Taliban wollen internationale Anerkennung

Der Opiumanbau ist seit langem die Haupteinnahmequelle der Taliban. Jetzt wollen sie ihn bestrafen. Das Regime erhofft sich davon internationale Anerkennung – doch die Not vieler Bauern könnte sich verschärfen. Abdul Rahman führt auf seinen Feldern in der Nähe von Kandahar im Süden Afghanistans Opiumpflanzen ein. Seit Jahrzehnten ist die Gegend ein Anbaugebiet für Opium, aus dem Heroin hergestellt wird.

„Wenn die Taliban jetzt den Opiumanbau verbieten, dann müssen sie uns beim Wandel helfen. Die Welt muss uns auch helfen“, sagte er. Auch die Familie von Mohamad Taj baut seit 28 Jahren Opium an. Jetzt soll Schluss sein: Die Taliban haben den Opiumanbau verboten. Taj hat 25 Familienmitglieder zu ernähren und sein Land ist gepachtet. Opiumanbau ist seine Haupteinnahmequelle.

Anfang April kündigte die Taliban-Regierung die sofortige Vernichtung von Ernten an. Wer sich nicht daran hält, wird bestraft. Doch seitdem ist auf den Feldern bei Kandahar nichts passiert. „Wenn wir nicht weiter ernten können, haben wir ein Problem“, sagt Rahman, ein Bauer. „Nach 20 Jahren Bürgerkrieg sind alle verschuldet.

Wie sollen wir unsere Kinder ernähren?“

Anbauverbot soll Anerkennung bringen

Der Opiumanbau war die Haupteinnahmequelle der Taliban während des Bürgerkriegs. Internationale Beobachter gehen davon aus, dass sie allein im Jahr 2020 etwa 20 Millionen US-Dollar einnahmen. Schon einmal hatten die Taliban den Anbau von Opium bei Strafe untersagt, als sie zwischen 2000 und 2001 Afghanistan regierten. Ajai Sahni ist Geschäftsführender Direktor des Instituts für Konfliktbewältigung in Neu-Delhi, das Daten zu Drogenanbau und -handel in Südasien erhebt.

«Das Ziel des Opiumverbots der Taliban ist, der Anerkennung durch die internationale Gemeinschaft näherzukommen. « Das ist für die Taliban sehr wichtig, weil dann Gelder fließen können», erklärt er. «Bislang geht die internationale Hilfe nicht an die Taliban, sondern über UN-Organisationen direkt an die Afghanen.

Verstärkung der Synthetikdrogen-Schwemme?

Abdul Haq Akhondzada ist als stellvertretender Innenminister der Taliban für Drogenpolitik zuständig. Der Opiumanbau und -handel sei eine sehr wichtige Einnahmequelle für die Taliban als aufständische Gruppe gewesen, sagt Experte Ajayi Sahni aus Neu-Delhi. Für die Taliban-Verwaltung versiege diese Einnahmequelle jetzt.