Wenn Katzen sich selbst verletzen

Langeweile, Überforderung, Stress, Einsamkeit, Angst – nebenkörperlichen Ursachen wie Allergien oder Schmerzen sind nicht seltenauch seelische Probleme Anlass für die krankhaften Verhaltensweisen.Wenn Tierarzt und Heilpraktiker nicht mehr weiter wissen, bleibtFrauchen und Herrchen oft nur der Anruf beim Tierpsychologen. Dannsind schnell nach wenigen Sitzungen mehrere Hundert Euro fürprofessionelle Hilfe fällig. Doch wer sein Tier liebt, greiftnotgedrungen auch schon mal tiefer in die Tasche.

Auch Tiere müssen zum Psychologen

Ursachen für krankhafte Verhaltensweisen von Haustieren gibt esviele, wie Elisabeth Krause, Vorsitzende des Verbandes derHaustierpsychologen, zu berichten weiß. „Die Rollenbilder undAufgaben von Haustieren haben sich in den vergangenen Jahrzehntenstark verändert“, sagt die Expertin. Immer häufiger müssen die Tieresoziale Aufgaben erfüllen, die sie überfordern – etwa als Partner-Ersatz bei Singles und Senioren oder als Kinder-Ersatz bei Familien.“Zudem würden die Tiere oft vermenschlicht und nicht artgerechtgehalten. Der Gesundheit zuliebe sei es daher wichtig, den Tieren dieGelegenheit zu geben, auch Tier zu sein.

Aus der Sicht der Münsteraner Tierpsychologin Miriam Goertz sindauch veränderte Familienstrukturen Auslöser für krankhafteVerhaltensweisen. „Sich ändernde Strukturen im direkten Umfeldstellen Haustiere vor große Herausforderungen“, sagt Goertz. Sowürden etwa sensiblere Katzen schnell unter Einsamkeit leiden, wennbeide Eltern tagsüber arbeiten und die Kinder in Ganztagsschulensind. Inwiefern sich der geänderte Tagesablauf nachteilig auf diePsychen und damit auch auf die Gesundheit der Tiere auswirkt, seiaber immer auch eine Charakterfrage. „Deshalb muss jede Behandlungindividuell auf den Patienten zugeschnitten werden.“ Außerdem sei esunverzichtbar, durch Untersuchungen des Tierarztes medizinischeUrsachen auszuschließen.

Erst Gespräch mit Besitzern

Der erste Schritt zur psychologischen Behandlung von Stubentigerund Co kann daher immer nur über Herrchen und Frauchen erfolgen. „Inerster Linie bin ich für die Menschen da“, sagt Goertz. In Gesprächenschildern diese der Expertin, wo die Probleme liegen und welcheBeobachtungen sie täglich machen. Hinzu kommt ein Blick in dieVergangenheit: Hat das Tier schon einmal Gewalt erfahren? Wie ist esaufgewachsen? Wann sind die Störungen erstmals aufgetreten?Ehrlichkeit ist bei der Beantwortung oberstes Gebot. Nur so kann einfundierter Therapieplan erstellt werden. „Niemand kennt das Tier sogut wie der Besitzer“, betont die geprüfte Psychologin. „Nicht seltenhaben die Tierhalter den Schlüssel zur Heilung bereits in der Hand -ich helfe ihnen dabei, die Tür zu öffnen.“

Wenn die Gespräche mit den Besitzern nicht weiterhelfen, trittMiriam Goertz auch direkt mit ihren vierbeinigen Patienten in Kontakt- sozusagen Auge in Auge. Eine professionelle Distanz ist dabei aberdennoch unverzichtbar. „Ich arbeite mit den Tieren, um mich ersetzbarzu machen“, erklärt sie. Zu enge Beziehungen würden da nur neueProbleme verursachen. Um bei der Beobachtung unerkannt zu bleiben,müsse ab und an auch mit Videokameras gearbeitet werden. „Nur so kannich sehen, wie sich die Tiere verhalten, wenn sie alleine sind.“ Diesist etwa bei Tieren entscheidend, die sich in der Abwesenheit ihrerBesitzer selbst verletzen oder sehr scheu sind.

So individuell wie die Charaktere ihrer Patienten sind auch dieUrsachen für ihre Verhaltensstörungen. In den meisten Fällen ist derMensch verantwortlich für das psychische Leiden der Vierbeiner. „Dieswollen viele Herrchen und Frauchen leider nicht immer wahrhaben“,sagt Goertz. „Aber gerade diese Einsicht ist entscheidend für eineerfolgreiche Therapie im Sinne des Tieres.

Spread the love
  •  
  •  
  •  
  •  
  •  
  •  
  •  
  •  
  •  
  •  
  •  
  •  
  •