Wer garantiert für die Tattoofarben?

Tattoofarben müssen nicht amtlich zugelassen werden

Generell gilt für Tattoofarben in Deutschland, dass sie nicht gesundheitsschädlich sein dürfen. Bestimmte Stoffe dürfen in Deutschland nicht in Tattoofarben verwendet werden.

Verbot essentieller Pigmente für Tattoofarben

Für die Herstellung verschiedener Tattoofarben benötigt man vor allem eines: Pigmente. Denn diese Pigmente sind farbgebend und somit ein essentieller Bestandteil bunter Tattoofarben.

In einer 2018 veröffentlichten Studie wurden 451 Farben untersucht, davon 396 Tattoofarben und 55 Farben für Permanent-Make-Up. In mehr als einem Viertel dieser Farben war das Pigment Blue 15 enthalten und in 12 % der Farben das Pigment Green 7. Somit waren diese beiden die am häufigsten vorgefundenen Pigmente in den getesteten Tattoofarben. Diese absolute Notwendigkeit der zwei Pigmente Blue 15 und Green 7 bestätigen auch die deutschen Hersteller und Vertreiber von Tattoofarben.

Durchgeführt wurde die Studie in der Schweiz, wo auch die verschiedenen Tattoofarben über acht Jahre hinweg gesammelt wurden. Pigment Green 7 war zu dieser Zeit in der Schweiz bereits als Inhaltsstoff für Tattoofarben verboten. Dennoch wurde es in 12 % der untersuchten Farben nachgewiesen. Dabei war auffällig, dass die verbotenen Pigmente bei 68 % der Farben nicht gelistet wurden. Da es keine weitgreifende Marktkontrolle von Tattoofarben gibt, ist diese falsche Etikettierung der Produkte aktuell kaum aufzuhalten.

Gibt es keine Alternativen für Tattoofarben?

Um Kund*innen und Tätowierer*innen zu schützen, setzt sich die Tattoo-Industrie in Deutschland einen hohen Standard. Eigene wissenschaftliche Untersuchungen, enger Kontakt zu Pigment-Produzenten sowie die Sicherheit ihrer Produkte gehören für deutsche Händler dazu. Gordon Lickefett von Tattoosafe, einem von Deutschlands führenden Shops für Tattoo Equipment, erklärt uns: “Was die EU-Komission denkt, ist dass es für diese beiden Pigmente Ersatzpigmente gibt. Die gibt es aber derzeit noch nicht. Vom gesamten Farbspektrum würden circa 66 % der Farben in der gesamten EU unzulässig werden. Kein blau, kein grün und somit zum Beispiel auch kein braun!”

Oh je, und dann?!

Sollten die bewährten Pigmente tatsächlich verboten werden, würde dies nur zu weiteren Komplikationen führen. Da der Großteil von Tätowierer*innen auf bestimmte Farben angewiesen ist, käme es zu ganz neuen Problemen. So würden Artists beispielsweise Farben aus dem Ausland beziehen müssen, welche keiner Kontrolle oder Regulation unterliegen, und diese illegal nutzen. Denn es ist nicht vorstellbar, dass sämtliche Tätowierer*innen einfach ohne blau und grün weiterarbeiten. Viele Kundenwünsche und Motive wären ohne diese Farben schlichtweg nicht mehr umsetzbar.

Dieses Problem sieht auch Gordon: “Für die ECHA und bei der geplanten REACH-Verordnung steht der Verbraucherschutz im Vordergrund. Meiner Meinung nach ist aber genau dieser in Gefahr. Wir Hersteller und Händler in Deutschland nehmen unsere Verantwortung sehr ernst. Wir haben hier eine lückenlose Rückverfolgbarkeit unserer verkauften Farben etabliert. Sollte es also einen Rückruf geben, können wir ganz gezielt die betroffenen Kunden kontaktieren. Sobald die Tätowierer dann aber illegale Farben verwenden, die schädliche Inhaltsstoffe enthalten, weiß nachher keiner, was überhaupt in der Haut drin ist. Sollten also gesundheitliche Schwierigkeiten auftreten, gibt es keinen Ansprechpartner und keinen Schutz weiterer Verbraucher.”

Wer will die Pigmente verbieten?

Aktuell prüft die Europäische Chemikalienagentur (ECHA) den Sachverhalt. Diese Behörde der Europäischen Union regelt die Bewertung und gibt Empfehlungen für Zulassungen sowie Verbote von Chemikalien. Ziel ist dabei eine Risikobegrenzung sowie Überwachung der Chemikaliensicherheit. Beauftragt wird sie allerdings von der EU Kommission, welche letztendlich die Entscheidung für oder gegen ein Verbot der Pigmente fällen wird.

Tätowiermittel sind KEINE Kosmetik!

Das große Problem an der geplanten REACH-Verordnung ist, dass Inhaltsstoffe von Tätowiermitteln unter anderem dann verboten werden sollen, wenn diese in Kosmetikprodukten unzulässig sind. Was zunächst plausibel klingt, ist jedoch nicht sonderlich sinnvoll begründet.

In der Kosmetik-Verordnung werden Produkte beispielsweise verboten, wenn sie für Schleimhäute ungeeignet sind oder eine langfristige Färbung der Haut verursachen. Verbote werden also teils mit Eigenschaften begründet, die beim Tätowieren keine Rolle spielen oder sogar gewünscht sind. Daher muss eine eigene spezifisch auf die Risiken von Tätowierfarben ausgelegte Regulierung her!