Seile aus Hanf

Für Seile kamen oft die gleichen Materialien wie für die Netzherstellung zum Einsatz, zum Beispiel Lindenbast, Flachswerg, Weidenrinde, Hanf oder Brennnessel, aber auch für die heutigen Vorstellungen exotische Materialien wie Frauenhaarmoos . Etwas skeptisch stehe ich der Nennung von Eichenbast als Rohstoff für Schnüre, Leinen und Seile gegenüber. Für die Fertigung selbst starker Seile mit bis zu 4 cm Stärke wurde Lindenbast nachgewiesen. Natürlich kann auch ich als Fischer mir Seile aus Lindenbast anfertigen, für an dieser Technik Interessierte Leute ich hier einen Besuch im Roskilde Wikingerschiffsmuseum empfehlen.

Dort arbeitet der meiner Ansicht nach derzeit beste Fachmann für Lindenbastseile, Herr Ole Magnussen, welcher die besten, mit der Hand gedrehten Seile anfertigt. In der Vorgeschichte gab es aber vermulich auch einfache Hilfsmittel zur Seilherstellung, so wurde beispielsweise die eisenzeitliche Technik der Seilherstellung mittels Webbrettchen erwogen. Die Herstellung von Seilen mit dieser Technik wird in der Hallstattzeit vermutet. Apropos Brettchentechnik, für diese Technik ist Frau Silvia Crumbach vom Verein «Projekte zur lebendigen Geschichte.

Ich experimentiere derzeit mit der römischen Seilerspindel, deren Anwendung auf einem römischen Grabrelief aus der römischen Hafenstadt Ostia zu sehen ist. Diese Seilerspindel, welche im Prinzip einer zeitgenössischen gewöhnlichen römischen Handspindel in überdimensionierter Form gleicht, ist das einzige, mir bekannte überlieferte Seilerreigerät des antiken Roms. Im Prinzip ähnelt diese Technik schon der Herstellung dreisträngigen Seile mit der Warbel. Wenn ich mir die Größe der römischen Seeschiffe, deren Bedarf an schwerem Tauwerk und deren Flottenstärke einerseits, das zum Bau von mehrstöckigen Gebäuden, Aquädukten oder auch nur zum Betrieb der Hafenkräne benötigte schwere Tauwerk andererseits vorstelle, muss es doch auch zu dieser Zeit noch andere Techniken als die Seilerspindel gegeben haben.

Vielleicht liege ich ja auch völlig falsch und diese Spindel diente auch nur der Herstellung von Garnen für die Seilerei mit schwererem Gerät, welches nicht überliefert ist. Pferdeschweifhaar fand sogar bis zur Einführung der Synthetikfaser noch Verwendung als Material zur Herstellung von Fischernetzunterleinen.