Rund um Museen Kultur

Bildungsunterstützende Arbeiten mit Kindern und Jugendlichen – Mit Kindern ins Museum? Was es wirklich bringt

Kinder erhöhen ihr kulturelles Kapital, wenn sie Museen oder Theater besuchen. Aber verbessern sich auch ihre schulischen Leistungen dadurch? Eine Studie aus England kommt zu einem verblüffenden Ergebnis.

Kinder im Museum. Sie sitzen vor Gemälden, zeichnen Skulpturen, lauschen den Erklärungen der Vermittler, Kuratoren und Museumspädagogen. Besonders in britischen Museen sieht man fast immer Gruppen mehr oder weniger interessierter Schüler beim Zusammenstoß mit der Hochkultur. Das könnte sich ändern, falls einer Studie geglaubt wird, die gerade im „British Journal of Sociology of Education“ zu lesen ist. Denn Museumsbesuche bringen nichts – jedenfalls keine signifikant besseren Schulnoten.

In dieser Hinsicht sei es ebenso sinnlos, Kinder zum Besuch von Theateraufführungen wie zur Besichtigung historischer Stätten zu nötigen. Auch wenn bildungsnahe, meist wohlhabendere Eltern gemeinsam mit ihren Kindern Ausstellungen anschauen oder klassische Konzerte hören, färbe es weniger als erwartet auf die schulischen Fähigkeiten der Sprösslinge ab. Der französische Sozialphilosoph Pierre Bourdieu hatte die Auffassung vertreten, dass Schüler aus besser gestellten sozialen Schichten über einen größeren Bestand an kulturellem Kapital verfügen und dass es innerhalb der Familien von Generation zu Generation weitergegeben und in günstigere schulische Leistungen umgewandelt wird.

Es sei verlockend zu glauben, heißt es in der Studie, „dass die Erhöhung des Niveaus des kulturellen Kapitals der Schüler einen positiven Einfluss auf die schulischen Ergebnisse haben wird.“ Es sei auch verlockend, „die Theorie aufzustellen, dass Besuche von Museen oder historischen Stätten hilfreich sein könnten, um das Interesse an Geschichte zu wecken, und dass Theaterbesuche in ähnlicher Weise das Lernen im Bereich Drama fördern könnten“.

Bei näherer Betrachtung sei es aber schwierig, plausible Mechanismen zu erkennen, nach denen die Teilnahme an bestimmten außerschulischen Aktivitäten die Ergebnisse in bestimmten Schulfächern beeinflussen würde. Kurzum: Das im Sinne von Pierre Bourdieu in Museen und Theatern zwar reichlich erworbene kulturelle Kapital poliert nicht automatisch die Noten der Schüler auf.

Die empirischen Ergebnisse der Studie könnten auch nicht die Ansicht stützen, dass wachsendes kulturelles Kapital das Ausmaß der Ungleichheiten zwischen den sozialen Schichten bei den schulischen Ergebnissen verringern würde. Damit solle nicht behauptet werden, dass außerschulische Ausflüge nicht zur Freude an der Bildung beitragen könnte. Wenn es den Schulen jedoch ernst sei mit dem Abbau von Bildungsungleichheiten, dann gebe es eine „klare und umsetzbare Botschaft für Politik und Praxis“. Ein Fazit der Studie lautet: „Schulen sollten sich also besser auf die Förderung von Lesetätigkeiten konzentrieren.“

Ähnliches gilt wohl auch für die Eltern. Seit längerer Zeit sei bekannt, dass das gemeinsame Lesen mit den Kindern positive Effekte hat. Und das sollen nun auch die Ergebnisse der aktuellen Studie unterstreichen. Verfasst wurde sie von der Soziologin Sarah Stopforth von der University of Sussex und ihrem Co-Autor, dem Sozialstatistiker Vernon Gayle von der Universität Edinburgh: „Die empirischen Analysen vermitteln die wichtige Botschaft, dass die Verpflichtung zu anspruchsvoller kultureller Aktivität nicht so bedeutsam ist, dass Leseaktivitäten dagegen aber Einfluss haben.“

Pädagogen bleibt somit die Erkenntnis, dass sie Bildung hauptsächlich in der Schule vermitteln müssen. Und allen anderen die Erinnerung an eine Studie des University College London, die im Jahr 2019 erhoben wurde. Demnach lebt wenigstens länger, wer häufig ins Museum oder ins Theater geht.