Nachhaltigkeitschecks im Rahmen von vergleichenden Warentests?

Der Begriff der Nachhaltigkeit ist ebenso umfassend wie schillernd. In der inhaltlichen Dimension umfasst er
soziale, wirtschaftliche und ökologische Gesichtspunkte, wobei die Aktivitäten der heute Lebenden die Handlungsfreiheit
kommender Generationen nicht begrenzen sollte. Betrachtet man die Nachhaltigkeit von Waren, so
umfasst der Begriff – neben den vorgenannten inhaltlichen Dimensionen – in zeitlicher Hinsicht deren Herstellung,
Nutzung und Entsorgung.
Es ist im Rahmen von vergleichenden Warentests regelmäßig nicht möglich, die Nachhaltigkeit eines Produkts im
vorgenannten umfassenden Sinne zu untersuchen und zu bewerten. Abgesehen von den Schwierigkeiten einer
inhaltlichen Definition im Detail, würde ein solcher Ansatz am Ressourcen- und Zeitbedarf scheitern, der mit der
Warenvielfalt und deren begrenztem Angebotszeitraum nicht in Einklang zu bringen wäre.
Möglich sind jedoch in Bezug auf eine Vielzahl von Aspekten eines nachhaltigen Produkts vergleichende, also
relative Aussagen im Rahmen eines vergleichenden Produkttests. Diese schließen Untersuchungen der Herstellungsphase
(in Hinblick auf alle drei Dimensionen der Nachhaltigkeit) ebenso ein wie die Nutzungsphase. Die
Bedingungen der Herstellung eines Produkts können durch Befragungen der Anbieter und Inspektionen der Fertigungsstätten
untersucht und bewertet werden. Während der Nutzung bestimmen nicht nur klassische UmweltParameter
wie Energie- und Ressourcenverbrauch die Nachhaltigkeit eines Produkts, sondern auch dessen Funktion,
Haltbarkeit und Sicherheit sowie die Information des Nutzers zum richtigen Gebrauch. Dies wird an mehreren
Beispielen demonstriert. So führt die unzureichende Reinigungswirkung von Waschmitteln dazu, dass Textilien
schnell unansehnlich und ausgemustert werden. Aber auch unzureichende Information des Verbrauchers über den
Einsatz von Waschmitteln hat ähnliche Folgen: Farbige Textilien leiden beim Einsatz eines Vollwaschmittels
ungleich stärker als wenn ein Colorwaschmittel verwendet würde. Unsichere Produkte gefährden die Sicherheit von
Verbrauchern und können unter Umständen langfristige wirtschaftliche Folgen für den Einzelnen oder die
Gesellschaft haben. Schließlich bestimmt die Haltbarkeit vieler Produkte entscheidend deren Verwendungsdauer.
Eine frühe Außerbetriebnahme bedeutet einen vorzeitigen erneuten Bedarf an Ressourcen für die Herstellung des
Ersatzes.
Demgegenüber können über die Entsorgung von Produkten in vergleichenden Warentests nur wenige Aussagen
getroffen werden, da sie erst in der Zukunft stattfinden wird und in der Regel nicht in der Verantwortung eines
einzelnen Anbieters erfolgt. Mögliche Untersuchungsgegenstände sind jedoch die recyclinggerechte Konstruktion,
die Materialvielfalt und die Schadstoffbelastung von Materialien.

Der Lebenszyklus des Genussmittels Kaffee

Das Genussmittel Kaffee ist eines der weltweit bedeutendsten Agrarprodukte. In Österreich und Deutschland, aber
auch in vielen anderen Ländern, beträgt der Pro-Kopf-Jahreskonsum über 150 Liter. Die Kaffeepflanze,
insbesondere ihre Varietät Arabica, ist sehr anspruchsvoll hinsichtlich der Klima- und sonstigen Umgebungsbedingungen.
Der Klimawandel und seine regionalen Folgen wirken sich bereits in vielen Anbauregionen negativ
auf Mengen und Qualitäten des geernteten Kaffees aus. Daher ist es ein wichtiges Anliegen des Hamburger Kaffeerösters
und Handelsunternehmens Tchibo, kontinuierlich das Wissen um die Umweltwirkungen von Kaffeeanbau
und -verarbeitung zu erweitern. Denn nur auf Basis eines fundierten Wissens können zielgerichtete
Maßnahmen zur umweltbezogenen Optimierung der Wertschöpfungsketten erarbeitet werden. Vor diesem Hintergrund
erstellte Tchibo im Rahmen des deutschen PCF Pilotprojekts einen Product Carbon Footprint (PCF) für die
Privat Kaffee Rarität Machare aus Tansania. In der „Besten Schätzung“ ergab sich ein Wert von knapp 60 g CO2
pro Tasse Kaffee. Ein wesentliches Ergebnis in diesem Zusammenhang: die Hot Spots der Treibhausgasemissionen
sind der Kaffeeanbau sowie die Kaffeezubereitung durch den Endverbraucher. Auf Basis dieser Erkenntnisse
initiierte das Unternehmen eine Reihe von zielgerichteten Maßnahmen. Bezüglich des Kaffeeanbaus und der
Rohkaffeeverarbeitung wurden verschiedene unternehmensübergreifende Projekte zur Erarbeitung und
Disseminierung von klimaschonenden und klimaadaptierten Verfahren und Methoden gestartet. Darüber hinaus
wurde im Verbund der Sustainable Agriculture Initiative ein Projekt zur Erarbeitung einer einheitlichen Produktgruppenregel für die Bilanzierung des Product Carbon Footprint von Rohkaffee initiiert. Hinsichtlich des
zweiten Hot Spots der Treibhausgasemissionen, der Kaffeezubereitung, arbeitet Tchibo kontinuierlich an einer
weiteren Reduktion des Energieverbrauchs seiner Kaffeemaschinen. Hinsichtlich der Kaffee-Sortimente ist
ambitionierte Ausweitung des Anteils nachhaltig angebauter Kaffees integraler Bestandteil der Tchibo Geschäftsstrategie.
Darüber hinaus setzt sich das Unternehmen auch übergeordnet für die Förderung des Nachhaltigen
Konsums ein, zum Beispiel im Rahmen der Plattform Klimaverträglicher Konsum Deutschland (Folgeorganisation
des PCF Pilotprojekts). 

Irrwege der Nachhaltigkeitspolitik und Alternativen

Irrwege der Nachhaltigkeitspolitik stellen leider nicht die seltene Ausnahme dar. Im Gegenteil: in der neoliberalen
Welt von Privatisierung, Deregulierung und Liberalisierung wird „Nachhaltigkeit“ immer mehr zur
Geschäftemacherei, zum Aufhänger für Abzocke, die nachhaltig die Taschen einiger Akteure füllt. Den Autoren
und Autorinnen des Berichtes an den Club of Rome zu den „Grenzen des Wachstums“ ist zuzustimmen, wenn sie
im Vorwort des 2004 veröffentlichten zweiten Update-Report dieses Berichtes feststellen, dass „die Menschheit die
vergangenen 30 Jahre weitgehend verschwendet hat“ und ein Kurswechsel nicht stattgefunden hat.
In der Klimapolitik findet man gleich eine ganze Reihe von sehr fragwürdigen Beispielen. Offsetting ist eine
moderne Form des Ablasshandels, die Umweltverschmutzung durch Zahlung einer Prämie scheinbar aus der Welt
schafft. Die Förderung von Biotreibstoffen (sie ist in EU Richtlinien verankert) ist nicht nur ein Beitrag zur
Förderung des Hungers in der Welt, trägt nicht nur zur beschleunigten Abholzung von Regenwäldern bei, sogar die
Klimabilanz ist möglicher Weise negativ. Mit Kohlenstoffabscheidung und -speicherung (Carbon Capture and
Storage, CCS) und Geo-Engineering steuert die Klimapolitik in die völlig falsche Richtung.
Während existierende Systeme der Umweltinformation für Verbraucher vernachlässigt (EU Umweltzeichen) oder
sogar verschlechtert (EU Energiekennzeichnung) werden, wird die Kennzeichnung auf der Basis Life Cycle
Assessment (LCA) massiv gefördert, obwohl nicht nur die ausgewiesenen Zahlen höchst fragwürdig sind, sondern
auch eine klare Orientierung für Verbraucher fehlt. Studien, die für die europäische Verbraucherorganisation ANEC
durchgeführt wurden, zeigen, dass LCA zwar ein brauchbares Instrument zur Orientierung ist, jedoch weder
belastbare Zahlen liefert, noch methodenbedingt eine umfassende Umweltbewertung ermöglicht. In der täglichen
Praxis (Regelsetzung, Umweltinformation) sind messbare bzw. überprüfbare Indikatoren (z. B. Energieverbrauch
einer Waschmaschine) wesentlich sinnvoller.
Zahlenspiele dieser Art gibt es auch im Bereich der Nachhaltigkeitsberichterstattung, die sich an den Richtlinien
der Global Reporting Initiative (GRI) orientiert. Die GRI-Indikatorenwerte sind vielleicht eine gute Dekoration,
ermöglichen aber weder Vergleiche noch Benchmarking. Deshalb scheinen sie auch im Kreise der Konzerne so
beliebt zu sein.
Corporate Social Responsibility (CSR) ist (überwiegend) eine weitere Ausprägung des Prinzips Grünwäsche. Im
Kern geht es aber nicht um unternehmerische Verantwortung, sondern um Verhinderung von Regulierung,
Marketing und Geschäft mit Pseudo-Nachhaltigkeit.
Über wirkliche Nachhaltigkeit wird nicht gesprochen: die Notwendigkeit, konsumbezogene Stoff- und Energieströme
drastisch zu reduzieren (z. B. durch Ausweitung der Nutzungsdauer von Geräten).

Natur als Vorbild? Ansätze der Industrial Ecology

Die Industrial Ecology ist ein junges, rasch aufstrebendes Forschungs- und Handlungsfeld mit einer dynamischen
Entwicklung seit etwa 25 Jahren, weltweit und auch in Deutschland. Im Vergleich zu anderen Ansätzen, Konzepten
und Disziplinen in den Umwelt- und Nachhaltigkeitswissenschaften (Sustainability Sciences) verfügt die Industrial
Ecology über eine vergleichsweise kurze Entwicklungsgeschichte. Und aufgrund ihrer disziplinübergreifenden
Wurzeln mit Anleihen aus den Ingenieur- und Naturwissenschaften einerseits und Wirtschafts- und
Sozialwissenschaften andererseits sind ihre spezifischen Konturen noch im Entstehen begriffen. Doch auch wenn
die Herausbildung eines eigenständigen wissenschaftlichen Profils insgesamt erst am Anfang stehen mag, so hat
sich mittlerweile in der scientific community und in der einschlägigen Fachliteratur eine durchaus solide
Grundstruktur herausgebildet.
Gemäß dem Denken in der Industrial Ecology ist es dabei nicht nur wichtig, effizienter mit Rohstoffen und
Energieträgern umzugehen sowie die Knappheit der Natur zur Aufnahme von Emissionen und Abfällen besser zu
handhaben. Hier würde nämlich der Blick einseitig darauf verengt bleiben, Ressourcen nur mehr zu schonen und
Abfälle zu verringern, also die Natur als Objekt eines nachhaltigen Wirtschaftens zu behandeln. Statt als Objekt ist
es aber auch möglich, sie als ein Vorbild für das Management, d. h. als entwicklungsfähiges Überlebenssystems, zu
betrachten. Solch einen Perspektivenwechsel von der Natur als Objekt des Wirtschaftens hin zu ihrem – partiellen –
Vorbild für das Management skizziert den Pfad, den die Industrial Ecology im eigentlichen Sinne auf den Weg
bringen will.
Wirtschaften nach dem Vorbild von Ökosystemen, kreislauforientiert, ressourceneffizient, nachhaltig und
zukunftsfähig, das ist das Ziel der Industrial Ecology. Es geht um den Umstieg auf regenerative Stoff- und Energiequellen,
um Recycling und Vermeidung nicht verwertbarer Abfälle, um die Optimierung von Industrieanlagen,
Produkten, Dienstleistungen und Wertschöpfungsketten im Sinne einer qualitativen und quantitativen Einbettung
von Stoff- und Energieströmen in die Naturkreisläufe, ganz im Sinne einer Konsistenzstrategie.
Praktische Schritte zur Verwirklichung dieses Leitbilds erfordern schonungslose Problemanalysen, gangbare
Lösungswege sowie vor allem den Mut und Schwung zur Überwindung von Systemträgheiten. Mittlerweile gibt es
auf verschiedenen Systemebenen, beim Einsatz von Stoffen und Energie, bei der Produkt- und Prozessgestaltung,
auf Unternehmensebene sowie in räumlichen Verbundstrukturen, zahlreiche Erfolg versprechende Beispiele,
weltweit und in Deutschland. Der Beitrag vermittelt dazu einen aktuellen Überblick.

Vermittlung des Themas „Nachhaltigkeit“ und eine daraus resultierende Neuorientierung
der Warenwissenschaften

Nachhaltigkeit (NH) zu vermitteln ist eine ziemliche Herausforderung, dies aus zweierlei Gründen. Einerseits
aufgrund der zu vermittelnden Komplexität der ökologischen und sozialen Systeme und ihrer Wechselwirkungen,
für die es Wissen aus mehreren Disziplinen braucht, und andererseits aufgrund des im Nachhaltigkeitskonzept
genuin enthaltenen normativen Anspruchs. Durch die UNESCO-Dekade „Bildung für Nachhaltige Entwicklung“
(BNE) von 2005-2014 erhielt die Vermittlung von NH neue und wichtige Impulse vor allem in Bezug auf eine
Etablierung des Themas in Schulen und in der LehrerInnenausbildung. Explizit warenkundliche Themen kommen
darin leider kaum vor. Ein anderer Weg der Vermittlung von NH ist die derzeit entstehende Teildisziplin
„Nachhaltigkeitskommunikation“ im Bereich der Medien- und Kommunikationswissenschaften (früher Publizistik).
Zielgruppen sind vorrangig Journalisten zum Einen und Unternehmen und deren Nachhaltigkeitsreports zum
Anderen. Auch hier nehmen Produktinformationen im Vergleich zu Marketing und PR einen relativ geringen Anteil
ein. Nicht nur an Schulen, auch an Hochschulen und Universitäten, wird NH – wenn überhaupt – meist ohne einen
Bezug zu Gütern vermittelt und verbleibt daher häufig auf einer eher abstrakten Ebene bezogen auf das
Alltagshandeln (vielleicht ist deshalb noch keine signifikante Änderung im Umgang mit Gütern erkennbar). In der
Warenkunde Nachhaltigkeit – und damit verbundene Änderungen im Sinne eines nachhaltigen Konsums bzw. einer
Suffizienzkultur – zu vermitteln wird hingegen nur dann gelingen, wenn sich die Warenkunde/wissenschaft klar von
Marketing und PR abgrenzt.
Wenn NH der Warenwissenschaft eine neue Grundorientierung geben soll, dann muss die Warenwissenschaft zu
einem Weniger an Ressourcen- und Energieverbrauch und damit zu einem Weniger an Gütern beitragen. Das steht
möglicherweise im Widerspruch zur bisherigen Orientierung der Warenkunde, bspw. als Instrument, den Umsatz im
Handel durch Steigerung der Anzahl der verkauften Artikel zu steigern. Weniger Güter zu verkaufen muss aber
nicht unbedingt zu einem Umsatzeinbruch führen. Umsätze können auch mit Services (bspw. Reparaturen,
Beratung, Umtausch, Garantien) aber auch mit anderen Formen des Güter-zur-Verfügung-Stellens gehalten oder gar
gesteigert werden. Beispiele und neuartige Geschäftsmodelle der Güterbewirtschaftung gibt es viele (Loop- oder
Lake-Economy).
Eine Orientierung der Warenwissenschaft am NH-Konzept heißt weniger, dass die Warenkunde NH vermittelt,
sondern vielmehr, dass sie zu den im Sinn der NH erforderlichen Änderungen des Konsumverhaltens beiträgt. Dies
kann gelingen, wenn sie einerseits durch entsprechende Informationen die Souveränität der KonsumentInnen
(Produkt- und Bedürfniskompetenz) erhöht und andererseits das Vertrauen der Konsumenten in den Handel stärkt.
Dies kann gelingen, indem sich die WarenwissenschaftlerInnen und der Handel bzw. VerkäuferInnen als
RepräsentantInnen der KonsumentInneninteressen verstehen und im Zuge dieser (neuen?) Rolle zwischen
Bedürfnissen der Menschen und Güterherstellern bzw. Serviceanbietern vermitteln. Ergebnis könnten bspw. mehr
qualitativ hochwertige Güter, das Aufdecken geplanter Obsoleszenz und das Ausschließen kurzlebiger Güter,
vermehrte Wartungs-, Wiederbefüllungs-, Reparatur- und Leihservices usf. sein. Damit kann langfristig
nachweislich der Güterkonsum und die resultierenden Abfallberge reduziert werden.
Sich der NH als Idee eines „kulturellen Gegenentwurfs“ (Lucia Reisch, 2003) zu verpflichten, hieße für die
Warenwissenschaft, ihre bisherigen Paradigmen in Hinblick auf deren Nachhaltigkeitskompatibilität zu prüfen bzw.
zu verändern. Diese Änderungen können, ja müssen vermutlich tiefgreifend sein, soll sich die Warenwissenschaft/Warenkunde
als eine der Nachhaltigkeitswissenschaften etablieren.

Ein anderes Wirtschafts- und Technikwissen brauchen wir

Handhabbares Wissen zu Wirtschaft wird heute in den Bildungssystemen unzureichend vermittelt. Abstrakt und
vor allem auf betriebliches Geschehen und „den Markt“ bezogen, bleibt dieses Wissen den Menschen fremd. Dazu
kommt, sozialkundliche und politische Bildung wird ohne Wirtschaft, Technik wird ohne Gesellschaft, und
Wirtschaft wird ohne Technik vermittelt. Isolierte Gegenstandsbereiche führen zu einer partiellen Wahrnehmung
ohne umfassendes Verständnis und letztlich zu einem passiven, konsumtiven Bürgerverständnis. Werden sie als
jeweils eigenständiger Bereich gesehen, bleiben sie abgetrennt von alltäglicher Wirklichkeit.
Mit einer Refokussierung auf den Menschen als Verbraucher, der in einem Haushalt lebt und wirtschaftet und
dabei ununterbrochen mit technisch und wirtschaftlich verwoben Handlungsräumen zu tun hat, könnte das anders werden. Insbesondere dann, wenn Menschen lernen, daß sie als Bürger ihre Umwelt, damit Wirtschaft und Technik
gestalten können.
Wenn über Wirtschaft und Technik gesprochen wird, muß von einem kritischen und emanzipierten Umgang mit,
und einer souveränen Handlungsfähigkeit gegenüber Technik, ihren Strukturen und Artefakten (also den Technikprodukten)
und gegenüber Wirtschaft, die diese Technik herstellt und vermarktet, um damit Erträge zu erzielen,
die Rede sein.
Der wirtschaftliche Grundriß, die wirtschaftliche Absicht muß im Blickfeld bleiben. Produkte entstehen aus
wirtschaftlichen Interessen, auch Edison entwickelte die Glühbirne nicht aus purer Menschenliebe, sondern um
damit ein Geschäft zu machen, um Geld zu verdienen. Wirtschaftliche Aktivitäten sind tief in der sozialen Sphäre
verankert, entwickeln jedoch dann ein Eigenleben.
Im Vortrag sollen einige Grundbausteine zur Verflochtenheit von Technik und Wirtschaft angesprochen werden,
dabei soll für einen interdisziplinären Zugang plädiert werden, welcher die Menschen in den Mittelpunkt stellt.

Nachhaltiger Konsum – Kompetenzerwartungen in einer schulischen
Verbraucherbildung

Der Beitrag beschäftigt sich damit, welche Kompetenzen in einer schulischen Verbraucherbildung im Kontext
nachhaltiger Konsumentscheidungen erworben werden sollten. Die Ausgangsthese ist, dass Verbraucherbildung in
der Schule in ein Fach Wirtschaft zu integrieren ist, weil ökonomische Kompetenzen die Basis für nachhaltige
Konsumentscheidungen sind. Dieser Zusammenhang lässt sich einmal an den tradierten Zielen einer klassischen
Verbraucherbildung aufzeigen, in deren Mittelpunkt eben Fähigkeiten stehen, die rationale Kaufentscheidungen
erlauben. Zum anderen steht im Fokus der ‚Consumership Education‘ nicht die Wahrnehmung einer individuellen
Verantwortung für die Umwelt, sondern eine Nutzung der Verbrauchermacht gegenüber den Anbietern, um eine
nachhaltige Produktion zu erzwingen – eine klassische volkswirtschaftliche Herangehensweise. Beide
Argumentationslinien verweisen auf eine Wirtschaftsbildung.
Da also Konsumentenkompetenzen in erster Linie als ökonomische betrachtet werden, erfolgt eine systematische
Darstellung in Anlehnung an neue Standards ökonomischer Bildung. Nach ihr lassen sich alle Kompetenzanforderungen
einem der folgenden Bereiche zuordnen:
– Entscheidung und Rationalität
– Beziehung und Interaktion
– System und Ordnung
Da Nachhaltigkeit per Definition aber ein interdisziplinär zu verstehendes Thema ist, und da ihre Umsetzung
außerdem nicht von einem Bewusstseins- und Einstellungswandel zu trennen ist, können kognitive, ökonomische
Kompetenzen nur die Basis, nicht aber alle Kompetenzfacetten einer nachhaltigen Konsumentscheidung abdecken.
Stattdessen müssen motivationale und volitionale Bereitschaften berücksichtigt sowie Einstellungen und Werte
kontrovers diskutiert werden. Da sich diese Kompetenzen nicht standardisieren lassen, sind geeignete
Unterrichtsmethoden zu finden, um sie in den Fachunterricht zu integrieren. Die unterschiedlichen Fachperspektiven
der Nachhaltigkeitsdiskussion können dann z. B. in curricular zu explizierenden Lerninseln zusammengeführt
werden.

Bionik in der Normung — Das Projekt ISOBIONIK im DIN

Als Querschnittsthema besitzt die Bionik bereits seit langem einen Platz in Wissenschaft
und Forschung. Um Bionik als eigenes internationales Normungsthema auf die Agenda zu
setzen, hat der Verein Deutscher Ingenieure (VDI) in Zusammenarbeit mit dem Deutschen
Institut für Normung e. V. (DIN) das Projekt ISOBIONIK gestartet.
In der Bionik geht es darum, Anregungen aus der Natur zu verstehen und technisch
anzuwenden. Die Umsetzung bionischer Erkenntnisse in die technische Nutzung gestaltet
sich oft schwierig, denn für ingenieurwissenschaftlich geprägte Entwickler und Konstrukteure
sind die Möglichkeiten der Bionik oftmals nicht bekannt oder schwer
zugänglich. Um diesem Umstand entgegen zu wirken wurde begonnen, die verschiedenen
Aspekte der Bionik systematisch zu beschreiben, mit dem Ziel, eine gemeinsame Sprache für Naturwissenschaftler
und Ingenieure zu entwickeln. Die Ergebnisse der bisherigen Arbeit können weltweit nur zu einer Umsetzung
gelangen und gewinnbringend in die Industrie eingebracht werden, wenn entsprechende Normungsarbeiten
möglichst zügig auf internationaler Ebene angegangen werden. Bereits veröffentlichte VDI-Richtlinien können
dabei als Ausgangspunkt in der Diskussion um den deutschen Standpunkt in die internationale Normung eingebracht
werden.
Eine zentrale Aufgabe des ISOBIONIK-Projektes ist eine Profilschärfung der Bionik. Dies soll durch global
akzeptierte Definitionen und Festlegung von geeigneten Kriterien zur Abgrenzung bionischer Produkte von Produkten
anderer Fachdisziplinen erreicht werden. Die Arbeiten sollen in einem neuen Technischen Komitee bei der
Internationale Organisation für Normung (ISO) koordiniert werden. Ein deutscher Spiegelausschuss wurde bereits
innerhalb des Normenausschusses Materialprüfung (NMP) im DIN etabliert. Für die ersten internationale
Normungsprojekte wurden von deutscher Seite folgende Schwerpunktthemen definiert:
– Abgrenzung von bionischen und konventionellen Verfahren.
– Erarbeitung von Normen, die funktionale bionische Oberflächen, bionische Werkzeuge und bionische
Strukturen und Materialien beinhalten.
– Erarbeitung von Normen, die bionische Optimierung, evolutionäre Algorithmen und bionische
Informationsverarbeitung beinhalten.
Im Herbst dieses Jahres ist die Gründungssitzung des internationalen Gremiums geplant, um die Interessenlage zu
diesem Thema in anderen ISO-Mitgliedsländern festzustellen. Wer sich in Deutschland für die künftige Bioniknormung
interessiert, kann sich an den Normenausschuss Materialprüfung (NMP) im DIN wenden.

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