Papier aus Hanf

Eine echte Alternative zum Abholzen unserer Wälder

Das erste Papier wurde 105 v. Chr. in China von Cai Lun hergestellt, und zwar aus einer Mischung aus Maulbeeren, Baumrinde, Reste von Hanftüchern und alten Fischernetzen. Heute werden ca. 80 % des Hanfpapiers für Zigarettenpapier und andere spezifische Anwendungen produziert, aber es könnte potenziell vielseitiger eingesetzt werden: als robuste Pappe, für Lebensmittelverpackungen, Sanitärartikel sowie zum Filtern und Absorbieren. In der Vergangenheit wurde Hanfpapier für eine ganze Bandbreite an Alltagsgegenständen einschließlich Banknoten, Bankschuldverschreibungen und Briefmarken verwendet.

Reife Hanfstängel enthalten viel Zellulose, genauer gesagt 65–70 % (Holz enthält ca. 40 %, Flachs 65–75 % und Baumwolle bis zu 90 %) und benötigen nur 5 Monate, um zu reifen. Der hohe Zelluloseanteil gepaart mit dem schnellen Wachstum – wenige Monate statt mehrerer Jahre wie bei Waldholz – bedeutet bei industrieller Produktion bis zu viermal mehr Zellstoff pro Hektar als bei einem ausgewachsenen Wald.

Darüber hinaus kann Hanfpapier 7–8 Mal recycelt werden, Holzzellstoffpapier hingegen lediglich 3–5 Mal. Hanfpapier kann auch ohne giftige Chemikalien gebleicht werden, indem man Wasserstoffperoxid oder besser noch Sauerstoff, Ozon, Persäuren oder Polyoxometallate nutzt. Obwohl die Nachfrage nach Hanfpapier stetig wächst, ist die Großproduktion von Hanfpapier unter den gegenwärtigen wirtschaftlichen Bedingungen keine wettbewerbsfähige Alternative, da die Zellstoffpreise sehr unterschiedlich sind. Grund dafür sind Subventionen für die Holzzellstoffindustrie, Skaleneffekte und nachteilige Gesetze in Bezug auf die Nutzung der gesamten Hanfpflanze.

Was kann die EU tun ?

Obwohl Spezialpapiere immer beliebter werden, könnte Hanfpapier auch für andere Zwecke verwendet werden, wenn die Gesetzeslage angepasst wird und eine blühende grüne Hanfwirtschaft entsteht. Um die Ökobilanz von europäischem Hanfpapier über das gegenwärtige Niveau weltweit hinaus anzuheben, braucht es mehr F&E, um für das Rösten und die Zellstoffproduktion neue natürliche Methoden ohne giftige Chemikalien zu entwickeln. Höhere Produktionsstandards werden heute von den Verbrauchern wie von großen Interessengruppen gefordert.