Ökonomie der Hanffaser – Qualität und Quantität

Fasergehalt und Faserqualität von Hanf

Es werden drei Kategorien von Naturfasern unterschieden: pflanzliche, tierische und mineralische Fasern, wobei alle pflanzlichen Fasern aus Zellulose bestehen Pflanzliche Naturfasern werden in Samenfasern (z.B. Baumwolle, Kapok), Bast- oder Stängelfasern (z.B. Flachs (Lein), Hanf, Jute, Ramie) und Blatt- oder Hartfasern (z.B. Sisal, Manila, Kokos) unterteilt. Die Weich- oder Stängelfasern zeichnen sich dabei durch eine hohe Festigkeit, aber eine geringere Dehnbarkeit aus.

Der Hanffasergehalt wird im wesentlichen von der Stängellänge bestimmt und variiert je nach Anbaubedingungen (Hoffmann u.a., 1985). Er hängt stark vom Geschlechtstyp ab. Unter den Qualitätsmerkmalen spielt der Anteil an Lang- und Kurzfasern die wichtigste Rolle (Hoffmann u.a., 1985).

Da die Ausbeute an Langfasern hauptsächlich vom Anteil der Primärfaserbündel abhängt, kann sie durch Auslese auf Primärbast gesteigert werden.

Die langgestreckten Faserbündel von Hanf, die sich aus längeren und kürzeren, durch Zellulose verdickten Faserzellen zusammensetzen, sind in der Rinde, dem sogenannten Bast des Hanfes, eingelagert.

Die Faserbündel beim Hanf umschließen den Holzteil ringförmig und durchziehen den gesamten Spross bis in die Stängelspitze. Die primären Faserzellen erreichen eine Länge von bis zu 20 mm. Menge-Hartmann und Höppner (1995) fanden bei den Hanfsorten ‚Felina’ im Mittel 7 und bei ‚Kompolti Hibrid TC’ 8 Primärfaserschichten.

Die gesamten Primärfaserschichten erreichten im Anbaujahr 1993 eine Dicke von bis zu 223 μm bei ‚Felina’ und 240 μm bei ‚Kompolti Hibrid TC’. Im Jahr 1992 lagen diese Werte niedriger mit 192 μm bei ‚Felina’ und 200 μm bei ‚Kompolti Hibrid TC ’. Im Kambium werden noch die die Stängelstabilität erhöhenden sekundären Faserbündel – hauptsächlich im unteren Stängelbereich – angelegt. Die kürzeren Fasern, die sogenannten sekundären Fasern, können eine Länge von ca. 2 mm erreichen. Das Ausmaß der Sekundärfasern ist im wesentlichen sortenabhängig.

Zur Fasergehaltsbestimmung sind Verfahren notwendig, die den Bastteil vom Holzteil trennen und die Faserbündel aus dem sie umgebenden Gewebe herauslösen (Heuser, 1927).