The Squid Game – Wahnsinn oder Realität

In “The Squid Game” (Das Tintenfischspiel) werden koreanische Kinderspiele zu einem Drama. Warum ist diese Serie so beliebt? Diese südkoreanische Produktion ist eine intensive Allegorie auf unsere Gegenwart und unsere stark wettbewerbsorientierte und ungleiche Gesellschaft.

Manche vergleichen diese Produktion mit Titeln wie “Die Tribute von Panem” oder “Der schwarze Spiegel”. Tatsächlich ist das Narrativ ähnlich. Hwang Dong-Hyuk, der Regisseur und Schöpfer dieser Produktion, erklärt jedoch, dass er das Drehbuch für The Squid Game bereits 2008 geschrieben hatte, es ihm aber zu gewalttätig und nicht kommerziell genug erschien. Er beschloss, es in einer Schublade zu lassen.

Erst vor Kurzem wurde ihm bewusst, dass die heutige Welt in vielerlei Hinsicht tödlich ist. Plötzlich machte die Geschichte, die er vor mehr als zehn Jahren geschrieben hatte, Sinn. Er präsentierte sie Netflix und hatte Erfolg.

Was macht “The Squid Game” so erfolgreich?

“The Squid Game” erzielte sehr schnell großen Erfolg und zählt zu den meistgesehenen Serien auf Netflix. In sozialen Netzwerken sehen wir ständig Bilder, Memes und Hinweise auf diese Produktion. Viele warten bereits auf die zweite Staffel, die jedoch derzeit nicht vorgesehen ist.

Aber warum hat diese Serie so viel Aufsehen erregt? Was zieht so viele Zuschauer auf der ganzen Welt in den Bann? Die Handlung scheint auf den ersten Blick einfach und interessant zugleich.

Seong Gi-hun ist ein Mann mittleren Alters, der mit mehreren persönlichen Dramen zu kämpfen hat. Er sieht seine Tochter kaum noch und ist hoch verschuldet bei Kredithaien. Irgendwann trifft er an einem Bahnhof einen ganz besonderen Menschen.

Dieser Mann macht ihm einen Vorschlag, um seine finanzielle Situation zu verbessern. Gi-hun überlegt es sich und stimmt schließlich zu. Kurz darauf wird er in einem Fahrzeug abgeholt, wo er bewusstlos geschlagen wird. Er wacht mit anderen Menschen in einem Lagerhaus auf und trägt einen nummerierten Trainingsanzug.

Eine Fabel über die moderne kapitalistische Gesellschaft

“The Squid Game” ist viel mehr als eine gewalttätige Überlebensübung. Es ist eine Fabel über moderne Gesellschaften, Konkurrenzdenken und auch Klassenunterschiede. In gewisser Weise erinnert die Serie an den hochgelobten Film “Parasite“.

Wir leben in einer Welt, in der eine kleine Elite obszön reich ist und alle andere ihr Leben um des Geldes willen verlieren. Es ist einfach, sich mit den Protagonisten dieser Produktion zu identifizieren. Genau das wollte der Schöpfer erreichen: Die Charaktere sollen uns vertraut sein, um alle unterschiedlichen Profile in unserer Umgebung wiederzuerkennen.

Es ist leicht, sich in die Hauptdarsteller einzufühlen, während sie in einem dystopischen Szenario gefangen sind. Wie einer von Dantes Höllenkreisen, in denen niemand zu überleben scheint.

Die Spiele sind einfach, die Organisation komplex

Die Spiele folgen einfachen Regeln und sind leicht zu verstehen. So können wir unsere Aufmerksamkeit darauf richten, wie sich die Charaktere entwickeln, wie sie sich verbünden, wie sie sich gegenseitig verraten…. Doch unser Blick kann nicht anders, als auf die Verlierer gerichtet zu sein. Oft haben wir das Gefühl, dass niemand gewinnt, was die Entwicklung der Serie noch dramatischer und interessanter macht.

Außerdem können wir nicht umhin, auf die Organisation der Spiele selbst zu verweisen. Sie erinnert uns sehr an eine Ameisengesellschaft. “The Squid Game” wird von maskierten Männern betrieben, die sich durch verschiedene Muster auf ihren Masken voneinander unterscheiden.

Diejenigen, die einen Kreis tragen, sind die untersten Arbeiter. Die dreieckige Maske steht für die bewaffneten Soldaten und das Quadrat für die Aufseher und Anführer, die alles kontrollieren.

Auf der anderen Seite ist es erwähnenswert, dass das Tempo und die Atmosphäre perfekt sind, ebenso wie das Drehbuch selbst und die Regie. Trotz der Angst und Gewalt haben wir als Zuschauer das Bedürfnis, die nächste Folge zu sehen.

“The Squid Game” und das Stanford-Prison-Experiment von 1971

Die Serie von Hwang Dong-Hyuk führt uns zurück zu zwei sehr spezifischen theoretischen und psychologischen Konzepten. Einerseits haben wir die klassische Nullsummenspieltheorie. Bei diesem Ansatz werden die Gewinne oder Verluste eines Teilnehmers durch die des anderen Spielers ausgeglichen. Mit anderen Worten: Im Leben gibt es nur Gewinner und Verlierer und das begünstigt das Gleichgewicht der Gesellschaft.

Andererseits muss man beim Betrachten von “The Squid Game” unweigerlich an das berühmte Experiment von Philip Zimbardo aus dem Jahr 1971 denken. Dieser Psychologe konnte in seinem kontroversen Rollenspiel im Keller der Universität Stanford zeigen, dass Güte manipuliert werden kann: Manchmal werden wir zu Sklaven oder Gefangenen, wenn wir bestimmte Regeln nicht infrage stellen können.

Abschließend lässt sich sagen, dass diese Serie nicht nur das Verständnis der südkoreanischen Gesellschaft fördert. Sie zwingt uns auch dazu, über viele Aspekte dieser komplexen und zunehmend dystopischen Welt nachzudenken.