Tiere in Zoos und Tierparks

Was guckst du ?

Tiere im Zoo stehen ständig unter Beobachtung. Zwar sind viele Tiere auch neugierig und an Besuchern interessiert; doch sie leiden auch unter allzu aufdringlichen Annäherungsversuchen. So sollte man besonders Gorillamännchen höchstens kurz direkt in die Auge sehen.

Wie aber kommen die Tiere eigentlich mit dieser ständigen Aufmerksamkeit zurecht? Fühlen sie sich dadurch nicht gestört? «Die Gefühle anderer Lebewesen exakt zu beurteilen ist extrem schwierig», sagt die Psychologin Jana Uher von der Freien Universität Berlin. Schon beim Menschen stoße die Wissenschaft da oft an ihre Grenzen, von Tieren ganz zu schweigen. Was man aber gut beobachten könne, seien Änderungen im Verhalten.

Koalas halten Störenfriede im Auge

Jeroen Stevens von der Königlichen Gesellschaft für Zoologie in Antwerpen und seine Kollegen haben zum Beispiel das Verhalten der Seehunde im Antwerpener Zoo analysiert. Diese Meeressäuger sind sich offenbar durchaus darüber im Klaren, wie groß ihr Publikum ist. Wenn ihnen viele Menschen sehr nahe kommen oder die Besucher reichlich Lärm machen, sind sie deutlich wachsamer als normalerweise. «Auch für viele Affenarten kann zu viel Nähe ein Problem sein», sagt Primatenexpertin Jana Uher.

Vor allem Gorillas sind da sehr empfindlich – und ausgerechnet die massigen Gruppenchefs reagieren besonders sensibel. Denn diese sogenannten Silberrücken sind geborene Beschützer.

Aufdringliche Annäherungsversuche

Ständig klopfen Menschen an die Scheiben oder machen andere aufdringliche Annäherungsversuche, die sie in der Wildnis wohl kaum wagen würden. «Manche Leute freuen sich dann noch, dass sie eine gute Show geboten bekommen», sagt Jana Uher kopfschüttelnd. Gestresst reagieren Zoobewohner allerdings nicht nur, wenn ihnen das Publikum zu nahe auf den Pelz rückt. «Wir Menschen sind die einzige Art, die einen intensiven Blickkontakt als etwas Positives interpretiert», erklärt Jana Uher.

Tiere verstehen so etwas dagegen als unverhohlene Drohung. Einen fremden Hund anzustarren ist daher keine gute Idee. Und auch die nächste Verwandtschaft des Menschen hat für einen tiefen Blick in die Augen nichts übrig.

Affen beobachten aus dem Augenwinkel

«Wenn man mit Affen arbeitet, merkt man das ganz deutlich», sagt Jana Uher. Da schauen die Tiere überall in der Gegend herum – nur nicht auf den Wissenschaftler, der sie zum Mitmachen bei irgendeiner Aufgabe bewegen will. Auf menschliches Publikum, das ihnen ständig ins Gesicht schaut und ihnen auch noch die Kamera direkt vor die Nase hält, sind die Tiere daher nicht eingerichtet. Wenn Jana Uher solche Zusammenhänge erklärt, findet sie bei Zoobesuchern nicht immer Verständnis.

Vor allem nicht von Fremden. «Was darüber hinausgeht, wirkt auch auf uns Menschen oft bedrohlich», sagt die Psychologin.

Irritierende Blickkontakt

«So bekommt man mindestens genauso viel mit, stresst die Tiere aber weniger», weiß die Forscherin aus eigener Erfahrung. Wie gut das klappen kann, hat eine ihrer Kolleginnen beim Silberrücken Ivo im Berliner Zoo beobachtet. Begegnungen mit Menschen müssen also nicht in jedem Fall in Stress ausarten. Richtiges Verhalten vorausgesetzt, können Besucher sogar Abwechslung in den Alltag der Zoobewohner bringen.

«Viele Tiere haben durchaus Interesse daran, Menschen zu beobachten», betont Jana Uher.

Manche Affen wollen einfach ihre Ruhe haben

Die sind schließlich nicht nur besonders soziale Tiere, sondern können auch die menschliche Körpersprache gut interpretieren. Nur gilt das eben nicht für alle Affen. «In jeder Gruppe gibt es besonders sozial eingestellte Mitglieder und andere, die lieber ihre Ruhe haben», erklärt Jana Uher. «Es ist deshalb sehr wichtig, dass sich die Tiere auch zurückziehen können», betont die Forscherin.

Raubkatzen

Teilweise haben Forscher keine Hinweise darauf gefunden, dass Geparde, Löwen, Leoparden, Tiger oder Schneeleoparden ihr Verhalten von Besuchern abhängig machen.

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