Menschen zufriedener als vor der Corona-Krise

Zweifelsohne leiden zahlreiche Menschen unter den Auswirkungen der gegenwärtigen Pandemie. Und doch geht aus unterschiedlichen Studien hervor, dass das allgemeine Zufriedenheitsniveau sogar höher ist, als vor der Corona-Krise. Das Phänomen lässt sich nicht nur in Deutschland, sondern auch in anderen Staaten beobachten.

Die Wochenzeitung „Zeit“ ermittelt in Befragungen seit nunmehr drei Jahren, wie es um die Stimmung der Leserinnen und Leser bestellt ist. Zum ersten Mal konstatiert die Zeitung dieser Tage einen signifikanten Umschwung. Anders als zunächst vermutet, habe sich die Laune der Leserschaft verbessert: „Waren vor Corona im Schnitt 66 Prozent der Befragten gut gelaunt, sind es seit Mitte März mehr als 74 Prozent“. Ferner zeigen die Daten, dass die Menschen vor allem in der Hochphase des Shutdowns – am 25. März – guter Dinge waren.

Unterdessen zeigen auch universitäre Erhebungen, dass sich der Lockdown positiv auf das durchschnittliche Wohlbefinden der Bürger auswirkt. Das Team um die Psychologin Daisy Fancourt am University College London fand heraus, dass es den Briten zwar kurz vor den Ausgangseinschränkungen schlechter erging. Allerdings, so das Ergebnis, veränderte sich dies rasch zum Positiven. Zudem betonen die Forscher, dass inzwischen wieder sowohl psychisch gesunde, als auch psychisch kranke Menschen im Mittel glücklicher seien.

Reduktion von Stress

Wie die Einsendungen der Leserinnen und Leser der Wochenzeitung Zeit deutlich machen, sind zahlreiche Menschen der Überzeugung, dass der Wegfall der hektischen Betriebsamkeit eine wohltuende Wirkung entfalte. Andere betonen, dass die Krise den sozialen Zusammenhalt stärke, dass die Familie nun mehr Zeit miteinander verbringen könne, oder dass der Stillstand dringend notwendig gewesen sei.

Indes nähert sich das Stimmungsbarometer wieder dem Stand der letzten Jahre. Und dies wohlgemerkt, seit die Ausgangs- und Kontaktbeschränkungen gelockert wurden. Allerdings, so die Zeit, handle es sich lediglich um eine Momentaufnahme. Es bestehe jederzeit die Möglichkeit, dass die Stimmung in die andere Richtung kippt. Dann, wenn die Pandemie länger andauert als gedacht, oder die Auswirkungen einer Rezession weitere negative Folgen nach sich ziehen.

Eine Frage der Dauer

Der Soziologe und Buchautor Martin Schröder hat untersucht, was Menschen zufrieden macht. Seiner Meinung nach könnte das zurzeit gestiegene Gemeinschaftsgefühl verantwortlich dafür sein, dass es den Menschen bessergehe. So herrsche derzeit die Meinung vor, dass alle zusammen etwas gegen das Coronavirus tun müssen. Dadurch, so Schröder, „kann die Corona-Krise vielleicht sogar noch etwas Gutes bewirken“. Gleichzeitig warnt er jedoch davor, dass die Zufriedenheit auch rasch wieder sinken könne, nämlich dann, wenn die Isolation länger andauert.

Für den Moment scheint einiges dafürzusprechen, dass sich die Maßnahmen im Zuge der Covid-19-Pandemie sogar positiv auf das Befinden der Menschen auswirken. Allerdings gilt es auch hier, wie so oft, zu differenzieren. Es ist durchaus der Fall, dass es auch Studien gibt, die Gegenteiliges anzeigen. Wie European Scientist Ende April berichtete, kommen andere Forscher zu dem Ergebnis, dass die soziale Isolation auch eine Belastung sein könne. So konstatiert Kimberley Smith von der University of Surrey, dass Einsamkeit und soziale Isolation das Risiko für einen schlechteren Gesundheitszustand erhöhen.