Nutzhanfanbau in Deutschland

In der EU werden Hanf, Flachs und Baumwolle als Faserpflanzen angebaut. Der Anbau von Faserhanf stellt in der Pflanzenproduktion der EU nur eine Randerscheinung dar. Von der gesamten Ackerfläche der EU dürften im Jahr 1995 in Frankreich, Spanien, Großbritannien und in den Niederlanden zusammen 8.000 ha für die Erzeugung von Hanffasern zur Verfügung gestanden haben. In den letzten 30 Jahren hat der Anbau von Faserhanf in der EU stark abgenommen. Die Anbauflächen fielen von 23.600 ha (1956:1960) auf 3.000 ha (1988:1991). Geographisch betrachtet war der Hanfanbau in den letzten 40 Jahren auf Frankreich, Italien und Spanien konzentriert ( Bredemann u.a., 1961; Brodersen und Drescher, 1996).

In Frankreich, als einzigem westeuropäischen Land mit nennenswerten Anbauflächen, ist 1991 erstmalig die Anbaufläche wieder gestiegen, und zwar von 3.000 auf 4.000 ha (FAO, 1991). 1993 wurden bereits wieder 5.850 ha Hanf angebaut ( Gsell, 1993). Der durchschnittliche THC-Gehalt der in Frankreich kultivierten Hanfsorten liegt zwischen 0,1 und 0,2 % (Gsell, 1993). Seit mehr als 50 Jahren wurde in Großbritannien kein Hanfanbau mehr betrieben. Dieser war seit 1971 gesetzlich verboten. 1993 wurde der Anbau erstmals über die Vergabe einer Lizenz ermöglicht (Low, 1995), wobei 1993 in Großbritannien 600 ha und 1994 800 ha Hanf angebaut wurden, und zwar in East Anglia in der Grafschaft Essex (nordöstlich von London).
Seit 1994 wurde in Spanien, Frankreich und England Faserhanf kommerziell angebaut.

In diesen Ländern ist ein zunehmendes Interesse an der Nutzung der Hanfpflanze zu beobachten, welches sich in der Ausweitung der Hanfanbauflächen und der Entwicklung neuer Produktlinien zeigt. In Ländern wie den Niederlanden, Belgien, Irland und der Schweiz wurde erwogen, 1994 oder 1995 den Hanfanbau wieder aufzunehmen. Laut Thomson (1994 zit. bei Herer, 1994) wurde in der Schweiz bereits 1994 erstmals wieder Hanf angebaut, der für die Herstellung technischer Textilien Verwendung finden sollte.

Die Entwicklung des Hanfanbaus von 1980 bis 2000

In Deutschland wurden um 1880 etwa 150.000 ha Hanf angebaut. Bis 1878 sank die Hanfanbaufläche auf 21.238 ha. Im Jahre 1915 lag die Anbaufläche bei nur noch unbedeutenden 417 ha. Der stetigen Rückgang der Hanfanbaufläche in Deutschland Ende des 19. und Anfang des 20. Jahrhunderts, bis der Hanfanbau 1915 praktisch zum Erliegen kam. Während der beiden Weltkriege wurde der Hanf in Deutschland zum Kriegsgewinnler (Herer, 1994 ). Abgeschnitten von den überseeischen Importfasern Baumwolle, Jute, Sisal und Ramie besann man sich wieder auf den Hanf und verbesserte Anbau-, Ernte- und Nutzungstechniken.

Über die sog. Kotonisierung gelang es, aus den langen Hanffasern einen kurzfaserigen, hochwertigen Baumwollersatz herzustellen. In den zwanziger Jahren gab es Überlegungen, die gesamte Baumwolleinfuhr durch kotonisierte Hanffasern zu ersetzen. Dazu wäre eine Anbaufläche von etwa 1 Million ha notwendig gewesen (Gminder, 1924 zit. bei Karus, 1995).