditionellen Chinesischen Medizin.

Indien
Von China aus scheint Cannabis um 1400 v. Chr. nach Indien gelangt zu sein.
Neben den medizinischen Anwendungsgebieten wurde Cannabis in Indien vor
allem wegen der rauscherzeugenden Wirkung seiner Inhaltsstoffe geschätzt.
Die psychoaktive Wirkung spielte bei bestimmten kultischen Handlungen eine
wichtige Rolle.
In den „Veden“ (Sanskrit: Wissen, Heiliges Gesetz; zunächst mündlich überlieferte,
später aufgeschriebene Sammlung religiöser Texte im Hinduismus) wird
Cannabis als heilige Rauschdroge beschrieben, die von den Göttern erschaffen
sei. Eine der „Veden“, der „Atharvaveda“ (eine der heiligen Textsammlungen des
Hinduismus, ca. 1400 v. Chr.; „Atharvaveda“ bedeutet im Sanskrit „Feuerpriester“)
erwähnt Cannabis (Bhang, traditionelle Hanfzubereitung) als eine der fünf
heiligen Pflanzen. In dem Skriptum werden rituelle Handlungen im Zusammenhang
mit dem Gebrauch von Cannabis geschildert – beispielsweise wird
beschrieben, dass man sich vor Feinden schützen und böse Kräfte besiegen
kann, indem man Äste der Cannabispflanze ins Feuer wirft.

Weiter werden magische, religiöse und soziale Bräuche erwähnt. Die heilige Droge helfe auch
beim Meditieren und löse Angst und Stress auf.
Freilich nutzten die Hinduisten Cannabis nicht nur als Rauschmittel, sondern
auch als Arzneimittel gegen diverse Krankheiten. So wurde Cannabis bei Lepra,
Durchfall und Fieber eingesetzt, weiter als Beruhigungs-, Schlaf- und Betäubungsmittel,
ferner als Schmerz- und Hustenmittel sowie gegen Epilepsie.
Der indische Arzt Sushruta (6. Jahrhundert v. Chr.) empfahl in seinem Buch
„Sushruta Samhita“ Cannabis zur Anregung des Appetits, zur Förderung der
Verdauung, ferner als Analgetikum, Aphrodisiakum sowie generell als elixir vitae
(Lebenselixier).
Auch im „Rajavallabha“, einem ayurvedischen Text aus dem 17. Jahrhundert,
wird Cannabis als elixir vitae gelobt, das Energie spende, die geistigen Kräfte
aktiviere, zu Lebensfreude verhelfe sowie Angst bekämpfe. Weiter zeige Cannabis
ausgezeichnete Erfolge bei Krämpfen, Kopfschmerzen, Neuralgien, Hysterie,
Tetanus, Fieber, ferner bei Gonorrhoe, Diabetes, Asthma, Bronchitis, Tuberkulose,
Dyspepsie, Impotenz und Zahnschmerzen. Bei kleineren Operationen könne
Cannabis als Schmerz- und Betäubungsmittel angewendet werden. Auch als
Diuretikum, Digestivum, Aphrodisiakum und als Prophylaktikum gegen Malaria
zeige Cannabis Erfolge.
Eine bekannte ayurvedische Zubereitung ist bspw. Jatiphaladi churna, die Mischung
besteht neben Cannabis aus Pfeffer, Muskatnüssen, Sandelholz, Kardamom,
Sesam und Ingwer. Jatiphaladi churna wird eingesetzt bei Appetitlosigkeit,
Husten, Asthma, Impotenz, Krämpfen, Durchfall sowie zur Beruhigung. Bekannte
ayurvedische Aphrodisiaka, die Cannabis enthalten, sind bspw. Madana
modaka und Kamesvara modaka.
Bei tantrischen Ritualen wurde (und wird noch immer) Cannabis zur Förderung
der erotischen Ekstase eingesetzt, im Yoga zur Unterstützung der Siddhis (Siddhis
sind besondere übernatürliche Kräfte, die man z.B. durch spirituelle Praxis
erwirbt). So schrieb bspw. Patanjali (indischer Gelehrter, Verfasser des „Yogasutra“,
auch als Vater des Yoga bezeichnet), dass die Siddhis entweder angeboren
seien oder durch Anwendung gewisser Kräuter oder durch Versenkung in
das innerste Ich oder Askese erworben würden.
Generell unterscheidet man in Indien die verschiedenen Hanfzubereitungen
Ganja (Marihuana), Charras (das reine durch Reiben erzeugte Harz) und Bhang.
Bhang (Sanskrit: Bruch, Abfall) bezeichnet die traditionelle Hanfzubereitung, die
unter anderem in hinduistischen Religionsritualen Verwendung findet.

Zur Herstellung von Bhang werden die Blätter und Blüten der Hanfpflanze mit Tabak
vermischt. Die Mischung wird entweder mit Tabak, Honig und Gewürzen
zu Konfekt verarbeitet oder aber in Butter gelöst. Häufig werden auch BhangJoghurtgetränke,
sogenannte Bhang Lassi, angeboten.

Altes Persien und Assyrien
Vom alten Indien verbreitete sich die Kenntnis von der Wirkung von Cannabis
ins alte Persien und ins Assyrische Reich. Dort wurde Cannabis äußerlich in
abschwellenden Salben eingesetzt, innerlich bei Depressionen, Impotenz, Arthritis
und Nierensteinen. Auch bösen Zauber versuchte man durch die Einnahme
von Cannabis abzuwehren.
Im mittleren Osten wurde Cannabis auch erstmals in Augenarzneimitteln verwendet.
Ferner wurde Cannabis gebraucht, um den Geburtsprozess zu erleichtern
– hierzu wurde Cannabis in einer Schüssel verbrannt und der Rauch inhaliert.

Bei den Assyrern waren Räucherungen mit Cannabis ab dem 9. Jahrhundert vor
Christus gebräuchlich.

Skythen
Überliefert ist im weiteren Verlauf der Geschichte der Gebrauch von Cannabis
bei den Skythen. Bei den Skythen handelt es sich um Reiternomadenvölker, die
etwa ab dem 8. bzw. 7. Jahrhundert vor Christus die eurasische Steppe nördlich
des Schwarzen Meeres besiedelten.
Herodot (490 bzw. 480 v. Chr. bis ca. 424 v. Chr., antiker griechischer Geschichtsschreiber,
Geograph und Völkerkundler) berichtet in seinen Historien von Beerdigungszeremonien
der Skythen, bei welchen diese Cannabisdämpfe inhalierten.
Indem sie sich durch das Inhalieren in eine Art Trancezustand versetzten,
wollten die Angehörigen eines Verstorbenen dessen Seele ins Jenseits geleiten.
Bei der Zeremonie kletterten die Skythen in winzige Filzzelte, in denen sie
Hanfsamen auf glühende Steine warfen. Auf diese Weise entwickelte sich ein
sehr starker Dampf, den die Skythen einatmeten. Durch den berauschenden
Dampf in Trance versetzt, begannen die Skythen zu tanzen und zu singen,
wodurch der Kontakt mit den Toten hergestellt werden sollte.

Nicht nur die schriftlichen Quellen Herodots belegen die Beerdigungszeremonien
der Skythen. Beweise hierfür lieferten auch die Ausgrabungen der Hügelgräber
von Pazyryk in Südrussland, welche die Skythen vom 5. bis zum
4. Jahrhundert vor Christus angelegt hatten.

Altes Griechenland und Rom
Im alten Griechenland und in Rom hielt sich der Konsum von Cannabis in
Grenzen, insbesondere auf die berauschende Wirkung wurde dort kein allzu
großer Wert gelegt. In sehr früher Zeit war Cannabis in Griechenland und Rom
noch unbekannt, so wurde die Pflanze bspw. von Hippokrates (Hippokrates von
Kos, um 460 v. Chr. bis ca. 370 v. Chr., berühmtester Arzt des Altertums) überhaupt
nicht erwähnt.
Dioskurides (Pedanios Dioskurides, griechischer Arzt, der im 1. Jahrhundert
n. Chr. lebte, er war Militärarzt unter den Kaisern Claudius und Nero im römischen
Reich und ist der berühmteste Pharmakologe des Altertums) berichtet in
seiner „Materia Medica“ über die Wirkung von Cannabis gegen Ohrenschmerzen,
Entzündungen sowie gegen Würmer. Eingesetzt wurden hierbei die Cannabissamen.

Plinius der Ältere (23 oder 24 n. Chr. bis 25.08.79 n. Chr.; römischer Gelehrter,
Offizier und Verwaltungsbeamter) lobt in seiner „Naturalis historia“ (ca.
77 n. Chr.) die Wirkung von Cannabis gegen Gichtschmerzen und andere Arten
von Schmerzen. Ein zu ausgiebiger Konsum von Cannabis führe dagegen zu
Impotenz.
Galen (Galenos von Pergamon, 129 oder 139 n. Chr. bis 199, 201 oder 205 n. Chr.,
griechischer Arzt und Anatom) erwähnt in seinem Werk „Methodus medendi“
(1519) die appetitanregende Wirkung von Cannabis, ferner die Wirkung gegen
Schmerzzustände aller Art sowie gegen Flatulenz. Als einziger der griechischen
Gelehrten beschreibt Galen auch toxische Wirkungen von Cannabis.
Außer in der Humanmedizin wurde Cannabis auch in der Veterinärmedizin
eingesetzt, v.a. bei Wunden und Schmerzzuständen von Pferden.

Mittlerer Osten im Mittelalter und in der frühen Neuzeit
Vor allem zwischen dem 13. und 16. Jahrhundert übersetzten muslimische Ärzte
die Werke von Dioskurides und Galen und erhielten so Kenntnis von vielen Arzneimitteln und deren Gebrauch. Weil Alkohol im Islam verboten war, galt
der Konsum von Cannabis hingegen als weit verbreitet. Cannabis wurde medizinisch
bei Augenkrankheiten eingesetzt, als Diuretikum und zur Reinigung
des Gehirns. Man gebrauchte Cannabis ferner bei Epilepsie und anderen neurologischen
Erkrankungen, daneben als Anxiolytikum und bei vegetativer Dystonie.
Weitere Anwendungsgebiete waren Ohrenschmerzen, Verdauungsbeschwerden
und Flatulenz. Während der medizinische Gebrauch von Cannabis
erlaubt war, wurde dessen Verwendung als Rauschmittel mit einer Strafe von
40 bis 80 Peitschenhieben belegt.

Afrika
Durch die Feldzüge der Araber zwischen dem 9. und 12. Jahrhundert wurden
Cannabiszubereitungen auch in Afrika bekannt. Auch über indische und arabische
Händler gelangte Cannabis im 11. und 12. Jahrhundert von der Ostküste
Ägyptens nach Süd-, Zentral- und Westafrika.

Europa im Mittelalter
Im Mittelalter lag die Ausübung der Heilkunde im Wesentlichen in den Händen
von Mönchen und Nonnen, welche die sogenannte Klostermedizin praktizierten.
Forschung wurde im Mittelalter kaum betrieben, weshalb diese Zeit oft
auch als düster und reaktionär beschrieben wird.
Der erste Hinweis auf die Wirkungen der Inhaltsstoffe des Hanfs findet sich in
Hildegard von Bingens (1098–1179, Benediktinerin, Dichterin, Universalgelehrte)
Schrift „Physica – Liber simplicis medicinae“ (ca. 1150–1160). Dort erwähnt
sie Cannabis als schmerzstillende und verdauungsfordernde Pflanze, außerdem
empfiehlt sie Cannabis zur lokalen Behandlung von Geschwüren und Wunden.
Weitere Anwendungsgebiete sind rheumatische und bronchiale Erkrankungen
sowie Magenbeschwerden wie Übelkeit. Darüber hinaus wurde Cannabis allgemein
als Opiumersatz verordnet.

Europa in der Renaissancezeit
Ab dem 16. Jahrhundert findet Cannabis Eingang in zahlreiche Kräuterbücher.
Hervorzuheben ist etwa Leonhart Fuchs’ (1501–1566, Mediziner, Botaniker, einer

der sogenannten Väter der Botanik) Werk „De Historia Stirpium“ (1542). Darin
beschreibt Fuchs die Morphologie und Kultivierung von Cannabis sativa, außerdem
zitiert er aus den Werken von Dioskurides, Plinius und Galen. Fuchs liefert
zudem die zu dieser Zeit genaueste Abbildung der Cannabispflanze.
Ein weiterer Botaniker, der Cannabis erwähnt, ist der englische Apotheker John
Parkinson (1567–1650). In seinem Werk „The Botanical Theatre of Plants“ (1640)
empfiehlt er Cannabis bei trockenem Husten, Gelbsucht, Diarrhoe, Koliken,
Gicht, ferner bei Tumoren, Verbrennungen und Schmerzen.
In der Renaissancezeit brachten weiterhin viele Forscher und Weltreisende
Berichte sowie auch getrocknete Pflanzen v.a. aus dem mittleren Osten und
Indien in die Heimat, wodurch viele neue Erkenntnisse über fremdländische
Pflanzen gewonnen wurden. Beispielsweise berichtet der berühmte portugiesische
Arzt Garcia da Orta (1499–1568) in seinem Werk „Coloquios dos Simples e
Drogas da India“ (1563) von der Anwendung von Cannabis als Beruhigungsmittel.
Garcia da Orta züchtete in seinem Garten in Goa selbst Cannabis.

Europa und USA im 19. Jahrhundert
Im 19. Jahrhundert erlebte Cannabis seine Blütezeit, es galt regelrecht als Allheilmittel
und war eines der in Apotheken in Europa und den USA am meisten
verkauften Arzneimittel.
So waren Cannabisextrakte zu dieser Zeit in allen Apotheken erhältlich, nahezu
jede Ortsapotheke hatte sogar ihre eigene Vorschrift zur Herstellung von Cannabistinkturen
(Beispiel s. Abb. 1). Zwischen 1842 und 1900 machten Cannabispräparate
dort die Hälfte aller verkauften Medikamente aus. In Europa
waren zwischen 1850 und 1950 über 100 verschiedene Cannabismedikamente
erhältlich. Cannabis wurde nach und nach die leichtere und bekömmlichere
Alternative zu Opium. Cannabis wurde hierbei gegen zahlreiche Krankheiten
wie Migräne, Kopfschmerzen, Neuralgien, Rheuma, epilepsieähnliche und andere
Arten von Krämpfen eingesetzt. Auch als Beruhigungs- und Schlafmittel
sowie als Hustenstiller und als Arzneimittel bei asthmatischen Beschwerden
fand Cannabis breite Anwendung.

Cannabis galt sowohl als stimulierendes als auch als beruhigendes Präparat, das
nicht nur als Schlafmittel eingesetzt wurde, sondern auch bei Unruhe- und
Angstzuständen sowie bei Hysterien. Dr. Dralles Somnium war bspw. eine Hanftinktur,
die als sanfte Einschlafhilfe und als Beruhigungsmittel diente.
Die antibakterielle Wirkung des Haschischs bewirkte wiederum dessen Verwendung
als probates antiseptisches Mittel. Außerdem wurden Cannabiszubereitungen
wie Haschöl als bestes Mittel gegen Hühneraugen gelobt (s. Abb. 2),
weiter setzte man Cannabis in Muskelpackungen, Rheumasalben und in äußerlichen
Zubereitungen gegen Brandwunden und Verbrühungen ein. 

Ob also als Einreibung, als Tinktur zur äußeren oder innerlichen Anwendung,
zum Trinken, zum Essen oder als Rauchwerk – in jeder denkbaren Darreichungsform
wurde Cannabis eingesetzt.
Von der Wiege bis zur Bahre, es gab praktisch keinen Anlass und kein Leiden,
bei dem Cannabis nicht als Universalheilmittel ärztlich verordnet wurde, obwohl
die berauschende und suchterzeugende Wirkung schon damals bekannt
war. An kranken Tagen verhalf Cannabis zu Schmerzstillung und Schlaf, an
guten Tagen dagegen zu Rausch und Euphorie.
Üblicherweise wurde Cannabis in Form von Tinkturen (in Alkohol gelöste Pflanzenteile)
eingesetzt, später kamen auch Cannabispillen dazu. Die Firma Merck
brachte später einen wässrigen Cannabisextrakt aus blühenden Zweigspitzen
des Hanfs auf den Markt (Extractum Cannabis indicae aquosum fluidum), der insbesondere
als hustenlinderndes Mittel gegen die endemisch verbreitete Tuberkulose
angepriesen wurde. Außerdem wurde der Fluidextrakt als mildes Schlafmittel
für Babys und Kleinkinder sowie als stimulierendes und erheiterndes
Mittel für jedermann angeboten.
Als Schlafmittel fand auch eine Tinktur, bestehend aus Cannabis- und Bilsenkrautextrakt,
Kaliumbromid und Chloralhydrat reißenden Absatz. Diese Tinktur
wurde in den USA als Fertigarzneimittel unter dem Namen Bromidia™ vertrieben
und wurde auch in anderen Ländern, bspw. in Deutschland, in verschiedenen
Arzneibüchern (z.B. im Arzneibuch des Münchner Apothekervereins) als
Rezeptur mit der gleichen Zusammensetzung aufgeführt.
In Kriegszeiten nutzte man die Wirkung von Cannabis schließlich, um das
Durchhaltevermögen von Soldaten zu steigern. Bspw. entdeckten Napoleons
Truppen auf ihren Feldzügen u.a. nach Ägypten schnell die entspannende Wirkung
von Cannabis, welche die Soldaten die Strapazen der Schlachten leichter
bewältigen ließ. Auch die deutschen Truppen versuchten (u.a. beim DeutschFranzösischen
Krieg 1870 bzw. 1871) mittels Cannabis Leistungsfähigkeit,
Durchhaltevermögen und Kampfgeist zu stärken – oder einfach, um die Kriegserlebnisse
leichter zu verarbeiten (bzw. zu verdrängen).
Auch das Hanfrauchen war im 19. Jahrhundert weit verbreitet; Tabak hingegen
galt damals als exklusive und teure Rauchware. Geraucht wurden stattdessen
sogenanntes Kraut (Hanf) oder Orient, Knaster (die Bezeichnung rührt von dem
knasternden Geräusch, das Cannabis im Pfeifenkopf verursachte) bzw. starker
Tobak (Hanf-Tabak-Mischungen).

Die sogenannten Rauchsprüche aus dieser Zeit lauten entsprechend: „Rauch nit
zuviel Orient, weil Dich sonst der Schädel brennt.“ oder „Misch nicht Orient mit
Bier, sonst werden Deine Träume wirr.“. Solche und ähnliche Sprüche waren
auf Tabakdöschen Anfang des 19. Jahrhunderts zu lesen. Aufgrund der stetig
zunehmenden Verbreitung des Tabaks verlor Hanf mit der Zeit als Pfeifeninhalt
allmählich seine Bedeutung und degradierte zum Arme-Leute-Rauchwerk. Eine
gegenteilige Entwicklung konnte man allerdings in der Oberschicht und in
Bohemekreisen beobachten, wo Cannabis einen starken Zulauf hatte.
Die mitunter verheerenden Wirkungen, die das Rauchen von Hanf bei Kindern
anrichtete, verdeutlichte bspw. Wilhelm Busch (1832–1908, humoristischer
Dichter und Zeichner) in seiner Geschichte „Krischan mit der Piepe“ (s. Abb. 3),
die erstmals 1864 in Buschs Buch „Bilderpossen“ erschien.
In der Geschichte setzt sich der kleine Krischan über das Verbot seines Vaters, in
dessen Abwesenheit seine mit Hanf gefüllte Pfeife zu rauchen, hinweg. Als
Folge erlebt Krischan einen – nach heutiger Bezeichnung – schrecklichen Horrortrip
mit unheimlichen Gestalten und tanzenden Wohnungsgegenständen –
erst die Rückkehr des Vaters und der starke Kaffee der Mutter holen Krischan
wieder auf den Boden der Realität zurück.
Die aus heutiger Sicht politisch inkorrekte Gestalt eines Farbigen beim Auftreten
des Horrortrips genauso wie das Antidot Kaffee, das der Vater dem vergifteten
Kind appliziert, seien hier nur am Rande erwähnt.

Allerdings gehörte auch ein Konfekt, das aus Ahornsirup und Haschisch bestand,
in dieser Zeit zu den gerade bei Kindern beliebtesten Süßigkeiten, insbesondere
in den USA.

Mehr Infos zu

Cannabis als Medizin

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

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