Mechanischen, physikalischen, chemischen, biologischen und mikroskopischen Methoden zur Bestimmung des Fasergehaltes bei Hanf

Unter den mechanischen, physikalischen, chemischen, biologischen und mikroskopischen Methoden zur Bestimmung des Fasergehaltes haben die auf einem chemischen Aufschluss der Fasern beruhenden Verfahren die größte Verbreitung
gefunden. Als erste Schritte in dieser Richtung sind die bei Bilcescu (1965) zitierten Arbeiten von Linnik (1916), Fruwirth (1919), Weintzig und Giersch (1920) sowie Baur und Behrens (1921) zu erwähnen.

Diese Anfangsphase wurde durch Bredemann mit der Entwicklung seines im Jahre 1922 veröffentlichten Verfahrens abgeschlossen. Bredemann (1922a, b ) hat mehrere chemische Methoden zur Bestimmung des Fasergehaltes bei Hanf entwickelt. Mit Hilfe dieser Methoden kann sowohl am grünen als auch am trockenen Hanfstängel der Reinfasergehalt bestimmt werden.

Dieses einfache, aber genaue, auf einem chemischen Aufschluss beruhende Verfahren weist als grundlegenden Arbeitsgang ein doppeltes Kochen in einer schwachen NaOH- Lösung auf. 20 Jahre später entwickelte Bredemann ein neues, vervollkommnetes Verfahren, das ein intensiveres Kochen im Autoklaven vorsieht. Die Bestimmung des Fasergehaltes durch chemischen Aufschluss nach dem Bredemann-Verfahren in ihrer ursprünglichen oder leicht veränderten Form hat in der Hanfzüchtung der letzten drei Jahrzehnte fast allgemein Verbreitung gefunden.

Nach Neuer u.a. (1946) werden die Hanfstängel zur Feststellung des Bastgehaltes getrocknet, die Blütenstände abgeschnitten, die Länge gemessen und der obere und untere Stängeldurchmesser ermittelt. Die gewogenen Stängel werden zur Ablösung der Rinde vom Holzteil eine halbe Stunde in einer 0,25 %igen Natronlauge gekocht.

Bei Verlängerung der Zeitdauer reicht nach eigenen Erfahrungen Kochen in Wasser ebenfalls aus. Dann wird der Bast mit der Hand abgezogen, leicht im Wasser gespült, im Trockenschrank getrocknet und anschließend gewogen. Für die Züchtung auf
Fasergehalt sind von den Züchtern verschiedene Methoden entwickelt worden.

Die reine Hanffaser kann durch einen chemischen Aufschluss erhalten werden. Die chemischen Verfahren eignen sich auch am besten zur Entwicklung von Schnell- und Massenbestimmungsmethoden. Solche Methoden sind von Kraus und Bilz (1922 zit. bei Hoffmann, 1944 ), Bredemann (1922a, b, 1924, 1927, 1940, 1942a, b, 1952 ), Sengbuch und Schwarze (1937 zit. bei Schwarze, 1937) und Neuer u.a. (1946 ) angegeben wurden. Der Fasergehalt in einem Hanfstängel ist nicht an jeder Stelle gleich. Er ist in der Stängelmitte am höchsten und nimmt von dort zur Spitze und zur Wurzel hin ab.

Der Fasergewichtsanteil, bezogen auf den Gesamtfasergehalt, ist an der Spitze am
geringsten und nimmt nach der Wurzel hin zu. Zwischen Samen- und Faserhanf
bestehen in dieser Beziehung nur geringe Unterschiede, die durch die verschiedenen
Verholzungsgrade und die weitere Ausbildung von Sekundärfasern bei Hanf zu erklären sind (Bredemann, 1940). Der nach Bredemann (1942a, b) als praktisch erzielbar bezeichnete mittlere Hanffasergehalt von rund 25 % Reinfaser, der einer technischen Ausbeute von etwa 33 % entspricht, konnte in den Eliten mit einem 30 %igen und höheren Reinfasergehalt in Einzelfällen übertroffen werden (Bredemann, 1952, 1953). Früher haben die Bauern auf ihren kleinen Parzellen die männlichen Hanfpflanzen gesondert gerauft und für feineres Leinen (Bettwäsche, Handtücher, Bekleidung usw.) verwendet, während von den weiblichen Hanfpflanzen gröbere Leinen gewebt wurden (Säcke, Planen). Eine getrennte Ernte ist heute nicht mehr möglich.

Monözische Hanfsorten reifen gegenüber den diözischen Sorten gleichmäßiger ab, was die mechanische Ernte vereinfacht und eine bessere Faserqualität erbringt
(Bartholomäus, 1963).