Was Saddam Hussein begann, setzt der Klimawandel fort

Die Erinnerung an diese Welt hält er mit seinen eindrucksvollen Schilderungen und ebenso eindrucksvollen Fotos in seinem 1964 erschienenen Buch «The Marsh Arabs» wach. Die Gewässer waren damals fischreich, Seeadler zogen über das Land, das flach ist, so weit das Auge reicht, ebenso Reiher und Pelikane. Was sie fischten, verzehrten sie, was übrig blieb, verkauften sie an zentralen Stellen ebenso wie die Milch der Büffel. Sie bauten sich Häuser nur mit Schilf.

Die großen, ebenfalls nur mit Schilf gebauten Versammlungsräume waren bis zu 50 Meter lang und hatten eine fast sakrale Aura. Doch die Moderne zog auch in diese Schilfhäuser der Marscharaber ein. Der irakische Diktator Saddam Hussein griff 1991 in dieses Leben ein. In jenem Jahr, die irakische Armee war aus Kuweit vertrieben worden, erhoben sich im Süden des Iraks die Schiiten gegen die Gewaltherrschaft von Saddam Hussein.

Das Marschland war ihr ideales Rückzugsgebiet. Saddam Hussein verwandelte dieses einstige Paradies so in eine Wüste, und so fegte von dann an der Wüstenwind über die endlose flache Ebene, eine Salzkruste bedeckte den Boden. Zum ersten Mal seit Menschengedenken lebten hier keine Menschen mehr. Als Saddam Hussein 2003 gestürzt wurde, erholte sich die Gegend, in die trockengelegten Sümpfe kehrte Leben zurück.

Wasser füllte wieder die Kanäle, viele kehrten zurück und ließen sich auf den zahlreichen Inseln nieder, auf denen wieder Schilf wuchs. Die Wasserbüffel gleiten wohl noch nach wie vor lautlos ins Wasser und entziehen sich so der Hitze. Sie geben aber weniger Milch. Hier, in diesem Marschland am Unterlauf von Euphrat und Tigris, wird besonders deutlich, wie sehr der Satz stimmt, dass Wasser Leben bedeutet.

Zudem steigt die Temperatur, aufgrund der meteorologischen Besonderheiten doppelt so viel wie im weltweiten Durchschnitt, wodurch noch mehr Wasser verdunstet. Von Norden her bringen die Ströme Euphrat und Tigris immer größere Mengen verschmutztes Wasser in die Kanäle. Jeden Tag fließen 5 Millionen Kubikmeter Abwässer ungeklärt in den Tigris, räumt die irakische Regierung ein. Deshalb gibt es weniger Fische, und deshalb müssen die Marscharaber das Trinkwasser in Tanks herbei schaffen.

Das verschmutzte Wasser verursachte Krankheiten, was ein weiterer Grund für den anhaltenden Wegzug in die Städte ist. Sie vermitteln einerseits, wie sehr die Marscharaber noch immer in Würde leben, andererseits aber auch, dass und wie menschliche Eingriffe ihnen die Lebensgrundlage entziehen.

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