Unterhaltungs- und Populäre Musik in Deutschland
Ende des 19. Jahrhunderts

Caspar David Friedrich, Der WandererDie Volksmusik war schon immer beliebt. Die Romantiker haben volkstümliche Melodien und Lieder als Quellen für ihre Kompositionen benutzt. Am Ende des Jahrhunderts erzeugte der wachsende Elitismus der Kunstmusik eine spürbare Kluft zwischen »klassische« und »populäre« Musik — am Anfang des 20. Jahrhunderts als »E-Musik« (elitäre Musik) und »U-Musik« (Unterhaltungsmusik) bezeichnet. Zu dieser Zeit wurden Volkslieder von allen gesellschaftlichen Ständen gesungen.

 

Beispiele:
 •  Volkslied: Mein Vater war ein Wandersmann oder Der fröhliche Wanderer
 •  Volkslied: Muss i denn
 •  Volkslied: Guten Abend, gute Nacht


OktoberfestUnterhaltungsmusik als lokalisierte Heimatsmusik (z.B. Wiener Wälzer, Seelieder, Städtelieder) hat viel mit der Volkmusik gemeinsam. Heimatlieder haben sich seit dem späten 19. Jahrhundert sehr wenig geändert, und sind immer noch zu bestimmten Ereignissen beliebt. Auch hiermit verbunden sind die vielen Trinklieder und Märsche, die noch heute zu lokalen Festen gespielt werden.

 

Beispiele:
 •  Trinklied: In München steht ein Hofbräuhaus
 •  Trinklied: Bier her
 •  Heimatlied: Kufsteiner Lied

 


Anfang des 20. Jahrhunderts

Ragtime-MusikerUm die Jahrhundertwende entwickelten sich in den USA neue Formen der Musik, wie Ragtime und Blues. Diese Stile sind nur selten nach Deutschland gekommen, da es die Aufnahme- und Sendetechnologie noch nicht gab. (1917 kamen die ersten Schallplatten auf den Markt in den USA; in Deutschland war es ein paar Jahre später.) Jedoch kamen langsam Berichte von Reisenden über diese neuen Musikformen, die durch den frühen 1900er Jahren sparsam in Deutschland gespielt wurden.

 

Beispiel:
 •  Ragtime: Easy Winners (Scott Joplin)

 


20er und 30er Jahre: die Weimarer Republik

 

Marlene Dietrich Nach dem ersten Weltkrieg haben die Deutschen zum ersten Mal eine richtige demokratische Regierung an die Macht gebracht. Zu dieser Zeit entwickelte sich eine Vorliebe für alles Amerikanische, im politischen Leben so wie in der Alltagskultur. So erschienen zum ersten Mal große Kaufhäuser nach amerikanischem Vorbild, Reklame und Werbung, und ein energisches Nachtleben, besonders in den großen Städten wie Berlin und München. Zum Nachtleben gehörten solche Institutionen wie Klubs, Bars, Kabaretts, Dancehalls, Vaudeville-Shows, und Revues. Musikalische Stile wie Jazz, Bigband, Swing, Musichall, Boardwalk und Balladen erhielten den Vorrang. Sehr wichtig waren die neuen Tonfilme, die oft musikalische Stücke miteinbezogen; diese Nummern wurden zu Ohrwürmer für das deutsche Publikum. Auch sehr beliebt waren Operetten (leichte Opern) und frühe Musicals, die klassische Musik mit der neuen Unterhaltungsmusik zusammenbrachten. Comedian Harmonists

 

Beispiele:
 •  1927: Dixieland: Struttin’ with Some Barbecue (Louis Armstrong)
 •  1929: Ein Freund, ein guter Freund (Comedian Harmonists)
 •  1930: Mackie Messer aus der Dreigroschenoper (Bertolt Brecht)
 •  1930: Ich bin die Christl von der Post aus Im weißen Rößl (Lucia Popp)
 •  1930: Ich bin von Kopf bis Fuß auf Liebe eingestellt aus der Blauen Engel (Marlene Dietrich)

 


30er und 40er Jahre: Krieg

 

Zarah Leander Während des Krieges war Musik nach amerikanischem Vorbild in Deutschland praktisch verboten. Jazz wurde seltener gespielt (es galt aus Musik der Schwarzen), obwohl die Öffentlichkeit es noch sehr genoss. Stattdessen wurden Volkslieder und Heimatlieder gepriesen. Auch kamen neue Balladen, die einen »deutscheren« Charakter hatten, und die unter den Soldaten im Krieg besonders beliebt waren. Militärische Märsche wurden oft im Radio und bei Versammlungen gespielt, und fanden auch einige Erfolge in den Ohren des Publikums.

Beispiele:
 •  1938: Ich brech‘ die Herzen der stolzesten Frauen (Heinz Rühmann)
 •  1939: Lili Marleen (Lale Anderson)
 •  1942: Ich weiß, es wird einmal ein Wunder geschehen (Zarah Leander)
 •  1938-45: Horst-Wessel-Lied oder Die Fahne hoch
Nazi-Versammlung

 


50er, 60er, 70er Jahre: Nachkriegszeit, Rock und Pop, Schlager

In den ersten Jahren nach dem Krieg hatte das deutsche Publikum wenig Zeit für Unterhaltungsmusik. Das, was sie im Radio hörten, kam hauptsächlich aus den USA oder England (manchmal auch aus Frankreich). Aber als das amerikanische Phänomen der Rockmusik an die Szene tritt, haben sich Deutsche enthusiastisch dafür begeistert. Neue Stile wie Rockabilly, R&B, DooWop, Soul und Folk Rock haben deutsche Musiker aufgenommen; oft wurden Cover-Versionen von berühmten amerikanischen Hits auf Deutsch gesungen. Auch beliebt wurden neue internationale Tanzstile wie der Bossanova, der Tango, usw. Andere europäische Länder wie Griechenland und Ungarn lieferten auch erfolgreiche Sänger und Stile. Hoch auf den Charts blieben aber vor allem die originalen amerikanischen und englischen Sänger; deutsche Musiker sind manchmal bis auf Platz 5 gestiegen, nur selten höher.

Mit dem Anfang der British-Invasion (Beatles, Rolling Stones, usw.) verschwanden fast alle deutschen Bands aus den Hitparaden. Komischerweise gab es kaum einen deutschen Musiker, der nach 1965 noch echte »Rockmusik« machte. Stattdessen sangen die deutschen Liedermacher Balladen, Novitäten und sogenannte »Schlager«, die nicht nur bei Jugendlichen, sondern auch bei der älteren Generationen Erfolg fanden. Diese Schlager behielten ihren exklusiven Platz in der deutschen Musikszene durch die 70er Jahre hindurch: fast alle deutschen Hits dieser Zeit sind nicht »Rock« sondern »Schlager«. Ausnahmen bilden nur diejenigen Einzelnen, die avantgardistische oder ungewöhnliche Musik machten, wie die neuen elektronischen Bands und die (sehr wenigen) deutschen Country-Sänger. Hier muss aber auch erwähnt werden, dass eine Handvoll deutscher Liedermacher wie Udo Lindenberg und Marius Müller-Westernhagen von den 70er Jahren bis heute sehr erfolgreich geblieben sind.

 

Bands der 50er, 60er und 70er
Beispiele:
 •  1956: So geht das jede Nacht (Freddy Quinn)
 •  1956: Tiritomba (Margot Eskens)
 •  1959: Ich bin ein Mann (Ted Herold)
 •  1959: Souvenirs (Bill Ramsey)
 •  1961: Weiße Rosen aus Athen (Nana Mouskouri)
 •  1963: Schuld war nur der Bossa Nova (Manuela)
 •  1967: Meine Liebe zu dir (Roy Black)
 •  1973: Der kleine Prinz (Bernd Clüver)
 •  1974: Hey Boss, ich brauche mehr Geld (Gunther Gabriel)
 •  1974: Waterloo, deutsche Version (ABBA)
 •  1975: Autobahn (Kraftwerk)
 •  1979: D.I.S.C.O (Ottawan)

 


80er Jahre: Neue Deutsche Welle

Tatsächlich war deutsche Musik lange Zeit mit Schlagermusik gleichzusetzen. Die Jugendlichen hörten lieber englischsprachigen Rock und Pop, die meisten deutschen Bands machten Schlager oder Volksmusik. Dies änderte sich plötzlich anfangs der 80er Jahre, als die Neue Deutsche Welle (NDW) aufkam. Plötzlich wurde überall deutsche Rocklieder gesungen, und deutsche Bands fanden erstaunlichen Erfolg in den Hitparaden; sie haben sogar Erfolg in den USA gehabt. (Die NDW hat nur wenig mit dem englischsprachigen »New Wave« zu tun, obwohl es zur selben Zeit populär wurde.) Die Texte der NDW-Lieder waren meist witzig und machten sich oft über den deutschen Schlager lustig. Sie waren in der Regel naiv, albern oder zumindest lustig. Viele Bands dieser Zeit interessierten sich für elektronische Musik und Keyboards. Das Phänomen der NDW dauerte nur ein paar Jahre (bis 1986 war es schon vorbei) aber lieferte eine Menge deutsche Hits, die noch heute von allen Jugendlichen sofort erkannt werden. Zur NDW gehören die meisten Bands der frühen 80er Jahren, aber es gab immerhin einige Ausnahmen, wie z.B. den sehr populären Sänger Herbert Grönemeyer, der vom Anfang der 80er bis ins neue Jahrtausend großen Erfolg in den Charts fand.

 

Beispiele:
 •  1981: Hurra, Hurra die Schule brennt (Extrabreit)
 •  1982: Da Da Da (Trio)
 •  1982: Engel 07 (Hubert Kah)
 •  1983: Major Tom (Peter Schilling)
 •  1983: 99 Luftballons (Nena)
 •  1985: Rock Me Amadeus (Falco)
Bands der 80er

 


Bands der 90er90er Jahre: Techno und Hip-Hop

In den späten 80er und frühen 90er Jahren war es schon wieder schwierig, deutsche Musiker in den Charts zu finden. Einige deutsche Bands wurden mit englischsprachigen Liedern erfolgreich, aber meistens kaufte das deutsche Publikum wieder amerikanische und britische Bands. Mitte des Jahrzehnts begann sich das zu ändern: zuerst mit deutschen Cover-Versionen von älteren Hits, und dann mit neuen Formen wie Techno und Hip-Hop. Heute hört man in deutschem Radio neben den internationalen Stars auch viele deutsche Hip-Hop-Bands, die manchmal mit amerikanischen Rapsängern zusammenarbeiten. Auch berühmt sind einige deutsche Girl- und Boy-Bands, die moderne Einflüsse (Rave, Drum&Bass, Rap) in ihren Hits einarbeiten.

 

Beispiele:
 •  1994: Ich hab‘ den Sheriff Erschossen (Böser Abdul)
 •  1994: Eins Zwei Polizei (Mo-Do)
 •  1997: Du hast (Rammstein)
 •  1997: Freisein (Xavier Naidoo)
 •  1998: Dein Herz schlägt schneller (Fünf Sterne Deluxe)
 •  1999: Heut‘ ist mein Tag (Blümchen)
 •  1999: Ich will Spaß (Phillip)

Musik im Nationalsozialismus war die Musik im Deutschen Reich von 1933 bis 1945, also während der nationalsozialistischen Herrschaft. Die Definition einer eigenständigen nationalsozialistischen Musikästhetik gestaltet sich schwer. Für politische Hintergrundinformationen siehe Kunst im Nationalsozialismus und Reichskulturkammer.

Organisationen des Regimes

Bereits in der Weimarer Republik setzte sich der „Kampfbund für deutsche Kultur“ (KfdK) für die neue Ideologie und eine Unterdrückung nonkonformer Künstler ein. Neben der Organisation von Tagungen, Vorträgen und Bilderstürmen hetzte der KfdK in seinen Presseorganen gegen Künstler und Schriftsteller wie Kästner, Tucholsky, Mann, Brecht, Klee, Kandinsky, Schwitters, das Bauhaus, Nolde, Toller, Zweigund viele weitere. Zudem tat sich der KfdK nach dem Machtwechsel bei der Gleichschaltung des Kulturlebens besonders hervor; zu nennen sind Namen wie Gustav Havemann oder Hans Hinkel.

Ab dem 22. September 1933 kontrollierte die Reichskulturkammer (RKK) unter der Präsidentschaft von Joseph Goebbels das deutsche Kulturleben im Rahmen der allgemeinen Gleichschaltung von politischen und gesellschaftlichen Strukturen. Die RKK war in 7 Einzelkammern unterteilt und wachte über die Arbeitsbedingungen in den ihr unterstellten Zweigen, die Eröffnung und Schließung von Betrieben und inhaltliche Bestimmungen über die Gestaltung von Kunstwerken; es bestand eine Mitgliedspflicht aller Kulturschaffenden in einer der Einzelkammern. Diese Pflicht kam einem Berufsverbot aller „Nichtarier“ und als „Kulturbolschewisten“ ausgegrenzten nicht-regimekonformen Künstler gleich; ihnen blieb fast ausnahmslos die „äußere“ oder „innere Emigration“: das Exil oder der Rückzug ins Privatleben.

Eine zweite Aufgabe der RKK sah Goebbels darin, die deutsche Musik von allen jüdischen und ausländischen Einflüssen zu säubern und die sogenannte „Entartete Musik“ aus der Öffentlichkeit zu verbannen. So wurden jüdische Künstler in den „Kulturbund Deutscher Juden“ gezwungen, welcher 1942 schließlich aufgelöst wurde.

Die Reichsmusikkammer, größte aller Einzelkammern, kontrollierte die gesamte Musikerschaft. Geleitet wurde sie zunächst vom „Reichsmusikdirektor“ Richard Strauss, welcher 1935 nach Anfeindungen der NSDAP „aus gesundheitlichen Gründen“ sein Amt niederlegen musste. Strauss’ Stellvertreter Furtwängler trat aufgrund seines gescheiterten Einsatzes für den Komponisten Paul Hindemith und des Aufführungsverbotes der Oper Mathis der Maler bereits 1934 zurück und wurde durch Paul Graener ersetzt.

Mitglied des Präsidialrats war bis 1935 das führende KfdK-Mitglied Gustav Havemann, welcher wegen seiner Unterstützung für Hindemith bei Goebbels in Ungnade fiel und abgesetzt wurde.

Unterhaltungsmusik

Die U-Musik wurde nie rigoros der NS-Doktrin unterworfen – vergleichbar nur der Architektur dieser Zeit – sie hatte einen von Goebbels gewünschten Spielraum. Da sich eine gleichgeschaltete Musik nicht durchsetzen ließ, waren für die Unterhaltungsmusik Anleihen an den Swing gestattet, dieser wurde aber mit anderen Begriffen bezeichnet und durfte nie mit englischen Texten versehen sein.

Die Anti-Jazz Rundfunksendung „Vom Cakewalk zum Hot“ sollte mit „besonders eindringlichen Musikbeispielen“ abschreckend wirken, erreichte aber das Gegenteil und half wider Willen bei der Verbreitung der verpönten Musik.So war auch Swingtanzen nie verboten, obwohl das oft kolportiert wird. Die U-Musik hatte den Auftrag zu unterhalten und abzulenken. Hitler, der sich eher als Baumeister sah, hat sich zur Musik nur unverbindlich geäußert. Sein Musikgeschmack war zwischen Richard Wagner und dem Schwarzwaldmädel angesiedelt und ließ viele Auslegungen zu. Formal verboten war der Jazz lediglich in Thüringen(schon vor der Machtergreifung), in Bamberg und Passau. Die weltweit erste Jazzklasse des Hoch’schen Konservatoriums in Frankfurt am Main wurde 1933 aufgelöst. Im Besonderen zur Zeit der Olympischen Spiele 1936 gastierten viele Jazzmusiker in der Hauptstadt. Deutschlands Schallplatten-Industrie, damals die größte in Europa, produzierte durch Verträge gebunden und auch aus Devisengründen Musik der vom Regime unerwünschten Art und trug so zu deren Verbreitung bei.

Die durch das Verbot der jüdischen Musik und der „entarteten Nigger-Musik“ entstandene Lücke in der populären Musik, im Besonderen in den Großstädten Berlin und Hamburg, wussten etliche Musiker geschickt zu nutzen indem sie, wie etwa Teddy Stauffer, die Stücke mit deutschen Titeln versahen und so die Streifen – später besonders die HJ-Streifen – in einem Versteckspiel zu überlisten versuchten. Da die Nazis den Swing bzw. Jazz nicht wirklich zu identifizieren wussten, fiel den Swing-Anhängern das Tarnen solcher Musik nicht allzu schwer. Erst die aufgedeckte Verbindung einiger Mitglieder der Swing-Jugend zu politisch aktiven Kreisen (etwa die Weiße Rose) in der Endphase des Regimes brachte etliche Personen – von den Nazis diffamierend so genannte Swingheinis – in die Gestapo-Haft (z. B. Emil Mangelsdorff) bzw. in Jugendlager, etwa in das KZ Uckermark für weibliche Jugendliche und das KZ Moringen für männliche Jugendliche. Legende geworden sind die Konzerte in den Pavillons an der Binnenalster in Hamburg. Ihnen ging aber jedes politisch bewusste Engagement ab.

  • Filmmusik. Der um 1930 aufgekommene Tonfilm wurde vom NS-Regime bzw. der NS-Propaganda konsequent zur Verbreitung seiner Ideen genutzt; er hatte als „Gutelaune-Macher“ Freiräume. Viele der populären Schlager wurden für dieses Medium geschaffen.
  • Wunschkonzert für die Wehrmacht. Etliche Künstler (wie Claire Waldoff) konnten in dieser beliebten Sendung auftreten, obwohl sie verpönt oder bei Goebbels unbeliebt waren. Es ging darum, gute Stimmung zu erzeugen; dafür wurden strenge Maßstäbe aufgeweicht.

Komponisten 

  • Michael Jary: Das kann doch einen Seemann nicht erschüttern (1939), Ich weiß, es wird einmal ein Wunder gescheh’nDavon geht die Welt nicht unter (beide 1942)
  • Peter Kreuder: Musik, Musik, Musik (Ich brauche keine Millionen, 1939), Goodbye Johnny (1939)
  • Herms Niel: Im Rosengarten von SanssouciErika (Auf der Heide blüht ein kleines Blümelein)
  • Norbert Schultze: Lili Marleen (1938), Bomben auf EngellandVon Finnland bis zum Schwarzen Meer (1941)

Interpreten

  • Hans Albers
  • Lale Andersen
  • Willi Berking
  • Freddie Brocksieper
  • Comedian Harmonists
  • Kurt Hohenberger
  • Peter Igelhoff
  • Zarah Leander
  • Marika Rökk
  • Rudi Schuricke
  • Teddy Stauffer
  • Wilhelm Strienz
  • Franz Thon
  • Claire Waldoff
  • Ilse Werner
  • Die Goldene Sieben

Propaganda

  • Charlie and His Orchestra Mr Goebbels Jazzband
  • Hans Brückner, Autor und Herausgeber der Zeitschrift Das Deutsche Podium
  • ungarische Volksmusik hinter dieser Umschreibung verbarg sich die Zigeunermusik; sie war sehr beliebt. siehe auch Romamusik
  • Django Reinhardt Es ist eine Legende, dass er durch einen jazzliebenden SS-Offizier vor der Deportation geschützt wurde. Er spielte unbehelligt in Paris (Nordfrankreich war von Juni 1940 bis Herbst 1944 unter deutscher Besatzung)
  • Schnuckenack Reinhardt

E-Musik

Musikwissenschaft in der NS-Zeit

Noch immer nicht vollständig erforscht ist die Rolle der Musikwissenschaft im Dritten Reich. Nach der Zwangsentlassung jüdischer Wissenschaftler übernahmen vielerorts überzeugte NSDAP-Mitglieder oder Gesinnungsgenossen die Institute und führten sie als willige Kunstvollstrecker im Sinne des Regimes. So fälschte etwa der Musikwissenschaftler Wolfgang Boetticher als Mitarbeiter im Sonderstab Musik im Einsatzstab Reichsleiter Rosenberg Schumann-Briefe an Mendelssohn im Sinne der faschistischen Ideologie. Die Musikwissenschaftler Theophil Stengel und Herbert Gerigk veröffentlichten das Lexikon der Juden in der Musik. Joseph Müller-Blattau übernahm eine Professur für Musikwissenschaft in Frankfurt am Main. Weitere Beispiele für nationalsozialistische Musikwissenschaftler sind Robert Haas und Ernst Buecken. Seit 1933 SA-Mitglied, arbeitete er für die Forschungsgemeinschaft Deutsches Ahnenerbe der SS über das Germanische Erbe in deutscher Tonkunst. 1936 spielte er eine unrühmliche Rolle bei der Entfernung von Wilibald Gurlitt durch den nationalsozialistischen Rektor der Universität Freiburg/Breisgau. 1937 wurde er zum Nachfolger Gurlitts berufen.

Musiker

  • Werner Egk
  • Wilhelm Strienz
  • Elisabeth Schwarzkopf
  • Norbert Schultze

Dirigenten

  • Karl Böhm
  • Wilhelm Furtwängler
  • Eugen Jochum
  • Herbert von Karajan
  • Hans Knappertsbusch
  • Clemens Krauss
  • Richard Strauss

Während des Dritten Reichs uraufgeführte Werke

  • Werner Egk, Die Zaubergeige (1935), Olympische Festmusik (1936), Oper Peer Gynt (1938)
  • Ernst Pepping, 3 Symphonien (1939, 1942, 1944)
  • Gottfried Müller, Kantate Führerworte (1944)
  • Hermann Reutter, Doktor Johannes Faust (1936)
  • Paul Höffer, Olympischer Schwur (1935), Kantate Lob der Gemeinschaft (1937)
  • Carl Orff, Carmina Burana (1937)
  • Winfried Zillig, Das Opfer (1937)
  • Heinrich Sthamer, 6. Symphonie (1937)
  • Norbert Schultze, Schwarzer Peter (1936), Das kalte Herz
  • Rudolf Wagner-Régeny, Der GünstlingDie Bürger von Calais (1939)
  • Mark Lothar, Schneider Wibbel (1938)
  • Wolfgang Zeller, Kantate Der ewige Wald
  • Heinz Schubert, Hymnisches Konzert (1939)
  • Herbert Windt, Filmmusik Triumph des Willens (1935), Olympia (1938)
  • Franz Schmidt, Deutsche Auferstehung (1939/1940)
  • Richard Strauss, Olympische Hymne (1936)
  • Hans Pfitzner, Krakauer Begrüßung (1943)

ferner:

  • Hugo Distler
  • Cesar Bresgen
  • Max Gebhard

Komponisten in „innerer Emigration“

  • Wilhelm Petersen
  • Anton Webern
  • Karl Amadeus Hartmann
  • Josef Matthias Hauer

Entartete Musik

  • Die Ausstellung “Entartete Musik” fand am 24. Mai 1938 in Düsseldorf im Rahmen der Reichsmusiktage statt, hatte allerdings weniger Resonanz als die gleichgeartete Bilderausstellung in München.

Sondermeldungsfanfare

  • Die erste Sondermeldungsfanfare, die sogenannte „Frankreich-Fanfare“, entsprach dem Anfang von Die Wacht am Rhein. Die spätere (ab Ende Juni 1941) „Russland-Fanfare“ stammte aus Franz LisztsSinfonischer Dichtung für Orchester Nr. 3 Les Préludes.

Musik im KZ

In nahezu allen nationalsozialistischen Lagern gab es Musik als Teil des Häftlingsalltags. Eines der ersten Lagerorchester entstand in Dachau. Offiziell organisiert in Lagerkapellen und Chören, beim Singen auf Befehl (als Schikane, Verspottung und zur psychischen Zerstörung der Gefangenen), aber auch inoffiziell in kleineren Musikensembles, illegalen Konzerten und dem Singen verbotener Lieder. Darüber hinaus wurden zahlreiche KZ-Lieder komponiert, welche zum Teil in den offiziellen Lieder-Kanon der KZ aufgenommen wurden, etwa die Lagerhymne vom KZ Buchenwald, das Moorsoldatenlied aus dem KZ Börgermoor, das Dachaulied oder das „Lied vom heiligen Caracho“ aus dem Lager KZ Sachsenhausen.

Besonders ausgeprägt war das Musik- und Kulturleben in Theresienstadt, wo Viktor Ullmann und andere Komponisten tätig waren. In Auschwitz gab es seit Januar 1941 ein Männerorchester, sowie eine Lagerkapelle in Auschwitz-Birkenau unter der Leitung von Szymon Laks und das von Alma Rosé gegründete Mädchenorchester.

Eine Besonderheit stellt die Kinderoper Brundibár dar. 1938 von Hans Krása komponiert, wurde sie im jüdischen Kinderheim in Prag uraufgeführt. Nach seiner Deportation 1942 in das KZ Theresienstadt schrieb er die Partitur aus dem Gedächtnis nieder. Dort wurde die Oper 55 mal gespielt, wobei die Rollen immer wieder neu besetzt werden mussten, da viele Darsteller in Vernichtungslagern endeten. Der Propagandafilm „Theresienstadt“ verwendete einen Ausschnitt aus der Oper, um Zweiflern Normalität vorzutäuschen. Krása, wie fast alle anderen Darsteller auch, wurde kurz darauf in Auschwitz ermordet.

Weitere Musiker im KZ

  • Herbert Zipper
  • Karel Ančerl
  • Karel Berman
  • Peter Deutsch
  • Pavel Haas
  • Gideon Klein
  • Hans Krása
  • Leo Strauss
  • Rafael Schächter
  • Wilhelm Heckmann
  • Viktor Ullmann
  • Esther Bejarano
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